Die weltweite Rückkehr zur Kernenergie lenkt den Blick der Kapitalmärkte wieder stärker auf Uran. „Uran ist der Brennstoff, der die Renaissance der Kernenergie befeuert“, schreibt Mobeen Tahir, Direktor im Bereich Makro-Research bei WisdomTree, in einem aktuellen Kommentar.
Nach Darstellung von WisdomTree haben sich 31 Länder verpflichtet, die globale Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen. Die USA strebten sogar eine Vervierfachung an. Neben Energiesicherheit und Dekarbonisierung trügen inzwischen auch große Technologiekonzerne dazu bei, dass das Thema an Dynamik gewinnt. Microsoft, Google, Amazon und Meta sicherten sich langfristig Kernenergie, um den steigenden Strombedarf ihrer Rechenzentren zu decken.
Noch spiegelten sich diese Ziele aber nur begrenzt in konkreten Projekten wider, so Tahir. Weltweit seien derzeit 436 Reaktoren in Betrieb, während sich lediglich 74 im Bau befänden. „Wir sind der Überzeugung, dass sich diese ambitionierten Ziele für die Kernkraftkapazität gerade erst in konkreten kommerziellen Verpflichtungen niederschlagen und dass die Märkte die Auswirkungen auf Uran noch nicht vollständig eingepreist haben“, so Tahir.
Uranmarkt zwischen Ausbauplänen und knapper Förderung
Wie stark politische und wirtschaftliche Impulse auf einzelne Titel wirken können, habe sich zuletzt mehrfach gezeigt. WisdomTree verweist auf die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft zwischen der US-Regierung, Brookfield und Cameco zum Ausbau der Nukleartechnologie. Der Aktienkurs von Cameco sei am Folgetag um fast 24 Prozent gestiegen.
Parallel dazu sieht WisdomTree ein strukturelles Ungleichgewicht am Uranmarkt. Mit dem Ausbau der Kernkraftkapazitäten steige die Nachfrage, während die weltweite Uranproduktion im Jahr 2025 nach Schätzung des Hauses bei 60.000 Tonnen liege und damit unter dem aktuellen Reaktorbedarf. Zusätzlicher Druck drohe ab 2030, wenn die Förderung aus bestehenden Minen zwischen 2030 und 2040 wegen der Erschöpfung reifer Anlagen deutlich sinken könnte. „Einige Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Produktion ohne neue Investitionen halbieren könnte“, heißt es in dem Kommentar.
Ein schneller Ausbau des Angebots ist aus Sicht von WisdomTree kaum zu erwarten. Bis neue Uranminen in Betrieb gingen, könnten bis zu 16 Jahre vergehen. Zugleich liege der geschätzte Anreizpreis für neue Projekte mit 125 bis 150 US-Dollar pro Pfund deutlich über dem aktuellen Preisniveau von rund 86 US-Dollar. Vor diesem Hintergrund erwartet WisdomTree ein anhaltendes strukturelles Defizit. „Dieses Ungleichgewicht deutet darauf hin, dass der Markt wohl auch weiterhin ein Unterangebot aufweisen wird, was die Wahrscheinlichkeit höherer Anreizpreise im Laufe der Zeit steigert“, so Tahir. Für Investoren könnten sich daraus Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben.













