Big Tech unter Druck: Warum Anleger US-Nebenwerte neu entdecken

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Chancen bei US-Tech-Nebenwerten?

Der S&P 500 notiert nur knapp unter Rekordniveau, doch unter der Oberfläche verschiebt sich das Kräfteverhältnis. Während große Technologiewerte verlieren, gewinnen Substanz- und Nebenwerte an Boden. Was hinter der Rotation steckt – und welche Schlüsse Investoren ziehen.

Zwar liegt der S&P 500 aktuell nur etwa zwei Prozent unter seinem Allzeithoch, und die Performance von US-Aktien blieb seit Jahresbeginn nahezu unverändert. Innerhalb des Marktes hat jedoch eine Rotation stattgefunden: Die „Magnificent 7“, die in den vergangenen Jahren eine starke Performance erzielt hatten, sind um rund sieben Prozent gefallen. Substanzwerte schneiden nun besser ab als Wachstumstitel, und Small Caps erzielen eine deutlich bessere Performance.

KI treibt Disruption, ist aber kein Garant für Erfolg


Die US-Gewinnsaison war stark, aber Anleger werden mit Blick auf die KI-Investitionszusagen vieler Technologieunternehmen zunehmend vorsichtig. So wollen beispielsweise Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft in den nächsten zwölf Monaten insgesamt 660 Milliarden US-Dollar ausgeben – deutlich über den Erwartungen. Früher wurden solche erheblichen Investitionen begrüßt, doch mittlerweile betrachten Investoren sie zunehmend mit Skepsis und bezweifeln allmählich, ob diese massiven Ausgaben auch zu höheren Renditen führen. Generell beobachten wir, dass die Märkte die durch KI verursachten Umbrüche in verschiedenen Branchen einpreisen. So wurden in den letzten Wochen mehr als eine Billion Dollar an Börsenwerten vernichtet.

Die wahrgenommenen Disruptionsrisiken betreffen Geschäftsmodelle in unterschiedlichen Sektoren – darunter Software, Rechtsdienstleistungen, IT-Beratung, Vermögensverwaltung, Logistik und Immobilien. Welche Folgen diese Veränderungen tatsächlich haben werden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Auffällig ist jedoch, dass einzelne Bereiche in den jüngsten Verkaufswellen überproportional unter Druck geraten sind.

Im Jahr 2025 galt jedes Unternehmen, das in irgendeiner Weise von KI profitieren könnte, als Gewinner. Dieses Jahr beobachten wir dagegen eine deutliche Differenzierung zwischen den erwarteten Gewinnern und Verlierern. Im Technologiebereich beispielsweise haben Hardware-Unternehmen Software-Unternehmen übertroffen. In den anderen oben genannten Branchen gibt es zahlreiche Schlagzeilen über disruptive Veränderungen, aber nur wenige Anhaltspunkte dafür, was das tatsächlich bedeutet.


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Noch kann niemand sagen, wie weit diese Rotation gehen wird – doch die KI-Euphorie der Anleger hat einen Dämpfer erfahren. Ein zunehmend breiter Einsatz künstlicher Intelligenz ist ein langfristiges Unterfangen, und wir stehen gerade erst am Anfang dieses Trends. Solange der Ausblick unklar bleibt, sind Anleger gegenüber den großen Technologiewerten etwas zurückhaltender. Doch die jüngsten Turbulenzen im Technologiesektor haben auch einen positiven Effekt: Jene Sektoren, die bisher vernachlässigt wurden, erhalten nun mehr Aufmerksamkeit. Gerade Small Caps, aber auch Substanzwerte und Regionen wie Japan, Asien und Lateinamerika haben eine bessere Performance erzielt.

Was bedeutet das alles für Anleger? Columbia Threadneedle hat kürzlich die US-Allokation nach einer längeren Übergewichtung auf neutral reduziert. Dennoch sehen wir in den USA auch künftig zahlreiche Chancen, besonders bei den Nebenwerten. Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer guten Verfassung, mit einem soliden Wirtschaftswachstum und fiskalischen Impulsen, die die Wirtschaft in den kommenden Monaten zusätzlich stützen dürften. Darüber hinaus könnte die Federal Reserve ihre Geldpolitik lockern. Während sich allmählich die tatsächlichen Gewinner und Verlierer der KI-Revolution herauskristallisieren, dürften Anleger ihren Horizont auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten erweitern. Dabei lohnt insbesondere ein globaler Blickwinkel und eine stärkere Berücksichtigung von Value-Aktien und Small Caps.

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