Deutsche Bank: So zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Leben

Mann,der vor Aktienkursen sitzt
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Soeschätzen Deutsche ihr Leben ein.

Am Ende eines jeden Jahres machen sich viele Menschen Gedanken über ihre eigene Lebenssituation. Wie zufrieden oder unzufrieden sind die Deutschen? Mit Hilfe eines neu entwickelten „Lebensstandardindex“ befragte die Deutsche Bank Bürgerinnen und Bürger in Deutschland mit Unterstützung des Meinungsforschungsinstitutes Bonsai. Die repräsentativen Ergebnisse dürften viele Beobachter angesichts von Kriegen, Krisen und Konjunktursorgen überraschen.

Die Befragten bewerteten ihren aktuellen Lebensstandard, gemessen an einer Schulnotenskala von 1 bis 6, immerhin mit „noch gut“ (Schulnote 2-, exakt 2,48). Merkliche Unterschiede zeigten sich zwischen den Bundesländern: Während sich etwa die Einwohnerinnen und Einwohner in Brandenburg (2,37), dem Saarland (2,39) und Hessen (2,41) positiv vom Bundesdurchschnitt abheben, äußerten sie sich in Bremen (2,56) sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen (beide 2,53) deutlich weniger zufrieden.

„Die Erhebung zeigt, dass die Deutschen mit ihrem Leben zufriedener sind als vielfach angenommen und berichtet wird“, erklärt Volkswirt Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research, und ergänzt: „Schon Ludwig Erhard wusste, dass die Psychologie in der Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Die hier ermittelte Stimmungslage ist ein Frühindikator, der hoffnungsfroh stimmt. Ihren Zukunftsoptimismus schöpfen die Menschen vor allem aus Zusammenhalt – für mich ein Mut machendes Vorzeichen für 2024.“

Der von der Deutschen Bank errechnete Lebensstandardindex umfasst mehrere Kategorien und orientiert sich an der sogenannten Bedürfnispyramide nach Maslow: Grundbedürfnisse (unter anderem Wohnen und Ernährung), Sicherheitsbedürfnisse (Sicherheit der Wohnung, des Arbeitsplatzes, finanzielle Sicherheit und Vorsorge), soziale Bedürfnisse (Familie, Freundschaften), individuelle Bedürfnisse (Reisen, Luxus) sowie die Selbstverwirklichung (Hobbys, ehrenamtliches Engagement, Weiterbildung). Mit ihren Antworten bestimmten die Befragten einerseits die Gewichtung der verschiedenen Kategorien im Lebensstandardindex („Wichtigkeit“); andererseits gaben sie Auskunft über ihre persönliche Zufriedenheit mit den verschiedenen Aspekten ihres Lebensstandards („Erfüllung“).

Bezieher niedriger Einkommen deutlich weniger zufrieden

Noch auffälliger als beim Wohnort unterscheiden sich die Antworten der Befragten in soziodemografischer Hinsicht, insbesondere mit Blick auf das Einkommen. Während Befragte mit einem vergleichsweise niedrigen Einkommen den eigenen Lebensstandard mit einem Indexwert von 2,73 und damit eher im Bereich der Schulnote 3 einordnen, sind Personen mit einem hohen Einkommen mit einer glatten 2 deutlich zufriedener. Unterschieden wurden drei Cluster mit einem Haushaltsnettoeinkommen von monatlich bis zu 3.000 Euro, Haushalte mit einem Einkommen zwischen 3.000 und 5.000 Euro sowie solche mit mehr als 5.000 Euro.

Unterschiede zwischen Haushalten mit niedrigen und höheren Einkommen gibt es nicht nur im Hinblick auf die Erfüllung von Grundbedürfnissen, wie etwa Wohnen und Ernährung. Sie treten in allen Kategorien der Pyramide nach Maslow auf, also auch bei individuellen Bedürfnissen und der Selbstverwirklichung. Die Zufriedenheit mit individuellen Bedürfnissen etwa bewerten die Haushalte mit niedrigem Einkommen mit 3,33 gegenüber 2,28 bei Gutverdiener-Haushalten bzw. 2,92 im Durchschnitt aller Bundesbürger. Damit zeigen sich in der Gesellschaft deutliche Unterschiede in der Zufriedenheit auch mit Blick auf Aspekte des Lebens, die als wichtig für die sogenannte kulturelle Teilhabe gelten.
Mit der Verteuerung der Lebenshaltung dürfte sich diese Zufriedenheitslücke zwischen den Einkommensgruppen zuletzt möglicherweise noch weiter vergrößert haben. So bejahen 71 Prozent der Befragten aus Haushalten mit niedrigen Einkommen die Aussage „Die aktuelle Inflation hat einen negativen Einfluss auf meine aktuelle Situation“. Bei den mittleren Einkommen waren es 63 Prozent und bei den höheren Einkommen 64 Prozent.

Wie wird 2024?

Während die Deutschen aktuell im Schnitt recht zufrieden sind, tendieren sie beim Blick in die Zukunft zur Vorsicht. So stimmen 61 Prozent der Aussage zu „Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung wird mir die Erreichung meiner Ziele erschweren“.

Grund zur Zuversicht – trotz aller Herausforderungen – bieten für die meisten Befragten der Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis sowie ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement. 72 Prozent bejahen die Aussage „Mit Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis werden wir auch die aktuellen Krisen meistern“. Und 68 Prozent sind davon überzeugt, dass Engagement und Ehrenamt dazu beitragen, dass es nach wie vor positive Erfahrungen für alle gibt.

Über den Lebensstandardindex
Die Deutsche Bank erhob die Umfrage „So zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Leben – der Deutsche Bank Lebensstandardindex 2023“ mit Unterstützung des unabhängigen Marktforschungsinstitutes Bonsai im Zeitraum vom 22. bis 29. September 2023. 3.200 Bundesbürger aus einem Online-Panel schätzten ihren Lebensstandard anhand verschiedener Bedürfniskategorien ein. Aus jedem Bundesland wurden 200 Personen befragt. Um repräsentative Aussagen für Gesamtdeutschland treffen zu können, gewichteten die Fachleute die Ergebnisse aus den 16 Bundesländern entsprechend ihrer Einwohnerzahlen.
Der Lebensstandardindex ergibt sich aus den Schulnoten in den fünf Bedürfniskategorien. Dabei gewichteten die Forscher den Durchschnitt danach, welche Bedeutung die Befragten den jeweiligen Kategorien zugeordnet hatten. So hat zum Beispiel die Note bei den Grundbedürfnissen einen höheren Einfluss als die Note bei den Individualbedürfnissen.

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