Treiber der Entwicklung sind vor allem kontinuierlich steigende Bau- und Sanierungskosten. Höhere Löhne, Fachkräftemangel und teurere Materialien führen dazu, dass selbst kleinere Schäden heute deutlich höhere Regulierungssummen verursachen. Gleichzeitig nimmt die Schadenfrequenz zu. Neben Leitungswasserschäden schlagen insbesondere Extremwetterereignisse zu Buche. „Besonders durch Starkregenereignisse sind zunehmend auch vermeintlich sichere Lagen betroffen“, betont Jens van der Wardt. Für die Kalkulation heißt das: mehr Volatilität, mehr Druck auf die Prämien.
Objektqualität, Baualter, Sanierungsstand und Präventionsmaßnahmen rücken stärker in den Fokus. Für den Vertrieb bedeutet das: Die klassische Tarifberatung reicht nicht mehr aus. Makler müssen Gebäude individueller analysieren, Risikomerkmale sauber erfassen und Sanierungs- oder Sicherungsmaßnahmen aktiv ansprechen. Nur so lassen sich Versicherbarkeit und bezahlbare Beiträge langfristig sichern.
Gerade beim Elementarschutz zeigt sich, wie wichtig qualifizierte Beratung ist. Die Risikobewertung erfolgt heute deutlich adressgenauer und datenbasierter. Neben klassischen Hochwasserzonen spielen Starkregen, Rückstau, Geländeprofil und Bebauungsstruktur eine zentrale Rolle. Dennoch scheitert die Elementardeckung in der Praxis häufig nicht am Bedarf, sondern an falschen Annahmen. Elementarschäden werden noch immer mit Flusshochwasser gleichgesetzt – dabei sind urbane Starkregenereignisse oft relevanter. Hinzu kommen unklare Erwartungen zu Leistungsgrenzen oder Obliegenheiten, etwa bei fehlender Rückstausicherung.
Erfolgreiche Beratung setzt daher an konkreten Szenarien an: Was passiert bei einem Starkregenereignis genau an diesem Standort? Welche Kosten entstehen realistisch? Wer diese Fragen durchspielt, schafft Verständnis – und Akzeptanz für risikogerechte Prämien oder Selbstbeteiligungen. Flexible Selbstbehalte, Rabattmodelle oder Schadenfreiheitsboni können helfen, den Schutz bezahlbar zu halten und gleichzeitig die Kleinschadenfrequenz zu senken.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Prävention. „Eigentum verpflichtet“, sagt van der Wardt. Regelmäßige Dachkontrollen, gereinigte Dachrinnen, intakte Abdichtungen sowie funktionsfähige Rückstausicherungen reduzieren Schadenhäufigkeit und -höhe erheblich. Auch gewartete Leitungswassersysteme und dokumentierte Sanierungsmaßnahmen wirken sich positiv auf die Risikoeinschätzung aus. Makler können diese Punkte systematisch in ihre Risikoanalyse integrieren – etwa über strukturierte Objektchecks im Beratungsgespräch.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Bestandsimmobilien. Rund zwei Drittel der Wohnhäuser in Deutschland sind älter als 45 Jahre. Korrodierte Leitungen, ermüdete Dichtungen oder veraltete technische Anlagen erhöhen die Schadenanfälligkeit deutlich. Gleichzeitig zeigt sich: Nicht allein das Baujahr entscheidet über die Versicherbarkeit. Dokumentierte Modernisierungen, energetische Sanierungen und erneuerte Rohrsysteme verbessern die Risikobewertung erheblich.
Auch während Neubau, Umbau oder Sanierung entstehen erhebliche Risiken. Bauherrenhaftpflicht-, Bauleistungs- und Feuerrohbauversicherung sind hier essenziell. Makler sollten darauf achten, dass geplante Maßnahmen frühzeitig gemeldet und passende Deckungskonzepte vereinbart werden – gerade im Altbaubestand.
Unterm Strich wird die Wohngebäudeversicherung komplexer – aber auch beratungsintensiver. Wer Kostenentwicklung, Elementarrisiken und Präventionspotenziale transparent macht, stärkt nicht nur die Abschlussquote, sondern auch die langfristige Stabilität des Bestands. Für Makler liegt darin eine klare Chance: als Risikomanager und Partner auf Augenhöhe.
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