Goldpreis im Würgegriff: Warum das Edelmetall dennoch ein sicherer Hafen bleibt

Foto: Ophirum Group
Önder Çiftçi, Ophirum Group

Der Goldpreis hat im März deutlich nachgegeben – trotz Krieg, Öl-Engpass und Inflationssorgen. Für viele Anleger wirkt das wie ein Widerspruch. Doch der Rücksetzer erklärt sich vor allem aus kurzfristigen Marktmechanismen.

Anleger, die Gold als unerschütterlichen Fels in der Brandung betrachteten, wurden durch prozentual zweistellige Kursrücksetzer innerhalb weniger Handelswochen verunsichert. Insgesamt hat der Goldpreis auf Dollarbasis seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar bereits rund 18 Prozent nachgegeben. Doch bei genauerer Betrachtung der Marktbewegungen wird schnell deutlich: Die Kursverluste sprechen nicht gegen Gold als sicheren Hafen und seine Bedeutung als Krisenwährung, im Gegenteil.

Toxische Mischung: Dollar, Zinsaussichten und Margin Calls 

Dass der Goldpreis im März so deutlich nachgab, liegt vor allem an einer Verkettung von drei wesentlichen Belastungsfaktoren. An erster Stelle steht die Aufwertung des US-Dollars. Da Gold am Weltmarkt in Dollar bepreist wird, besteht eine historisch starke negative Korrelation: Steigt der Dollar gegenüber anderen Währungen im Wert, steigt rechnerisch auch der Goldpreis für Käufer außerhalb des Dollar-Raums. Noch bis Ende Februar profitierte der Goldpreis von einer Dollar-Abwertung. Im März wertete der Greenback aufgrund robuster US-Arbeitsmarktdaten und seiner Rolle als Flucht- und Reservewährung während der Eskalation im Nahen Osten jedoch stark auf. Gold wurde so als Investment wieder teurer, was die globale Nachfrage bremste.


Das könnte Sie auch interessieren:

Der zweite Faktor ist die Zinspolitik der Notenbanken, insbesondere der US-Notenbank Federal Reserve. Ihre Leitzinsen haben direkte Auswirkungen auf die Renditen am Rentenmarkt. Wenn die Marktzinsen für Staatsanleihen steigen, legen auch die sogenannten Opportunitätskosten im Vergleich zu Gold zu. Investoren wechseln bei steigenden Leitzinsen vom unverzinsten Gold in sichere, attraktiv verzinste US-Staatsanleihen. Im März revidierten nun viele Marktteilnehmer ihre Erwartung: Sie rechnen nun kaum noch mit den zuvor erwarteten Zinssenkungen, sondern befürchten aufgrund der vom Ölpreis angetriebenen Inflation eher Zinserhöhungen der Notenbanken. Das macht Staatsanleihen attraktiver und sorgte für Umschichtungen von Gold in verzinste Anlagen. 

Drittens spielten technische Marktreaktionen eine wichtige Rolle. Der Goldpreis war ab 2023 drei Jahre in Folge deutlich angestiegen. Insbesondere Ende 2025 und Anfang 2026 ging es dabei kräftig aufwärts. Als nach Ausbruch des Iran-Krieges die Börsen fielen, wurden Spekulanten, die am Aktienmarkt auf Kredit investierten, kalt erwischt und mussten ihre Sicherheiten bei den Investmentbanken erhöhen, es kam zum sogenannten Margin Call. Deshalb haben viele Investoren dieser Gruppe Gewinne beim Gold mitgenommen, um mit dem Erlös die geforderten Nachschusspflichten zu begleichen und wieder Liquidität aufzubauen. Aus dem gleichen Grund gab der Goldpreis auch in der Frühphase vergangener Krisen zunächst deutlich nach, etwa in der Finanzkrise oder beim Corona-Ausbruch.

Da sich drei Einflussfaktoren, also Dollar-Aufwertung, Zinsaussichten und Margin Calls überlagerten, und sich gegenseitig verstärkten, kam es im März zu den deutlichen Abschlägen beim Goldpreis. 

Zwischen Rauschen und Fundament: Was den Goldpreis wirklich treibt

Wie geht es für Gold weiter? Um die Zukunft von Gold vernünftig zu bewerten, müssen Anleger zwischen dem kurzfristigen Marktrauschen und den langfristigen Bestimmungsfaktoren unterscheiden. Kurzfristige Bewegungen werden oft durch Emotionen, Nachrichtenzyklen und Währungsschwankungen dominiert. Diese Faktoren sind volatil und kaum vorhersehbar.

Langfristig hingegen wird der Goldpreis durch die reale Kaufkraftentwicklung bestimmt. Gold korreliert eng mit dem Realzins (Nominalzins minus Inflationsrate). Solange die Inflation höher ist als die Zinsen, die Anleger erhalten, bleibt der Realzins negativ. Dadurch schwindet sukzessive die Kaufkraft von Papier- und Giralgeld – ein ideales Umfeld für Gold. Durch den Iran-Krieg haben sich Öl und weitere Rohstoffe massiv verteuert. Daher befürchten Ökonomen mit etwas Verzögerung einen deutlichen Anstieg der Inflation, der Schutzsuchende zu Goldkäufen anregt. 

Hinzu kommt die Nachfrage der Zentralbanken. Seit 2022 haben Notenbanken weltweit – allen voran in China, Indien und der Türkei – ihre Goldvorräte massiv aufgestockt, um sich unabhängiger vom US-Dollar-System zu machen. In Simbabwe wird bereits der goldgedeckte ZiG (Zimbabwe Gold) als neue Währung aufgebaut. Bisher deutet alles darauf hin, dass viele Notenbanken ihre Goldreserven langfristig weiter aufstocken. Diese institutionelle Nachfrage unterstützt den Goldpreis, da das Goldangebot dauerhaft knapp bleibt.

Die unersetzbare Rolle als Krisenwährung

Die Korrektur im März ändert nichts an der Tatsache, dass die globale Geldmenge in den letzten Jahrzehnten weitaus stärker gewachsen ist als die Goldmenge. Dieses Missverhältnis ist der Grund, warum Gold langfristig als Schutz vor Geldentwertung unverzichtbar bleibt. Ein Preisrücksetzer von 10 oder 15 Prozent ist in diesem Kontext lediglich eine Korrektur im übergeordneten Aufwärtstrend.

Angesichts der starken Schwankungen sollten Goldanleger einen kühlen Kopf bewahren. Gold ist kein Instrument für das „schnelle Geld“, sondern ein unentbehrlicher Baustein für die langfristige Vermögenssicherung. Die fundamentalen Gründe für ein Investment – Inflationsschutz, Währungsabsicherung und Krisenvorsorge – sind heute so valide wie eh und je. Wer die kurzfristigen Turbulenzen aushält, wird langfristig von der Stabilität des „ewigen Geldes“ profitieren.

Autor Önder Çiftçi ist CEO der Ophirum Group.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen