Die Debatte über Private Credit hat sich in den vergangenen Tagen spürbar verschärft. Kreditqualität, Bewertungen und Underwriting stehen stärker im Fokus als noch vor kurzer Zeit. Das ist nachvollziehbar. Es greift aber zu kurz, daraus schon ein belastbares Urteil über die gesamte Anlageklasse abzuleiten.
Besonders sichtbar werden die Probleme dort, wo starkes Wachstum, sinkende Standards bei der Kreditvergabe und hohe Konzentration zusammengekommen sind: im sponsor-getriebenen Corporate Lending. Wenn Bewertungen den Fundamentaldaten hinterherlaufen, Positionen stark gebündelt sind und Refinanzierungen teurer werden, tritt ein Kreditzyklus zwangsläufig offen zutage. Genau diese Entwicklung prägt derzeit den Blick auf Private Credit.
Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass unter diesem Oberbegriff sehr unterschiedliche Formen nicht börsennotierter Finanzierung zusammengefasst werden. Sie unterscheiden sich bei den Kreditnehmern, bei den Sicherheiten und vor allem darin, wie Portfolios geführt und Risiken im laufenden Geschäft überwacht werden. Gerade in schwierigeren Marktphasen gewinnen diese Unterschiede an Gewicht.
Dazu zählen Mikrofinanzierung und angrenzende Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen in Schwellen- und Frontier-Märkten. Hier hängt das Risiko nicht an wenigen großen Engagements, sondern an der Qualität vieler einzelner Kreditentscheidungen vor Ort. Ob ein solches Portfolio trägt, zeigt sich eher daran, wie realistisch Cashflows eingeschätzt werden, wie konservativ Sicherheiten angesetzt werden, wie eng Kreditnehmer begleitet werden und wie breit das Portfolio gestreut ist.
Damit verändert sich auch der Maßstab, nach dem Investoren ein solches Segment prüfen sollten. Dann zählt nicht nur, welche Rendite ausgewiesen wird oder wie ein Portfolio bewertet ist. Wichtiger ist, wie streng Kredit vergeben wird, wie konservativ Sicherheiten angesetzt werden, wie früh Probleme beim einzelnen Kreditnehmer sichtbar werden, wie eng die Betreuung vor Ort ist und wie viel Eigenkapitalpuffer unter der Struktur liegt. Eine strenge Auswahl, konservativ angesetzte Sicherheiten, kurze Wege zum Kreditnehmer und ein solider Eigenkapitalpuffer sind in diesem Zusammenhang mehr als nur Detailfragen. Sie entscheiden mit darüber, wie robust ein Portfolio in schwierigeren Phasen tatsächlich ist.
Wie wichtig diese Unterschiede auch für Investoren sind, zeigt die Kapitalallokation. Nach Daten der Global Private Capital Association, eines Branchenverbands für private Kapitalmärkte in Schwellen- und Wachstumsmärkten, erreichte Private Credit in Emerging Markets 2025 ein Rekordvolumen von 22,3 Milliarden US-Dollar. Das widerlegt die Risiken in einzelnen Marktsegmenten nicht. Es zeigt aber, dass Investoren sehr wohl zwischen verschiedenen Formen von Private Credit unterscheiden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb derzeit nicht, ob Private Credit insgesamt Probleme hat. Entscheidend ist vielmehr, wo diese Probleme entstehen, woran sie sich zuerst zeigen und welche Strukturen damit besser umgehen können als andere. Erst aus dieser Unterscheidung ergibt sich ein belastbares Bild.
Gerade in einer Phase, in der der Markt stärker auf Schwächen und Bruchstellen schaut, lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, wie die einzelnen Segmente von Private Credit tatsächlich funktionieren. Nicht, um Risiken kleinzureden. Sondern um sie präziser einzuordnen.




