Langfristige Trends statt Schlagzeilen: Wo Investoren Chancen sehen

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Warum man jetzt das Marktrauschen beim Investieren unterdrücken sollte

Politische Ereignisse sorgen für kurzfristige Ausschläge, doch für die Kapitalmärkte zählen vor allem langfristige Entwicklungen. Bei einer Kundenveranstaltung von Schroders in London diskutierten Investoren und Experten, welche strukturellen Trends Risiken verschärfen und zugleich neue Chancen eröffnen.

Politische Ereignisse sorgen kurzfristig für viel Aufsehen, doch die Trends, die für die Märkte wirklich von Bedeutung sind, entwickeln sich über längere Zeiträume. Diese übergeordneten Themen standen auch im Mittelpunkt einer Kundenveranstaltung von Schroders in London, bei der Investoren und Experten zusammenkamen, um Erkenntnisse auszutauschen.

In einem Punkt waren sich die Teilnehmer einig: Eine Welt, die bedeutenden, weitreichenden Veränderungen unterworfen ist – darunter die Bildung neuer Machtbündnisse und eine zunehmende finanzielle Instabilität, neben vielen anderen Trends – birgt für Investoren sowohl Risiken als auch Chancen.

Aus wirtschaftlicher Sicht sind „die pessimistischen Prognosen übertrieben“

Entgegen den turbulenten Schlagzeilen ist das globale wirtschaftliche Umfeld günstig. George Brown, Senior Economist bei Schroders, sagte: „Wir rechnen für dieses Jahr mit einem soliden globalen Wachstum von 2,6 % und prognostizieren einen Rückgang der Inflation. Allerdings sehen wir Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen.“


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Er ergänzte: „Die USA verzeichnen weiterhin ein solides Wachstum und einen robusten Arbeitsmarkt. Es handelt sich um keine Volkswirtschaft, die unbedingt Konjunkturmaßnahmen benötigt. Allerdings wurden die Zinssätze Ende 2025 gesenkt, und die stimulierenden Auswirkungen von Trumps Big, Beautiful Bill werden bis 2026 zu spüren sein.“ Dem Experten zufolge besteht die Sorge, dass die Konjunkturmaßnahmen zu einer erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften führen könnten, während das Angebot an Arbeitskräften durch Einwanderung begrenzt ist. Dies könnte das Risiko eines erneuten Anstiegs der Inflation mit sich bringen.

„Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank die Zinssätze in diesem Jahr unverändert lassen wird. Das Wachstum dürfte durch erhöhte Verteidigungsausgaben angekurbelt werden, die vor allem europäischen Herstellern zugutekommen werden.“

Geopolitik sorgt für Turbulenzen, aber Fundamentaldaten sind nach wie vor wichtig 

Obwohl geopolitische Faktoren eine Rolle spielen, betonte Johanna Kyrklund, Chief Investment Officer der Schroders-Gruppe, dass man die tatsächlichen Triebkräfte der Märkte im Blick behalten und Portfolios durch Diversifizierung schützen müsse:

„Geopolitische Nachrichten dominieren die Schlagzeilen. Fundamentaldaten wie Inflation und Geldpolitik spielen dennoch nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Aussichten für die mittelfristigen Zinsen sind ausschlaggebend für die Bewertungen.“

Kyrklund führte weiter aus: „Wir haben schon seit einiger Zeit erkannt, dass wir uns von einer globalisierten Welt mit dem Risiko deflationärer Schocks zu einer deglobalisierten Welt mit dem Risiko inflationärer Schocks bewegt haben. Das ist das populistische Drehbuch.“

Die Expertin ergänzte: „Der Populismus im Westen führt zu einer lockeren Fiskalpolitik, was sich positiv auf das nominale Wachstum auswirkt und Aktien stützt. Zusätzliche Ausgaben, beispielsweise für Konjunkturprogramme oder Verteidigung, könnten jedoch die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung gefährden. Wir sehen darin das größte Risiko. Auch wenn dies keine unmittelbare Gefahr darstellt, könnte es letztendlich das Ende des Aktienbooms bedeuten.“

Hohe Bewertungen sind für einige Anleger ein weiterer Grund zur Sorge, doch es gibt Strategien, um dieses Risiko zu bewältigen, ohne auf Cash auszuweichen, so Kyrklund:

„Anleger sehen sich sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen mit etwas erhöhten Bewertungen konfrontiert, aber es ist noch nicht an der Zeit, in Cash zu flüchten. Für diejenigen, die sich beispielsweise Sorgen um die Bewertungen im US-Technologie- und KI-Sektor machen, könnten Value-Aktien eine Absicherung darstellen. Auch der britische „Old Economy”-Aktienmarkt bietet eine interessante Option.”

Ist nach der Rallye in den USA nun die Zeit für die Schwellenländer gekommen? 

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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