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Gold und Silber im Schließfach: Wenn der Versicherungsschutz nicht mehr reicht

Foto: CitySafes
Vera Nonn, Geschäftsführerin von Citysafes

Gold und Silber haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Viele Anleger freuen sich über Wertzuwächse – übersehen jedoch eine mögliche Lücke im Versicherungsschutz. Wer die Deckungssumme nicht regelmäßig anpasst, riskiert im Schadensfall empfindliche Verluste. Von Vera Nonn.

Der Gold- und Silberpreis hat sich in den vergangenen Jahren zeitweise dynamisch entwickelt. Wer früh investiert hat, verzeichnet heute deutliche Wertzuwächse. Mit steigenden Werten rückt jedoch eine Frage stärker in den Fokus: Ist die Verwahrung und Versicherung noch angemessen auf den aktuellen Marktwert abgestimmt?

Tatsächlich orientieren sich viele Versicherungen am ursprünglichen Einlagerungswert. Wird die Versicherungssumme nicht regelmäßig angepasst, kann eine Diskrepanz zwischen versichertem Betrag und tatsächlichem Vermögenswert entstehen. Im Schadensfall wird dann nur die vereinbarte Summe ersetzt – nicht der aktuelle Marktwert.


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Gerade bei langfristig eingelagerten Edelmetallen kann sich der Wert über die Jahre erheblich verändern. Eine regelmäßige Überprüfung der Versicherungssumme ist daher sinnvoll, um Unterversicherung zu vermeiden.

Wo können Wertanlagen sicher verwahrt werden?

Grundsätzlich gibt es drei gängige Optionen zur Verwahrung von Wertanlagen: zu Hause, im Schließfach bei einer Bank oder im Schließfach bei einem spezialisierten, bankenunabhängigen Anbieter.

Die Aufbewahrung in den eigenen vier Wänden erscheint auf den ersten Blick praktisch. Der Zugriff ist jederzeit möglich, ein Verkauf kurzfristig umsetzbar. Doch mit steigenden Werten wächst auch das Risiko. Neben dem erhöhten Risiko von Einbrüchen und Überfällen im eigenen Haus sowie mit dem emotionalen Schaden sich zu Hause nicht sicher zu fühlen, decken auch Hausratversicherungen häufig nur begrenzte Summen für Wertsachen ab und knüpfen diese an bestimmte Sicherheitsanforderungen. Werden diese nicht erfüllt oder übersteigt der tatsächliche Wert die vereinbarte Deckungssumme, entsteht eine Unterversicherung und im Schadensfall bleibt der Versicherungsnehmer mit der Kostendifferenz zurück.

Das externe Schließfach, ob bei Banken oder bei Privatanbietern, gilt traditionell als sicherste Option.

Der Unterschied ist hier häufig in der Versicherung. Bei einigen Banken gibt es eine Grundversicherung für die Inhalte im Schließfach, bei anderen sind die Wertsachen nicht automatisch versichert. Kunden müssen sich bei höheren Versicherungssummen jedoch häufig selbst um eine zusätzliche Versicherung bemühen und können diese häufig nicht einfach über die Bank abschließen.

Darüber hinaus haben sich in den vergangenen Jahren spezialisierte Anbieter von Schließfächern außerhalb des klassischen Bankensektors etabliert. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf die sichere Verwahrung in Schließfächern in Tresorräumen. Häufig ist bei privaten Anbietern eine Grundversicherung mit im Preis inklusive und die Kunden können anders als bei Banken bei den meisten Anbietern die Versicherung bis auf eine bestimmte Summe direkt vor Ort erhöhen.

Hinzu kommt die Frage nach den Kosten sowohl für die Verwahrung als auch für die Versicherung. Häufig ist die Versicherung für die Aufbewahrung zu Hause mit höheren Prämien gekennzeichnet als die Versicherung für eine Aufbewahrung im externen Schließfach, da Versicherer das höhere Risiko eines Verlusts zu Hause gegenüber dem geringeren Risiko in einem zertifizierten Bankschließfach entsprechend bewerten.

Weitere Kosten bei einer Verwahrung zu Hause sind die potenzielle Aufrüstung von Tresor, Alarmtechnik oder weiteren geforderten baulichen Sicherungsmaßnahmen. Bei einem externen Schließfach entstehen Mietgebühren.

Unabhängig von der Wahl des Lagerungsortes, ob zu Hause, bei der Bank oder beim privaten Schließfachanbieter, sollten Kunden aber immer sehr aufmerksam dieselben Fragen zur Versicherung stellen: Welche Versicherungssumme ist mit inbegriffen? Wie flexibel und bis zu welcher Höhe lässt sich diese anpassen? Wie fair und wie transparent sind die Versicherungsbedingungen?

Diskrepanz zwischen versichertem Betrag und realem Vermögenswert

Mit dem Preisanstieg von Gold und Silber häufen sich bei Schließfach-Anbietern Anfragen rund um das Thema „Wertsteigerung und Versicherung“. Bei vielen Investoren hat sich der Edelmetall-Wert vervielfacht, die Versicherungssumme aber bleibt ohne aktive Anpassung unverändert. In der Praxis bedeutet das: Die Entschädigung orientiert sich am vereinbarten Betrag, nicht am aktuellen Marktwert der eingelagerten Edelmetalle.

Somit entsteht für Investoren eine Unterversicherung. Hat Investor Mustermann beispielsweise vor einigen Jahren Gold im Wert von 20.000 Euro gekauft, ist heute dasselbe Gold 100.000 Euro wert. Ohne Anpassung der Versicherungssumme hat Investor Mustermann heute 80.000 Euro Unterversicherung, sprich im Schadensfall würde er nur 20.000 Euro von der Versicherung ersetzt bekommen. Daher ist es insbesondere für Anleger von Edelmetallen sehr wichtig, regelmäßig die Wertentwicklung im Auge zu behalten und bei Bedarf die Deckungssumme anzupassen.

Vor diesen veränderten Rahmenbedingungen stehen Banken

Nicht nur Investoren stehen vor neuen Herausforderungen. Auch Banken sehen sich mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert. Steigende Edelmetallpreise führen dazu, dass sich die Werte in Tresorräumen teilweise deutlich erhöhen – und damit auch die Anforderungen an Risikomanagement und Absicherung.

Im Rahmen von Schließfachverträgen tragen Institute Verantwortung für die ordnungsgemäße Bereitstellung und Sicherung der Räumlichkeiten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die regelmäßige Überprüfung und Anpassung von Sicherheitskonzepten, Versicherungsdeckungen und organisatorischen Prozessen zunehmend an Bedeutung.

Verändern sich die eingelagerten Werte erheblich, kann es sinnvoll sein, bestehende Absicherungs- und Versicherungslösungen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Versicherer betrachten im Schadensfall stets die Einhaltung vereinbarter Obliegenheiten sowie die Angemessenheit der vereinbarten Deckungssummen im Verhältnis zum tatsächlichen Risiko.

Darauf müssen Anbieter von Schließfächern achten

Eine abgestimmte Versicherungslösung spielt vor diesem Hintergrund eine wichtige Rolle. Sie unterstützt Institute dabei, Transparenz gegenüber Kunden zu schaffen und bestehende Sicherheitskonzepte sinnvoll zu ergänzen. Grundlage dafür ist eine strukturierte Dokumentation von Zugangsregelungen, Prozessen und Sicherheitsstandards sowie deren regelmäßige Überprüfung.

Mit steigenden regulatorischen und versicherungstechnischen Anforderungen gewinnt die systematische Auditierung von Sicherheitsprozessen weiter an Bedeutung. Externe Prüfungen können dabei helfen, bestehende Strukturen zu validieren, Abläufe nachvollziehbar zu dokumentieren und interne Qualitätsstandards zu stärken.

Auch spezialisierte Anbieter setzen auf klar definierte Sicherheits- und Prüfprozesse. CitySafes führt beispielsweise regelmäßige Security-Checks für Tresorräume durch, um Prozesse, Zugangsregelungen und Dokumentationsstrukturen systematisch zu überprüfen. Diese Prüfungen werden sowohl für eigene Standorte als auch in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten durchgeführt. In Abstimmung mit externen Fachpartnern und Versicherern werden Standards kontinuierlich weiterentwickelt. Ziel ist es, Transparenz, Verlässlichkeit und ein hohes Sicherheitsniveau für Kunden und Kooperationspartner sicherzustellen.

Fazit: Wertentwicklung verlangt Anpassung

Steigende Edelmetallpreise sind mehr als ein Marktphänomen. Sie werfen grundlegende Fragen zur Absicherung und Verwahrung von Vermögenswerten auf.

Sicherheit entsteht nicht allein durch die Wahl des Verwahrortes, sondern durch das Zusammenspiel aus Standortqualität, klar definierten Prozessen und einer angemessenen Versicherung. Wer Versicherungssummen regelmäßig überprüft und Sicherheitsstandards kontinuierlich weiterentwickelt, sorgt dafür, dass Wertzuwachs nicht zu einer Deckungslücke wird.

Für Investoren wie für Institute gilt gleichermaßen: Transparenz und regelmäßige Überprüfung sind zentrale Elemente einer nachhaltigen Absicherungsstrategie.

Über die Autorin: Vera Nonn ist Geschäftsführerin Deutschland bei Citysafes, Europas größtem unabhängigen Anbieter von Schließfächern. Sie verantwortet Expansion, operative Prozesse und die Zusammenarbeit mit Finanzinstituten im deutschen Markt.

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