Ifo-Konjunkturtest: Stimmungsdämpfer in der Assekuranz

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Die Versicherer sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft

Die Stimmung in der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich zum Jahresende 2025 spürbar eingetrübt. Nach den aktuellen Ergebnissen des Ifo-Konjunkturtests für das vierte Quartal sinkt der Geschäftsklimaindex um 9,8 Punkte auf 12,1 Punkte. Damit liegt er leicht unter seinem langfristigen Durchschnitt von 12,9 Punkten.

Die aktuelle Geschäftslage bewerten die befragten Unternehmen weiterhin als solide. Mit 28 Punkten bleibt sie klar im positiven Bereich, verliert gegenüber dem Vorquartal jedoch 10,8 Punkte. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate geben ebenfalls nach: Sie fallen um 8,9 Punkte auf -2,7 Punkte und rutschen damit leicht ins Minus.


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„Die Versicherer stehen wirtschaftlich auf einem guten Fundament, aber wir sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Wenn weniger gebaut wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann gibt es weniger zu versichern. Für 2026 rechnen viele Unternehmen daher mit anspruchsvolleren Marktbedingungen.“

Makroökonomisch zeigt sich zwar eine leichte Belebung der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2025. Gestützt wurde diese vor allem durch inländische Konsumausgaben und zusätzliche Staatsausgaben. Dennoch bleiben strukturelle Herausforderungen am Standort Deutschland bestehen. In der sogenannten Konjunkturuhr des Ifo-Instituts verlässt die Branche den expansiven Bereich und bewegt sich in Richtung Abschwung.

Lebensversicherung: Differenzierung im Neugeschäft

In der Lebensversicherung sinkt das Geschäftsklima um 5,6 Punkte auf 16,6 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage wird mit 22,6 Punkten weiterhin positiv eingeschätzt, fällt aber gegenüber dem Vorquartal deutlich schwächer aus. Rund 40 Prozent der befragten Lebensversicherer bewerten ihre Lage als günstig, der Anteil negativer Einschätzungen bleibt gering.

Die Geschäftserwartungen verbessern sich leicht auf 10,9 Punkte. Etwa 27 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren Entwicklung in den kommenden sechs Monaten. Dennoch bleibt der Ausblick insgesamt verhalten.

Auffällig ist die Entwicklung im Neugeschäft. Policen gegen laufende Beiträge gewinnen an Dynamik. Hier steigen die Erwartungen deutlich und liegen mit 38,8 Punkten klar über dem langfristigen Mittelwert. Hintergrund sind unter anderem die höheren langfristigen Zinsen zum Jahresende 2025.

Anders im Einmalbeitragsgeschäft: Nach einem kräftigen Beitragsplus im Vorjahr trüben sich die Erwartungen ein. Nur noch rund 27 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Anstieg, im Vorquartal waren es noch über 42 Prozent. „Beim Einmalbeitrag hingegen sehen wir nach dem kräftigen Plus im vergangenen Jahr etwas verhaltenere Erwartungen für das laufende Jahr“, so Asmussen.

Schaden- und Unfall: Sehr gute Lage, skeptischer Ausblick

Deutlich ausgeprägter ist der Stimmungsrückgang in der Schaden- und Unfallversicherung. Das Geschäftsklima sinkt um 18,8 Punkte auf 8,8 Punkte und liegt damit knapp unter dem langfristigen Durchschnitt. Hauptgrund sind die deutlich eingetrübten Erwartungen: Mit -20,8 Punkten überwiegen die pessimistischen Einschätzungen.

Gleichzeitig bleibt die aktuelle Geschäftslage mit 43,3 Punkten auf sehr hohem Niveau. Sie liegt nur knapp unter dem Allzeithoch des Vorquartals. Ein vergleichsweise schadenarmes Jahr 2025, insbesondere bei Naturkatastrophen, sowie eine solide Beitragsentwicklung stützen die Profitabilität.

„Die aktuelle Geschäftslage in der Schaden- und Unfallversicherung wird weiterhin als sehr gut eingeschätzt. Dazu hat auch beigetragen, dass es weniger Naturkatastrophenschäden gab als ursprünglich erwartet“, sagt Asmussen. „Gleichzeitig ist den Unternehmen bewusst, dass sich das Schadenaufkommen wieder normalisieren und damit ansteigen wird. Entsprechend sind die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich zurückgegangen.“

Auch innerhalb der Sparte zeigen sich Unterschiede. In der Kraftfahrtversicherung sinkt das Geschäftsklima deutlich auf 3,9 Punkte, bleibt aber knapp über dem langfristigen Mittelwert. Der Ausblick wird mit -22,3 Punkten klar negativer beurteilt, da eine Normalisierung der Schadenentwicklung erwartet wird.

In der privaten Sachversicherung fällt das Geschäftsklima um 34,9 Punkte auf neun Punkte. Auch hier drücken Erwartungen steigender Schäden auf die Stimmung. In der Nicht-Privaten Sachversicherung rutscht das Klima mit -0,3 Punkten sogar leicht in den negativen Bereich. Dagegen hellt sich die Stimmung in der Haftpflicht- und Unfallversicherung etwas auf, bleibt aber von vorsichtigen Erwartungen geprägt.

Private Krankenversicherung: Stimmung verbessert sich

Eine gegenläufige Entwicklung zeigt die Private Krankenversicherung. Hier steigt das Geschäftsklima weiter auf 17 Punkte und liegt damit über dem langfristigen Durchschnitt von 11,2 Punkten. Insbesondere in der Vollversicherung verbessert sich die Stimmung deutlich, auch aufgrund erwarteter Beitragsanpassungen zum Jahresanfang.

Die Geschäftserwartungen steigen auf 13,1 Punkte. Während im Vorquartal noch mehr Unternehmen pessimistisch als optimistisch waren, überwiegen nun die positiven Einschätzungen. Die Geschäftslage verbessert sich auf 20,8 Punkte und liegt ebenfalls über dem langfristigen Mittel.

Entspannungssignale bei der Leistungsentwicklung tragen zur Aufhellung bei. Zwar wird weiterhin mit steigenden Leistungsausgaben gerechnet, der Abstand zwischen Lage- und Erwartungsbewertung verkürzt sich jedoch spürbar.

Der Ifo-Konjunkturtest Versicherungswirtschaft wird vierteljährlich im Auftrag des GDV bei rund 150 Versicherungsunternehmen durchgeführt. Er misst sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate und gilt als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung der Branche.

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