EXKLUSIV GEV: „Richtige Kalkulation schafft langfristige Sicherheit“

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Jens van der Wardt: „Wir schauen auch auf die „inneren Werte“ von Objekten und können so auch betagte Gebäude passgenau und risikogerecht absichern.“

Steigende Bau- und Reparaturkosten, zunehmende Extremwetterereignisse und älter werdende Gebäude setzen die Wohngebäudeversicherung massiv unter Druck. Was bedeutet das für Makler in der Beratung, für Eigentümer in der Prämienentwicklung und für die langfristige Versicherbarkeit von Immobilien? Jens van der Wardt, Leiter Maklervertrieb der GEV Grundeigentümer-Versicherung, ordnet die aktuellen Markttreiber ein, erklärt Stellschrauben für bezahlbaren Schutz und zeigt, warum Prävention, Objektqualität und realistische Erwartungshaltungen künftig über stabile Policen entscheiden.

Herr van der Wardt, die Wohngebäudeversicherung steht massiv unter Druck – Stichworte Baukosten, Reparaturkosten, Inflation. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Markttreiber, die Makler aktuell in der Beratung unbedingt einordnen müssen?

van der Wardt: Die Bau- und Sanierungskosten steigen kontinuierlich. Höhere Löhne, Fachkräftemangel und Materialpreise führen dazu, dass selbst kleinere Schäden heute deutlich teurer reguliert werden. Makler sollten ihren Kunden vermitteln: Beitragsanpassungen werden nicht aus der Luft gegriffen, sondern dezidiert aus dem Kostenumfeld und der Schadenentwicklung berechnet.

Hinzu kommt das erhöhte Risiko: Der Markt muss in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme von Schadenereignissen tragen, durch Leitungswasser, aber insbesondere infolge von Extremwetterlagen. Gerade Starkregenereignisse betreffen zunehmend vermeintlich sichere Lagen. Diese Entwicklungen schlagen sich in den Schadenaufwendungen nieder und setzen die Kalkulation der Prämien unter Druck.

Für uns ist die Herausforderung, unsere Produkte auch weiterhin wirtschaftlich und zugleich zukunftssicher für Makler und ihre Kunden zu gestalten. Wie viele Versicherer differenzieren wir darum stärker nach Risikoqualität. Für Makler heißt das: Objektqualität, Alter, Sanierungsstand und Prävention werden immer entscheidender für Versicherbarkeit und Beitrag.

Viele Eigentümer wollen bestmöglichen Schutz, fürchten aber steigende Beiträge. Welche Stellschrauben sehen Sie, um einen umfassenden Versicherungsschutz bezahlbar zu halten?

van der Wardt: Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ist es uns grundsätzlich wichtig, den Versicherungsschutz für unsere Mitglieder erschwinglich zu halten. Dafür bieten wir flexible Selbstbeteiligungen, verschiedene Rabattmodelle und einen innovativen Schadenfreiheitsbonus an. Selbstbeteiligungen senken nicht nur den Beitrag, sondern reduzieren auch die Kleinschadenfrequenz.

Elementarschäden – insbesondere durch Starkregen – werden häufiger und schwerer kalkulierbar. Wie hat sich die Risikobewertung in den letzten Jahren verändert, und was bedeutet das konkret für die Versicherbarkeit und Prämienentwicklung im Bestand?

van der Wardt: Die Risikobewertung ist heute stärker geokodiert und verknüpft Überschwemmung, Rückstau und Starkregen systematisch mit Standortdaten. Die Bewertung von Immobilien erfolgt dadurch deutlich adressgenauer und datenbasierter. Es geht nicht mehr nur um die klassischen Hochwasserzonen, sondern um Starkregen, Geländeprofil und Bebauungsstruktur – nicht nur: „am Fluss ja/nein“. 

Elementarschutz scheitert in der Praxis oft nicht am Bedarf, sondern an Unsicherheit oder falschen Erwartungen. Welche typischen Beratungsfehler erleben Sie – und welche Argumentationslinie hilft Maklern, Elementardeckung nachvollziehbar und kundenorientiert zu vermitteln?

van der Wardt: Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung von Elementarschäden mit Flusshochwasser. Starkregen und Rückstau sind in der Praxis viel relevanter, auch in urbanen Lagen. Zudem werden Leistungsgrenzen und Obliegenheiten oft nicht klar genug erklärt, etwa beim Thema Rückstausicherung oder fehlender Wartung. 

Erfolgreich ist die Beratung, wenn sie von einem konkreten Szenario ausgeht: Was passiert bei einem Starkregenereignis genau in diesem Gebäude – und was kann ein Schaden Sie realistisch kosten? Das schafft Verständnis und Entscheidungssicherheit und damit eine Basis für die Frage: Was können wir tun, damit es bezahlbar bleibt?

Der beste Schaden ist der, der gar nicht entsteht. Wie können Eigentümer und Makler frühzeitig gegensteuern, damit Schäden vermieden werden – und welche Präventionsmaßnahmen haben sich in der Praxis bewährt?

van der Wardt: Ich sage immer: „Eigentum verpflichtet“. Das bedeutet, dass Immobilieneigentümer die Verantwortung für den Werterhalt ihres Eigentums tragen. Um Schäden zu verhindern, sollte man vor allem ein Auge auf Gebäudehülle, Fenster und Wasserleitungen haben: Regelmäßige Dachkontrollen, Säuberung der Dachrinnen und funktionsfähige Abdichtungen verhindern viele Sturm- und Nässeschäden. Undichte Kellerfenster und Lichtschächte sind ebenfalls häufige Schadenursachen – auch hier lassen sich mit überschaubarem Aufwand große Effekte erzielen. Zuletzt ist auch eine zeitgemäße technische Infrastruktur im Gebäude entscheidend: Eine Rückstausicherung und gepflegte Leitungswassersysteme reduzieren sowohl Schadenhäufigkeit als auch Schadenhöhe. 

Makler können diese Punkte systematisch in ihre Risikoanalyse integrieren, etwa über kurze Objektchecks oder gezielte Fragen im Beratungsgespräch. Mit der Erwähnung von Risikopotenzialen, Sanierungsmöglichkeiten und Selbstbeteiligungsmodellen stärken sie das Vertrauen ihrer Kunden und schaffen die Grundlage für langfristig tragfähige Policen. 

Viele Schäden entstehen bereits während der Neubau-Phase. Welche Versicherungen und Deckungsbausteine sind in der Bauphase essenziell, und worauf sollten Makler bei Neubau, Umbau oder Sanierung besonders achten?

van der Wardt: In der Bauphase essenziell sind die Bauherrenhaftpflicht-, die Bauleistungsversicherung und die beitragsfreie Feuerrohbauversicherung. Die Protect+ Premiumlinie der GEV deckt übrigens nicht nur Risiken durch Feuer, sondern auch durch Leitungswasser, Hagel und Sturm ab. Momentan überarbeiten wir unsere Bauversicherungen grundlegend, um eine noch umfangreichere und zeitgemäßere Absicherung für Bauleute zu bieten.

Bei Bestandsimmobilien gilt es, Umbau und Sanierungsphasen abzusichern. Kunden sollten ihren Makler informieren, wenn sie größere Umbauten an ihrer Immobilie planen, damit dieser ein passendes Versicherungskonzept dafür aufstellen kann. Als Spezialversicherer für Immobilien bieten wir beispielsweise eine Bauleistungsversicherung an, die konkret auf Sanierungsmaßnahmen im Altbaubestand ausgelegt ist.

Apropos Bestandsimmobilien: Bei älteren Gebäuden steigt die Schadenanfälligkeit und damit die Anforderung an die Versicherbarkeit. Wie gehen Sie als Spezialversicherer damit um? 

van der Wardt: Rund zwei Drittel der Wohnhäuser in Deutschland sind älter als 45 Jahre und zeigen typische Schwachstellen: Korrodierte Rohre sind anfälliger für Leitungswasserschäden. Feuchtigkeit im Mauerwerk oder „arbeitende“ Baukörper durch Temperaturschwankungen und Windbelastung sorgen für stetigen Verschleiß. Besonders kritisch: Die Lebensdauer vieler technischer Systeme liegt bei 30 bis 50 Jahren. Ab diesem Punkt steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit rapide an. 

Nachhaltige Sanierung und gezielte Präventionsmaßnahmen sind der Schlüssel zur Risikominimierung: Bereits einfache Schritte wie das regelmäßige Erneuern von Dichtungen, das Absperren der Wasserzufuhr bei Abwesenheit oder ein Blick aufs Dach nach einem Sturm können helfen. Größere Maßnahmen wie eine fachgerechte Dachsanierung, moderne Dämmkonzepte oder eine Erneuerung der Rohrleitungen schützen das Gebäude effektiv vor Folgeschäden. Zudem sorgen viele Sanierungsmaßnahmen für eine bessere Energieeffizienz des Gebäudes: Sie senken langfristig den Energieverbrauch und damit auch die laufenden Kosten. 

Entscheidend ist, dass die Maßnahmen dokumentiert werden. Wir als Spezialversicherer für Immobilien schauen nicht nur rein auf das Baujahr, sondern auch auf die „inneren Werte“ und können so auch betagte Gebäude passgenau und risikogerecht absichern.

Dieser Artikel ist Teil des EXKLUSIV GEV. Alle Artikel des EXKLUSIV finden Sie hier.

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