Firmenkunden wenden sich ab: Banken verlieren an Wettbewerbsdynamik

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Firmenkunden stellen höhere Anforderungen, doch viele Banken können nicht Schritt halten. Eine Capgemini-Studie zeigt, wie stark Nicht-Banken aufholen – und wo Institute strukturell ins Hintertreffen geraten.

Corporate- und Investmentbanken stehen zunehmend unter Druck durch neue Wettbewerber und veränderte Kundenerwartungen. Laut dem „World Corporate and Investment Banking Report 2026“ von Capgemini planen 85 Prozent der Firmenkunden, innerhalb der kommenden zwölf Monate verstärkt auf Nicht-Bank-Finanzinstitute auszuweichen, also Private Capital von zum Beispiel Private Debt Fonds. Ausschlaggebend sind vor allem der Wunsch nach mehr Transparenz und schnelleren Services.


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Die Erwartungen der Kunden steigen deutlich. 58 Prozent fordern eine Echtzeit-Reaktionsfähigkeit, 49 Prozent erwarten personalisierte Betreuung und 40 Prozent innovative Lösungen. Gleichzeitig ist weniger als jeder Vierte, konkret 23 Prozent, der Ansicht, dass Banken diese Anforderungen derzeit erfüllen. Kritisiert werden insbesondere eine unzureichende Integration in ERP- und Treasury-Systeme sowie fehlende Flexibilität. 92 Prozent der Kunden berichten von manuellen Workarounds, während 89 Prozent Defizite bei Personalisierung sehen.

„Nicht-Banken schließen die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken. Die Kundenanforderungen haben sich dramatisch verändert, und obwohl Corporate und Investmentbanken stark in KI investiert haben, tun sich viele schwer, über die Pilotphase hinauszukommen. Ein wichtiger Grund dafür ist Governance – nur 26 Prozent der Banken arbeiten mit einer zentralisierten KI-Governance, was Teams zögern lässt, geschäftskritische Prozesse zu automatisieren“, sagt Andreas von Kahlen, Leiter Corporate and Investment Banking bei Capgemini Invent in Deutschland. „Um erfolgreich zu sein, müssen die Banken einen disziplinierten Ansatz verfolgen: Sie müssen unternehmensweit skalierbare Plattformen schaffen und ein Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern aufbauen. Frühe Anwender werden konkrete Vorteile in Form einer stärkeren Kundenbindung, höherer Gebühreneinnahmen und deutlich geringerer Kosten erzielen.“

IT-Strukturen und Innovationsprogramme bremsen Banken aus

Viele Institute stoßen bei der Umsetzung von Innovationen an strukturelle Grenzen. Nur 29 Prozent der IT-Budgets fließen derzeit in transformative Technologien, während 43 Prozent für den Betrieb und die Wartung bestehender Systeme gebunden sind. Zusätzlich sehen sich 61 Prozent der Führungskräfte durch hohe Compliance-Kosten eingeschränkt.

Auch bestehende Innovationsprogramme liefern häufig nicht die erwarteten Ergebnisse. 82 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass diese Initiativen keine zusätzlichen Umsätze durch neue Produkte generieren. Mehr als die Hälfte, konkret 51 Prozent, berichten zudem von ausbleibenden Kosteneinsparungen.

Parallel dazu verlangsamt sich das Wachstum im Corporate- und Investmentbanking. Capgemini prognostiziert für die kommenden fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5,4 Prozent, nachdem diese zwischen 2022 und 2024 noch bei 6,5 Prozent lag.

Banken setzen auf neue Produkte und externe Expertise

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, bauen Banken ihr Angebot weiter aus. 77 Prozent der Führungskräfte setzen auf Echtzeit-Treasury-Lösungen für grenzüberschreitende Zahlungsströme. 65 Prozent investieren in KI-basierte Marktprodukte, etwa für algorithmusbasierten Handel oder datengetriebene Analysen. Zudem prüfen 51 Prozent den Einsatz tokenisierter Produkte, um neue Erlösquellen zu erschließen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass technologische Transformation allein nicht ausreicht. Kulturelle Hürden bremsen den Fortschritt: 39 Prozent der Befragten sehen in einer konservativen Unternehmenskultur ein zentrales Hindernis für Innovation. Auch beim Aufbau von Kompetenzen bestehen Defizite. 40 Prozent der Banken planen, ihre KI-Expertise durch externe Neueinstellungen zu stärken, während lediglich 23 Prozent in die interne Weiterqualifizierung investieren.

Hinzu kommt ein Vertrauensproblem auf Kundenseite. 89 Prozent der Befragten äußern Zweifel an der Verlässlichkeit KI-generierter Ergebnisse im Bankenumfeld. Damit wird deutlich, dass neben technologischen Investitionen auch Transparenz und Nachvollziehbarkeit entscheidend für die Akzeptanz neuer Lösungen sind.

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