Gold: Die Verschnaufpause ist vorbei

Foto: Bildagentur PantherMedia / scanrail
Bei Gold geht es wieder voran.

Gold zeigt eine erstaunliche Stärke, die jüngste Schwäche war nur von kurzer Dauer. Die Gründe und wie es jetzt weitergeht

Nur eine kurze Verschnaufpause: Der Goldpreis hat sich bemerkenswert schnell von den unerwartet negativen Inflationsdaten erholt. Fiel die Notierung für eine Feinunze des Edelmetalls Mitte Februar erstmals seit Dezember vergangenen Jahres wieder unter die Marke von 2.000 Dollar, zahlten Anleger nur wenige Tage später bereits wieder über 2.025 Dollar.

Dass Gold zwischenzeitlich unter Druck geriet, lag einmal mehr an der sinkenden Zinssenkungsfantasie. Zum einen hatten in den vergangenen Wochen gleich mehrere Vertreter der US-Notenbank versucht, die Markterwartungen für zeitnahe Zinssenkungen zu dämpfen. Zum anderen trübten die jüngsten Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten die Aussichten auf eine zeitnahe Zinswende. So lag die Teuerungsrate im Januar mit 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr über den Schätzungen der Experten, die einen Rückgang auf 2,9 Prozent erwartet hatten.


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Folge: Eine Fed-Zinssenkung im Mai ist zwar nicht auszuschließen, doch allzu wahrscheinlich erscheint dieses Szenario nicht mehr. Laut dem FedWatch Tool der Chicagoer Terminbörse CME liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve ihren Leitzins im Mai unverändert in der aktuellen Spanne bei 5,25 bis 5,50 Prozent belassen wird, bei 62 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für eine erste Zinssenkung um 25 Basispunkte im Juni beläuft sich hingegen auf 52,5 Prozent. Zum Jahresende soll der US-Leitzins indes bei rund 4,5 Prozent liegen und damit ein deutlich niedrigeres Niveau aufweisen als derzeit. Dieser Zahlenkranz passt zu den jüngsten Äußerungen der Fed-Mitglieder: Die Notenbanker hatten lediglich das von den Marktakteuren erwartete frühe Timing einer Zinswende infrage gestellt, nicht aber Zinssenkungen an sich.

Zentralbanken bleiben auf der Käuferseite 

Für das Gros der Notenbanken spielt die Geldpolitik der Notenbanken aber offenbar ohnehin keine allzu große Rolle, haben sie im vergangenen Jahr ihre Goldreserven doch ordentlich aufgestockt. Jüngst veröffentlichte Daten des World Gold Councils zufolge erreichten die jährlichen Nettokäufe der Notenbanken im Jahr 2023 mit 1.037 Tonnen den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein besonders starker Anstieg der Goldkäufe war vor allem in China auszumachen, das rund 225 Tonnen Gold aufkaufte.

Nach dem Ende der strengen Corona-Maßnahmen zu Beginn des vergangenen Jahres nahm auch die Nachfrage nach Goldmünzen und Barren im Reich der Mitte stark zu – und zwar um 28 Prozent auf etwa 280 Tonnen. Ein Trend, der laut dem World Gold Council zumindest im ersten Quartal anhalten könnte. Gestützt wird diese Annahme von den Umsätzen an der Goldbörse in Schanghai, die sich aktuell auf einem Mehrjahreshoch befinden.

Robuste Nachfrage 

Weltweit belief sich die Goldnachfrage im vergangenen Jahr – ohne den schwierig zu schätzenden OTC-Handel – trotz der Zinserhöhungen mit 4.448 Tonnen nur fünf Prozent unter dem starken Jahr 2022. Einschließlich der Geschäfte im Freiverkehr ist die Nachfrage sogar auf ein neues Allzeithoch von knapp 4.900 Tonnen gestiegen. Dort kaufen finanzkräftige Privatkunden große Goldbarren von Banken, was entsprechend diskret gehandhabt wird. Auch der Gold-Schmuckmarkt zeigte sich im vergangenen Jahr laut World Gold Council angesichts des hohen Goldpreises bemerkenswert widerstandsfähig. Die jährliche Minenproduktion hingegen nahm im Jahresvergleich um ein Prozent auf 3.644 Tonnen zu und blieb damit hinter dem Rekord von 2018 zurück. Das Recycling für das gesamte Jahr reagierte mit einem Plus von neun Prozent auf die hohen Goldpreise und stieg auf 1.237 Tonnen.

Und der Goldkurs? Der könnte neben den – wenn auch später als bislang erwartet – anstehenden Zinssenkungen auch von seinem Nimbus als sicherer Hafen profitieren. Dafür dürften die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und mehr als 60 Wahlen mit teils ungewissem Ausgang sorgen, zu denen in diesem Jahr weltweit rund vier Milliarden Menschen aufgerufen werden.

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