Mehr Umstiege auf E-Autos – doch Stadt und Land driften weiter auseinander

Foto: HUK-Coburg
Jörg Rheinländer: „Wenn sich in den Großstädten Deutschlands die Lademöglichkeiten auch für Freiluftparker verbessern, könnte das noch einmal deutliche Zuwächse beim Hochlauf der Elektromobilität bringen."

Der private Umstieg auf Elektroautos nimmt in Deutschland weiter Fahrt auf. Das HUK-E-Barometer weist für 2025 so viele Wechsel vom Verbrenner auf den E-Antrieb aus wie noch nie. Gleichzeitig zeigen die Daten deutliche regionale Unterschiede und machen sichtbar, wo der Hochlauf der Elektromobilität ins Stocken gerät.

Private Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland haben 2025 so häufig wie nie zuvor auf ein Elektroauto umgestellt. Das geht aus dem aktuellen HUK-E-Barometer hervor, das auf Versicherungsdaten der HUK-Coburg sowie einer bundesweit repräsentativen Befragung basiert. Demnach lag die Umstiegsquote von Verbrenner- auf reine Elektrofahrzeuge im vierten Quartal 2025 bei 6,3 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel. Auf das Gesamtjahr gerechnet ergibt sich mit 5,5 Prozent die bislang höchste gemessene Jahresquote.

Auffällig ist dabei die Dynamik im Jahresverlauf. In allen vier Quartalen 2025 stieg die Wechselquote kontinuierlich an. Auch der Blick nach vorn deutet auf weiteres Wachstum hin: 15 Prozent derjenigen, die in den kommenden zwei Jahren einen privaten Fahrzeugwechsel planen, ziehen derzeit ein Elektroauto in Betracht. Damit festigt sich die Elektromobilität zunehmend im privaten Massenmarkt.

„Die Ankündigung einer neuen staatlichen Förderung bei der Anschaffung von E-Autos hat 2025 offenbar nicht zu einem breiten Abwarten bei privaten Käufern geführt“, sagt Dr. Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-Coburg zuständig für die Kfz-Versicherung. „Augenscheinlich scheint die Attraktivität der E-Mobilität inzwischen also auf einem deutlich stabileren Fundament zu stehen.“

Deutliches Stadt-Land-Gefälle beim Umstieg

Trotz des Rekordjahres offenbart das HUK-E-Barometer erhebliche regionale Unterschiede. In den fünfzehn größten deutschen Städten wechseln Privatpersonen deutlich seltener auf Elektroautos als im Bundesdurchschnitt. Während deutschlandweit 5,5 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel auf E-Autos entfallen, liegt die Quote in den Metropolen bei lediglich 4,6 Prozent.

Unter den Großstädten führt Düsseldorf mit einer Umstiegsquote von 5,5 Prozent, gefolgt von Dortmund mit 5,3 Prozent und Nürnberg mit 5,1 Prozent. Städte wie Leipzig mit 3,5 Prozent und Dresden mit 3,3 Prozent liegen deutlich darunter. Selbst Stuttgart, das beim Bestand an privaten E-Autos unter den Großstädten vorne liegt, erreicht mit 4,8 Prozent nicht das Niveau vieler ländlicher Regionen.

Noch ausgeprägter zeigt sich der Unterschied beim Blick auf die Landkreise. Rund drei Viertel der fünfzehn Kreise mit den höchsten Wechselquoten liegen in Bayern. Spitzenreiter ist der Landkreis Starnberg mit einer Quote von zehn Prozent, gefolgt von Erlangen-Höchstadt und Ebersberg mit jeweils 9,6 Prozent. Auch Kreise wie Pfaffenhofen an der Ilm, Würzburg oder Regensburg erreichen Werte, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegen.

Wohnsituation als entscheidender Faktor

Ein zentraler Grund für dieses Gefälle liegt in den Wohn- und Besitzverhältnissen. Laut HUK-E-Barometer besitzen Eigentümer von Häusern oder Wohnungen exakt dreimal so häufig ein privates Elektroauto wie Personen ohne Wohneigentum. Insgesamt entfallen 81 Prozent aller privaten E-Autos in Deutschland auf Immobilienbesitzer.

Auch die Park- und Ladesituation spielt eine entscheidende Rolle. Wer über einen Carport oder einen Garagenstellplatz verfügt, hat fast drei Viertel häufiger ein Elektroauto als jemand, der sein Fahrzeug auf der Straße abstellen muss. In Zahlen bedeutet das eine Besitzquote von 4,1 Prozent gegenüber 2,4 Prozent. Gerade in Großstädten mit hohem Anteil an Mietwohnungen und begrenzten Lademöglichkeiten bremst dies den Umstieg.

Infografik: HUK-Coburg

„Wenn sich in den Großstädten Deutschlands die Lademöglichkeiten auch für Freiluftparker verbessern, könnte das noch einmal deutliche Zuwächse beim Hochlauf der Elektromobilität bringen“, sagt Rheinländer. Nach Einschätzung der HUK-Coburg besteht hier erhebliches Potenzial, das bislang nicht ausgeschöpft wird.

Markenbindung beeinflusst Kaufentscheidungen

Neben Infrastruktur und Wohnsituation beeinflussen auch Markenpräferenzen den Wechsel auf den Elektroantrieb. Mehr als jeder vierte Führerscheininhaber kommt laut Umfrage nur dann für ein E-Auto infrage, wenn es von der bevorzugten Automarke stammt. Bei Vielfahrern mit mehr als 10.000 Kilometern Jahresfahrleistung steigt dieser Anteil auf 36 Prozent, bei Familien mit Kindern auf 37 Prozent. In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro sind es sogar 52 Prozent.

Diese starke Markenbindung wirkt sich direkt auf den Markt aus. Demnach entfielen 2025 die meisten privaten Umstiege auf Volkswagen mit einem Anteil von 13,4 Prozent. Dahinter folgen Skoda mit 8,2 Prozent und BMW mit 7,9 Prozent. Auffällig ist dabei der Erfolg einzelner Modelle, die den Ausschlag für den Wechsel geben. Gleichzeitig geben 17 Prozent der Befragten an, dass sie sich einen Umstieg erst vorstellen können, wenn besser passende E-Modelle für ihre individuellen Bedürfnisse verfügbar sind.

Elektromobilität gewinnt an Stabilität

Die Ergebnisse des HUK-E-Barometers deuten insgesamt darauf hin, dass sich die Elektromobilität im Privatmarkt zunehmend etabliert. Während staatliche Förderankündigungen kurzfristig weniger Einfluss zu haben scheinen, gewinnen strukturelle Faktoren wie Ladeinfrastruktur, Wohnsituation und Modellangebot an Bedeutung. Der kontinuierliche Anstieg der Umstiegsquoten im Jahr 2025 spricht dafür, dass sich die Akzeptanz von Elektroautos auf einem stabileren Niveau verfestigt hat.

Für Versicherer, Hersteller und Politik liefert das Barometer zugleich klare Hinweise darauf, wo weitere Hebel liegen. Der Ausbau von Ladeinfrastruktur in urbanen Räumen, ein breiteres Modellangebot etablierter Marken und Lösungen für Haushalte ohne eigenen Stellplatz gelten als zentrale Voraussetzungen, um das Wachstum der Elektromobilität im Privatbereich weiter zu beschleunigen.

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