Die Zahl der Tierhalter in Deutschland ist hoch: Rund 10,5 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, dazu kommen etwa 600.000 Haushalte mit Pferden. Für Schäden durch Tiere haften Halter unbegrenzt. Entsprechend wichtig ist eine leistungsfähige Tierhalterhaftpflichtversicherung.
Eine aktuelle Marktanalyse von Franke und Bornberg untersucht 173 Tarife für Hundehalter sowie 136 Tarife für Pferdehalter. Die Zahl der Anbieter ist weiter gestiegen. Im Segment Hund sind inzwischen 88 Versicherer vertreten, im Segment Pferd 76. Trotz dieser Dynamik zeigt sich: Die Qualität der Tarife verbessert sich, aber nur schrittweise.
Rechtlich basiert die Haftung auf Paragraf 833 Bürgerliches Gesetzbuch. Anders als bei Kleintieren reicht die private Haftpflichtversicherung für Hunde und Pferde allein nicht aus. Hinzu kommt: in sechs Bundesländern besteht für Hundehalter eine Versicherungspflicht.
Mehr Alltagsszenarien erhöhen Anforderungen
Neue Nutzungssituationen erhöhen die Anforderungen an den Versicherungsschutz. Dazu gehört etwa der Hund im Büro. Schäden an Kollegen oder fremdem Inventar sind keine Ausnahme mehr. „Der Hund im Büro ist längst gelebter Alltag. Wer seinen Vierbeiner mit zur Arbeit nimmt, sollte wissen: Die Tierhalter-Haftpflicht schützt auch dort. Ohne Police riskieren Halter Lücken genau da, wo der Alltag sie am häufigsten einholt“, sagt Christian Monke. Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Für Top-Bewertungen im Rating gelten laut Monke klare Mindeststandards. Dazu zählen eine Deckungssumme von mindestens 20 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden sowie der Schutz für gemietete und geliehene bewegliche Sachen. Bei Pferden müssen zudem Fohlen und Jungtiere mindestens zwölf Monate mitversichert sein.
Hundehalter: Nur leichter Fortschritt
Im Segment der Hundehalter erreichen 9,8 Prozent der Tarife die Bestnote FFF+. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Weitere 29,5 Prozent erhalten die Bewertung FFF.
Die Analyse zeigt jedoch wiederkehrende Schwächen. Dazu zählen Lücken bei Schäden an gemieteten oder geliehenen Gegenständen, Defizite bei der Forderungsausfalldeckung sowie Einschränkungen bei der Neuwertentschädigung. Auch Leistungen für Schäden an sogenannten Figuranten bleiben häufig unzureichend. Insgesamt bleibt der Fortschritt überschaubar. Viele Tarife bewegen sich weiterhin im Mittelfeld, so Franke und Bornberg.

Pferdehalter: Mehr Bewegung im oberen Segment
Bei Pferdehalter-Tarifen zeigt sich ein etwas dynamischeres Bild. 12,5 Prozent der Angebote erreichen die Bestnote. Besonders auffällig ist der Anstieg im Bereich „sehr gut“: 36 Prozent der Tarife werden mit FFF bewertet. Trotz dieser Entwicklung bestehen auch hier typische Schwachstellen. Dazu gehören Einschränkungen bei Schäden an geliehenen Gegenständen wie Transportanhängern oder Kutschen sowie Defizite bei der Forderungsausfalldeckung und bei Besitzstandsgarantien.
Die Bewertung basiert ausschließlich auf verbindlichen Vertragsunterlagen. Werbeaussagen der Anbieter bleiben unberücksichtigt. Ein gewichtetes Punktesystem stellt sicher, dass zentrale Leistungen nicht durch Nebenaspekte überdeckt werden.

Preis ist kein verlässlicher Qualitätsindikator
Der Markt wächst weiter, gleichzeitig verschiebt sich die Notenverteilung langsam in Richtung besserer Bewertungen. Dennoch liegen rund 35 Prozent der Hunde-Tarife und gut 32 Prozent der Pferde-Tarife weiterhin im Bereich „befriedigend“ oder schlechter.
„Der Markt für Tierhalter-Haftpflicht wächst, und das ist gut so. Aber Wachstum allein schützt niemanden. Wer als Hundehalter oder Pferdebesitzer einfach den günstigsten Tarif wählt, riskiert im Ernstfall eine böse Überraschung – und der Ernstfall kann teuer werden“, reümiert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter der Franke und Bornberg.
Dabei zeigt sich, dass guter Schutz keineswegs eine Frage des großen Geldbeutels ist: Empfehlenswerte Hunde-Tarife sind für einen Labrador Retriever laut Franke und Bornberg bereits ab rund 60 Euro im Jahr zu haben, für einen Jack Russell Terrier ab etwa 45 Euro. Bei als gefährlich eingestuften Rassen wie dem American Staffordshire Terrier beginnen solide Tarife bei rund 85 Euro. Für Pferdehalter startet verlässlicher Schutz bei etwa 100 Euro jährlich.
Fazit
Die Tierhalterhaftpflichtversicherung ist ein Wachstumsmarkt mit klarer Richtung: mehr Anbieter, mehr Wettbewerb, mehr gute Tarife. Doch der große Qualitätssprung bleibt aus. Wer als Hundehalter oder Pferdebesitzer auf den erstbesten oder günstigsten Tarif setzt, riskiert im Schadensfall empfindliche Lücken – bei einer Versicherung, die im schlimmsten Fall über die eigene finanzielle Existenz entscheiden kann.
Neue Alltagsszenarien wie der Hund am Arbeitsplatz machen deutlich: Die Anforderungen an eine gute THV wachsen mit dem Leben ihrer Halter. Die Ratingkriterien von Franke und Bornberg geben Versicherern und Vermittlern gleichermaßen klare Orientierung, an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Die nächsten Ratingjahrgänge werden zeigen, wer diese Chance konsequent nutzt.
Das vollständige Rating auf Tarifebene sowie die Bewertungsrichtlinien veröffentlicht Franke und Bornberg unter diesem Link.












