Ich hatte in den Analysen der letzten Wochen nicht nur bei 5.400 US-Dollar ein antizyklisches Verkaufssignal gegeben und ein Doppeltop im Goldpreis ausgerufen, sondern weitere Verkaufssignale vor dem Crash gegeben, mit zwei Preiszielen bei 4.700 US-Dollar und folgend 4.200 US-Dollar, die dann sehr schnell abgearbeitet wurden. Meine Analysen und Prognosen dazu findet man online in Marktkommentaren und Analysen, auch auf YouTube.
Was für die Masse wie ein krisensicherer Einbahnstraßen-Trade aussah, führte zu einem historischen Abverkauf, da sich all die bullischen Narrative verkehrten. Kurzfristig war der Goldpreis massiv überverkauft und eine technische Gegenbewegung logisch. Es handelt sich dabei jedoch nicht mehr um einen gewöhnlichen Pullback in einem intakten Aufwärtstrend, sondern um einen Regime-Wechsel. Wer darauf setzt, dass der alte Gold-Bullenmarkt einfach so weitergeht und Gold schnell wieder auf neue Allzeithochs ansteigt, dürfte eine längere Streckfolter vor sich haben. Sollten die Inflationserwartungen und Zinsen weiter ansteigen, so droht dem Goldpreis ein erneuter Einbruch.
Die 10-jährigen US-Zinsen stiegen von 4 % auf 4,32 % an, und der US-Dollar-Index (DXY) bleibt bei 99,25 ungebrochen stark unter dem wichtigen Widerstand bei 100 Punkten. Sollte dieser Widerstand brechen, hätte dies einen massiven Short-Squeeze zur Folge, wobei die dann folgende Dollarstärke erneut Druck auf den spekulativ getriebenen Goldpreis ausüben würde. Die Fed sitzt in der Falle, denn der Anstieg der Inflationserwartung, ausgelöst durch einen Rohölpreis bei 90 US-Dollar, macht Zinssenkungen unmöglich, wobei Zinserhöhungen den Haushalt sprengen würden und ein Stillhalten die Wirtschaft erstickt. Die Fed hat sich in den letzten Jahrzehnten durch ihre QE-Programme in eine Ecke gepinselt, aus der es nun kein Entkommen mehr gibt.
Die vorläufigen PMI-Daten für März liefern die makroökonomische Bestätigung dessen, was die Märkte bereits einpreisen: Stagflation. Der S&P Global Composite PMI fiel auf 51,4, der niedrigste Stand seit elf Monaten, was einer annualisierten BIP-Wachstumsrate von gerade einmal 1,0 % entspricht. Gleichzeitig deuten die Preiskomponenten der Umfrage auf eine Beschleunigung der US-Verbraucherpreisinflation in Richtung 4 % hin.
Für Gold bedeutet Stagflation kurzfristig das Schlimmste aus beiden Welten, denn die Inflation hält die Zinsen hoch (kurzfristig schlecht für Gold), während das schwache Wachstum die Nachfrage nach Rohstoffen insgesamt drückt. Sobald die Rezession so tief wird, dass die Fed dazu gezwungen wird, die Geldpolitik trotzdem zu lockern, dreht sich das Bild, und der Goldpreis dürfte dann mit frischer Liquidität kein Halten mehr kennen, während sich die Stagflation einfach nur verschärfen wird. Die Fed steckt in der größten Zwickmühle seit Volcker, aus der es kein Entkommen mehr gibt.











