Mit dem Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 eine neue, staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Sie ersetzt im Neugeschäft die Riester-Rente. Anders als diese verzichtet sie auf die verpflichtende Beitragsgarantie und setzt stattdessen auf eine renditeorientierte Anlage in Fonds und ETFs mit einer Aktienquote von bis zu 100 Prozent. Eine Beitragsgarantie ist jedoch weiterhin verfügbar.
Gefördert wird sie über Zulagen und einen Sonderausgabenabzug, während die Erträge in der Ansparphase steuerfrei bleiben. Für die Beratung ist das Produkt besonders interessant, weil der förderberechtigte Kreis deutlich erweitert wurde und erstmals auch Selbstständige einbezieht.
Welche Formen der Auszahlungen stehen zur Verfügung und wann kann ich sie mir auszahlen lassen?
Grundsätzlich stehen 3 Formen der Auszahlung zur Verfügung.
- Teilkapitalauszahlung von bis zu 30% des Kapitals
- Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr
- Lebenslange Leibrente
Du kannst die Auszahlung frühestens mit 65 beginnen. Sie muss jedoch spätestens mit 70 losgehen. Früher geht es nur, wenn du bereits eine gesetzliche Rente oder eine Pension beziehst.
Die Teilkapitalauszahlung kann zu Rentenbeginn gewählt und vollkommen frei verwendet werden. Danach muss zwischen einem Auszahlungsplan oder der Leibrente entschieden werden. Ein Mix aus beiden Formen, also Auszahlungsplan und Leibrente, ist nicht möglich.
Die Ausnahme: Kleinbetragsrente
Eine Ausnahme von den beiden Auszahlungsformen gibt es für geringe Guthaben. Ergäbe die gleichmäßige Verrentung des gesamten Kapitals nur eine Mini-Rente, darf der Anbieter den Vertrag stattdessen auf einen Schlag auszahlen, die sogenannte Kleinbetragsrente.
Die Grenze liegt bei 1,5 Prozent der monatlichen Bezugsgröße. Nach dem Stand von 2026 sind das rund 59 Euro. Läge die rechnerische Monatsrente also unter 59 Euro, kann der Anbieter abfinden, statt dir jahrelang Kleinstbeträge zu überweisen, da der Verwaltungsaufwand für so eine kleine Rente sehr hoch ist.
So funktioniert der Auszahlplan bis 85
Beim Auszahlplan bleibt das Kapital investiert und wird in regelmäßigen Raten ausgezahlt. Die Höhe ergibt sich aus dem vorhandenen Kapital, verteilt auf die Monate bis zum Laufzeitende. Ein Beispiel: Bei 200.000 Euro Depotwert und einer Laufzeit von 67 bis 85 liegt die Rate zu Beginn bei rund 926 Euro im Monat.
Weil das Geld weiter am Kapitalmarkt angelegt ist, wird die Rate immer wieder neu berechnet und kann sich verändern. Läuft der Markt gut, steigt sie, läuft er schlecht, sinkt sie. Anders als bei der alten Riester-Rente, wo die Zahlung gleich bleiben oder steigen musste, trägt der Kunde diese Schwankung beim Auszahlplan selbst.
Der Auszahlplan läuft mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr, eine längere Laufzeit ist möglich. Mit Ablauf des Auszahlplans ist das Vermögen aufgebraucht, weitere Auszahlungen erfolgen danach nicht.
Die lebenslange Leibrente als Gegenoption
Die andere Option gegenüber dem Auszahlplan ist die lebenslange Leibrente. Dabei wird das Kapital in eine monatliche Rente umgewandelt, die bis zum Lebensende gezahlt wird. Während der gesamten Auszahlungsphase bleibt die Rente gleich oder steigt - je nach Ablaufoption.
Die Leibrente sichert damit das Langlebigkeitsrisiko ab. Man bekommt die Zahlung auch, wenn man 80, 100, oder 120 Jahre alt wird. Also ein Leben lang. Ergänzen lässt sich die Leibrente um eine Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren. Hierbei gibt es nur diese 2 Möglichkeiten.
Stirbt man innerhalb dieser Zeit, laufen die Zahlungen an deine Hinterbliebenen weiter. Ohne eine solche Vereinbarung endet die Rente mit dem Tod und das Restkapital ist dann nicht vererbbar.
Der Anbieter entscheidet über die Verrentungsoption
Nicht jeder Anbieter wird beide Auszahlungsformen anbieten. Eine lebenslange Leibrente setzt einen Versicherer voraus, der das Langlebigkeitsrisiko trägt. Reine Depotanbieter und Neobroker dürften das Altersvorsorgedepot zwar anbieten, strukturell aber eher mit einem Auszahlplan als mit einer eigenen Leibrente. Wer sich eine lebenslange Rente wünscht, sollte deshalb schon bei der Anbieterwahl darauf achten, ob diese Option überhaupt vorgesehen ist.
Zu Beginn der Auszahlungsphase ist ein Anbieterwechsel jedoch noch möglich. Wer ein Altersvorsorgedepot ohne Verrentungsoption bespart hat, kann sein Kapital zu Rentenbeginn zu einem Anbieter übertragen, der die Leibrente anbietet, etwa zu einem Versicherer. Die Kosten dabei sind auf 150 Euro für den Wechsel gedeckelt. Sollte man jedoch länger als 5 Jahre beim aktuellen Anbieter sein, ist der Wechsel sogar kostenlos.
Die Höhe der Rente variiert je nach Auszahlungsform.
Die Leibrente fällt in der Regel niedriger aus, als im Auszahlplan. Das liegt daran, dass der Versicherer bei einer lebenslangen Zahlung kalkulieren muss, dass du auch 90 oder 100 Jahre alt wirst. Er verteilt dein Kapital also vorsichtiger und baut Sicherheitsmargen ein.
Du bezahlst die lebenslange Garantie somit mit einer geringeren monatlichen Rente. Beim Auszahlplan ist die Rate anfangs höher, dafür ist nach der letzten Zahlung auch Schluss.
| Leibrente | Auszahlplan bis 85 | |
| Dauer | Lebenslange Auszahlung | mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr. Längere Auszahlung möglich. |
| Berechnung der Rente | Abhängig vom Rentenfaktor. | Wird zu Beginn festgelegt und immer wieder neu berechnet. |
| Rentenhöhe | Anfangs niedriger, da auf lebenslange Zahlung ausgelegt | Anfangs höher, da nur auf die Laufzeit bis 85 verteilt |
| Langlebigkeitsrisiko | Trägt das Versichertenkollektiv | Trägt der Kunde ab Ende des Auszahlungsplans |
| Kapitalmarktbeteiligung | über Überschüsse oder eine fondsgebundene Variante | höher, solange Kapital investiert bleibt |
| Restkapital | fällt ohne Rentengarantiezeit dem Kollektiv zu | kann an Hinterbliebene vererbt werden |
| Anbieterkreis | Lebensversicherer | auch Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften |
Für wen sich welche Form der Auszahlung lohnt
Welche Variante passt, hängt davon ab, wie gut man sonst abgesichert ist. Wer bereits eine solide Grundversorgung hat, etwa eine Beamtenpension, eine gute gesetzliche Rente oder weitere Einkünfte, ist nicht auf eine garantierte Leibrente angewiesen. Hier kann der Auszahlplan die bessere Wahl sein. So kann man in den ersten Ruhestandsjahren höhere Auszahlungen und mehr Flexibilität haben. Und das Restkapital bleibt vererbbar.
Die Leibrente ist für den sinnvoll, dessen Grundversorgung im Alter gering ist und der auf eine planbare, lebenslange Zahlung angewiesen ist. Sicherheit zählt mehr als die Höhe der Rente. So bleibt man davon geschützt, dass im hohen Alter plötzlich keine Zusatzrente mehr da ist und man in die Grundsicherung rutscht.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot macht die geförderte private Altersvorsorge ab 2027 renditeorientierter, flexibler und einfacher als die alte Riester-Rente. Zulagen und Steuervorteile in der Ansparphase, steuerfreies Wachstum und eine freie Anlage in Fonds und ETFs machen es für einen breiten Personenkreis attraktiv. Diese Flexibilität setzt sich in der Auszahlungsphase fort. Statt einer festen Vorgabe gibt es die Wahl zwischen lebenslanger Leibrente und Auszahlplan.
Welche Form am Ende passt, hängt von der persönlichen Situation ab und ist keine reine Produktfrage. Genau das herauszuarbeiten, die Absicherung, den Bedarf und die Ziele des Kunden einzuordnen, ist Aufgabe einer guten Beratung.
Autor Martin Schmidt ist Geschäftsführer der DieFinanzchecker. Seit über acht Jahren ist er als geprüfter Versicherungsvermittler und Finanzanlagenfachmann (IHK) sowie zertifizierter bAV-Experte (DVA) tätig. Spezialisiert hat er sich auf Altersvorsorge und das Altersvorsorgedepot.















