Die Entwicklung des ethischen Investierens ist kein neues Phänomen. Sie reicht von jahrhundertealten, ursprünglich moralisch motivierten Ausschlusskriterien bis zum modernen Risikomanagement. In den 60er- und 70er-Jahren wandelte sich dieser Ansatz unter dem Eindruck sozialer Bewegungen zum Socially Responsible Investing (SRI). Damit rückte die aktive Verantwortung, der Anspruch, Teil der Lösung zu sein, in den Fokus, statt nur „Sündensektoren“ zu meiden. Ein Wendepunkt war 2004, als die UN den Begriff „ESG“ prägte und Umwelt- sowie Sozialthemen von rein moralischen Fragen zu finanziell materiellen Faktoren für den langfristigen Unternehmenswert umdeutete.
Diese Neudefinition löste, verstärkt durch das Pariser Klimaabkommen 2015, eine „grüne Welle“ aus. Die Pandemie und die darauffolgenden Reaktionen wirkten im Jahr 2020 wie ein Zeitraffer für die Finanzmärkte. Staatliche Stimuli und Nullzinsen forcierten eine Marktdynamik, die Wachstumswerte aus Technologie und Erneuerbaren Energien in ungeahnte Höhen trieb, während die Ertragskraft der Unternehmen oft zweitrangig blieb. Doch mit der Zinswende nach 2021 kehrte sich dieser Trend radikal um. Das versiegende günstige Kapital führte bei vielen „Trend-Investments“ zu einer harten Korrektur.
Parallel dazu sorgten – teils begründete – Greenwashing-Vorwürfe, komplexe Regulatorik und ein Übermass an Akronymen für eine Aversion gegenüber dem Thema. Heute stehen wir vor einer psychologischen Barriere: dem „Recency Bias“. Diese kognitive Verzerrung verleitet dazu, jüngste Ereignisse und das Kurzzeitgedächtnis überzubewerten, und daraus resultierend wird teils destruktives «Green Bashing» medial verbreitet. Es führt oft auch dazu ethisch-nachhaltiges Investieren fälschlicherweise als gescheiterten Trend herunterzuspielen. Um dieser Falle zu entkommen, ist ein radikaler Perspektivenwechsel nötig. Wir müssen herauszoomen, Jahrzehnte betrachten (nicht Monate) und uns auf den Aufbau einer resilienten und zukunftsfähigen Gesellschaft fokussieren.
30 Jahre ethisches Investieren: Warum wir keine Modewellen brauchen
Für Arete Ethik Invest war ethisches Investieren nie eine Marketingstrategie oder eine Reaktion auf regulatorischen Druck. Während die Branche oft versucht hat, herkömmliche Produkte mit grünen Labels „aufzuhübschen“, blicken wir auf eine 30-jährige, Trend-unabhängige Geschichte zurück, in der Ethik das Fundament ist. In der Praxis bedeutet das: Wir investieren in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen einen gesellschaftlichen Sinn stiften und deren Wertschöpfung nach bestem Wissen ökologisch wie sozial integer ist.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Tiefe der Prüfung. Ein hausinternes Team von Ethikanalysten durchleuchtet Anlagemöglichkeiten kontextspezifisch und unter Berücksichtigung der Entwicklungsrichtung. Die finale Instanz bildet ein unabhängiges, wissenschaftlich plural besetztes Ethik-Komitee, das die gesellschaftliche Perspektive in unseren Entscheidungsprozess integriert. Das kann hin und wieder dazu führen, dass wir Renditechancen ablehnen, wenn sie fundamentalen Werten von Arete Ethik Invest und unseren Kundinnen und Kunden widersprechen. Doch wir bleiben nicht beim „Nein“ stehen: Wir suchen nach Alternativen in der Wertschöpfungskette, die unsere ethischen Leitplanken einhalten und wirtschaftlich überzeugen. Diesen Multi-Stakeholder-Ansatz leben wir seit drei Jahrzehnten.
Autor Lars Konrad ist seit Januar 2026 als Chief Investment Officer bei Arete Ethik Invest AG und Mitglied der Geschäftsleitung tätig und leitet das Portfoliomanagement des Ethik-Spezialisten.











