Hilfestellung

Foto: Florian Sonntag
Frank O. Milewski, Chefredakteur Cash.

„Wenn man früher morgens den Laden aufschloss, standen bereits zehn Leute davor, die eine Immobilie kaufen wollten. Das ist seit diesem Jahr ganz anders!“ So äußerte sich der Chef einer Immobilienfirma auf der DKM Ende Oktober in Dortmund mit Blick auf die aktuelle Lage auf dem hiesigen Immobilienmarkt und an der Finanzierungsfront. Sicher, die EZB hat nun auch mehrfach an der Zinsschraube gedreht und mit den Leitzinsen haben sich auch die Hypothekenzinsen erhöht. Aber Hand aufs Herz, das derzeitige Niveau von circa 4 Prozent ist nicht erschreckend hoch. Da gab es in den letzten 25 Jahren des 20. Jahrhunderts zum Teil deutlich höhere Zinslevel und auch damals wurden Häuser und Wohnungen gekauft. Aber es ist schon festzustellen, dass die Verunsicherung potenzieller Bau- oder Kaufinteressenten offensichtlich sehr groß ist. Die gestiegenen Zinsen und die nach wie vor hohen Immobilienpreise sind allerdings nur eine Erklärung. Eine weitere ist die Unsicherheit, wie sich die Material- und Energiekrise in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln werden. Die Schockstarre eigentlich interessierter Immobilienkäufer hat also auch ein psychologisches Momentum. 

Um wieder mehr Zuversicht in den Markt zu bekommen, braucht es eine sehr gezielte und intensive Ansprache der Klientel, die auch in dieser Gemengelage die Möglichkeit hätte, ein Haus oder eine Wohnung zu finanzieren. Dazu müssen aber alle Marktparameter ineinandergreifen. D.h. das Objekt, sein Preis und die Finanzierungskonditionen müssen passen, die Fördermöglichkeiten müssen bekannt und gut nutzbar sein, das Themen Nachhaltigkeit sollte positiv auf den Immobilienerwerb einzahlen und last but not least müssen Käuferinnen und Käufer ihren sprichwörtlichen inneren Schweinehund besiegen. Der Finanzierungsberater kann und sollte hierbei Hilfestellung leisten. Keine leichte Aufgabe. Aber sie muss gelingen, wenn der Markt im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen soll.

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