Der Bitcoin-Kurs notiert aktuell bei rund 68.962 US-Dollar und hat im 30-Tages-Rückblick bereits 24 Prozent an Wert eingebüßt. Und doch könnte diese Korrektur erst der Anfang sein. Bloomberg-Analyst Mike McGlone brachte am Montag erneut ein Szenario ins Spiel, das selbst für erfahrene Marktbeobachter drastisch wirkt: einen Rückgang bis auf 10.000 US-Dollar. Was hinter dieser Einschätzung steckt und welche Daten dafür oder dagegen sprechen, zeigt eine neue Infografik von Kryptoszene.de.
Bemerkenswert ist die Bitcoin Prognose auch deshalb, weil McGlone nicht als klassischer Bitcoin-Kritiker gilt. In der Vergangenheit hat er sowohl pessimistische als auch überraschend präzise Einschätzungen geliefert. So rechnete er im Februar 2018, als Bitcoin bei rund 10.000 US-Dollar notierte, mit einem starken weiteren Einbruch. Zwar lag das spätere Bärenmarkttief nicht bei von ihm angepeilten 1.000 US-Dollar, sondern bei etwas über 3.000 US-Dollar, die Richtung seiner Prognose stimmte jedoch. Umgekehrt zeigte er sich im Oktober 2020 optimistisch und hielt einen Kurs von 100.000 US-Dollar innerhalb von fünf Jahren für realistisch – ein Niveau, das Bitcoin später tatsächlich erreichte.
McGlone begründet seine aktuelle Skepsis unter anderem mit fehlenden neuen positiven Impulsen. Viele der Hoffnungen, auf die sich der Markt lange gestützt hatte, seien bereits Realität geworden. Hinzu komme eine zunehmende Fragmentierung des Kryptomarkts sowie eine insgesamt angespannte makroökonomische Lage. Die hohe Bewertung der Aktienmärkte im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und die relative Stärke von Gold wertet er als mögliche Vorboten einer größeren Korrektur.
Ein Blick auf die Marktdaten relativiert diese Argumentation jedoch zumindest teilweise. Wie die Grafik zeigt, liegt die Bitcoin-Dominanz aktuell bei rund 58,5 Prozent und damit auf einem im historischen Vergleich hohen Niveau, sieht man von den Anfangsjahren ab. Im Gegensatz zu früheren Marktphasen dominieren Altcoins derzeit nicht das Marktgeschehen. Die These einer breiten Inflation von Kryptowerten spiegelt sich in dieser Kennzahl bislang nicht wider.
Gleichzeitig zeigt die Infografik, dass ein Rückgang um rund 85 Prozent historisch nicht ausgeschlossen ist. Frühere Bärenmärkte waren teils von ähnlich starken Kursverlusten geprägt. Im Jahr 2014 fiel Bitcoin vom Hoch aus um etwa 86 Prozent, 2022 lag der maximale Rückgang bei rund 77 Prozent. Aktuell notiert der Kurs bereits mehr als 45 Prozent unter seinem Allzeithoch. Die historische Erfahrung zeigt, dass selbst nach deutlichen Korrekturen weitere Abwärtsbewegungen möglich sind.
Allerdings hat sich die Struktur des Bitcoin-Marktes in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Ein wachsender Anteil der Coins befindet sich heute in den Händen von ETFs, Staaten und börsennotierten Unternehmen, die in der Regel langfristiger agieren. Auch bei privaten Anlegern ist ein größerer Teil der Bestände in selbstverwahrten Wallets gebunden. Diese veränderte Eigentümerstruktur könnte extreme Kursbewegungen dämpfen, auch wenn weiterhin ein erheblicher Teil der Coins von Retail-Anlegern gehalten wird.
Ein weiteres Signal liefert die Marktstimmung. Der Fear-and-Greed-Index liegt aktuell bei einem Wert von 9 und damit im Bereich extremer Angst – ein Niveau, das historisch nur sehr selten erreicht wurde. Wie die Infografik zeigt, traten vergleichbare Stimmungswerte in der Vergangenheit häufig nahe markanter Tiefpunkte auf. Phasen ausgeprägter Verunsicherung gingen historisch eher Erholungen als weiteren massiven Einbrüchen voraus.
Auch die Auswertung von Suchdaten zeichnet ein vielschichtiges Bild. Das weltweite Interesse an Kryptowährungen ist derzeit gering, während Suchanfragen zu Gold deutlich zulegen. Das stützt zwar McGlones Einschätzung, dass Gold als Frühindikator für größere Krisen dienen könnte. Gleichzeitig hat Bitcoin in früheren Krisenphasen oft verzögert reagiert und später an Bedeutung gewonnen.
Dass zumindest einige Marktteilnehmer die aktuelle Schwächephase bereits als Einstieg nutzen, legt ebenfalls die Infografik nahe. So tätigte El Salvador Anfang Februar erstmals seit längerer Zeit wieder einen größeren Bitcoin-Kauf.
Parallel erreichten Suchanfragen wie „how to sell bitcoin“ zuletzt neue Höchststände, was auf ausgeprägte Angst unter Privatanlegern (mit wenig Erfahrung im Krypto-Sektor) hindeutet. Historisch erwiesen sich solche Panikphasen jedoch häufig als Kontraindikator. Ob daraus erneut eine Trendwende entsteht oder ob das von McGlone skizzierte Krypto Prognose Realität wird, bleibt offen.















