“Der gesellschaftsrechtliche Umbau zu unserer neuen gemeinsamen Unternehmensgruppe ist vollzogen.” Mit diesem Satz eröffnete Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Lebensversicherung, am Montag die Pressekonferenz zur neuen Dachmarke der fusionierten Versicherungsgruppe aus Stuttgarter und Süddeutscher Krankenversicherung (SDK).
Am 8. Oktober wurden die Handelsregistereintragungen laut Bader und Mitzlaff vollzogen worden, aus den beiden einstigen Versicherungsvereinen ist ein Unterordnungskonzern mit steuerlicher Organschaft geworden. Der neue Markenname dazu: DIE SÜD Versicherungen.
“Mit Die Süd geben wir unserer gemeinsamen Stärke einen Namen. Er ist bewusst einfach und klar. Er steht für unsere Herkunft und Verlässlichkeit, für wirtschaftliche Stärke und Kontinuität”, erklärte Dr. Ulrich Mitzlaff, Co-Vorstandssprecher der neuen Gruppe und Vorstandsvorsitzender der SDK.
„Jetzt beginne eigentlich die eigentliche Fusion, nämlich das Zusammenwachsen und das Zusammenarbeiten”, ergänzte Bader. Fast zwei Jahre nach der ersten öffentlichen Ankündigung des Zusammenschlusses im Oktober 2024 ist der formale Schlussstrich gezogen, die lange Entwicklungszeit brachte Bader auf eine Formel, die eher aus der Investorenwelt stammt als aus der Versicherungsbranche: “Wir gackern nicht, sondern wir legen.”
Ein Puls als Logo
Zur Marke gehört neben dem Namen ein Logo, das an einen Puls erinnert. Bader beschrieb es als “sozusagen der Herzschlag unseres Unternehmens, aber auch der Puls, der uns als Lebens- beziehungsweise Personenversicherungsgruppe mit Lebensversicherung, Krankenversicherung und Unfallversicherung kennzeichnet”.

Begleitet wird der Markenstart vom Claim “Spürbar mehr Lebensqualität”, der laut Pressemitteilung den Anspruch beschreibt, Kundinnen und Kunden bei Gesundheit, Absicherung und Vorsorge aus einer Hand zu begleiten.
Zahlen, die für sich sprechen sollen
Die neue Gruppe kommt auf rund 1.600 Mitarbeitende und 1,94 Millionen Versicherungsverträge an acht Standorten, darunter die Hauptverwaltungen in Fellbach und Stuttgart sowie Vertriebsstandorte in Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf. 2025 standen 1,9 Milliarden Euro gebuchte Bruttobeiträge zu Buche, davon gut eine Milliarde aus der Krankenversicherung, rund 800 Millionen aus der Lebensversicherung und gut 130 Millionen aus dem Bereich Schaden/Unfall.
Die Bilanzsumme lag bei über 19 Milliarden Euro, die Solvenzquoten bei 784,4 Prozent (SDK) und 742,7 Prozent (Stuttgarter Leben), beide Häuser liegen damit unter den jeweils drei solidesten Anbietern ihrer Sparte. Für 2026 rechnet die Gruppe mit mehr als zwei Milliarden Euro Beitragsvolumen und mehr als 20 Milliarden Euro Bilanzsumme. Wichtig sei den beiden Vorständen dabei die Botschaft, dass der Zusammenschluss nicht aus wirtschaftlicher Not erfolge: “Wir schließen uns nicht aus Not zusammen, sondern weil es Sinn macht, weil es richtig ist und weil wir es wollen”, so Bader.
Eine Dachmarke, zwei Vertriebsmarken
Mit Stuttgarter, SDK und nun auch noch Die Süd stehen künftig drei Namen nebeneinander im Markt. Wie lässt sich da eigentlich die Verwechslungsgefahr im Vertrieb ausschließen? Mitzlaff sieht sie nicht gegeben: “Vertrieblich ist es die Süddeutsche Kranken und die Stuttgarter Leben.” Die Dachmarke komme ausschließlich bei spartenübergreifenden Themen zum Einsatz, etwa bei Messeauftritten, der Arbeitgebermarke oder im Konzernauftritt insgesamt.
Technisch handelt es sich dabei um eine gestützte Markenarchitektur, ein sogenanntes Endorsed Branding: Die etablierten Vertriebsmarken bleiben eigenständig sichtbar, werden aber zunehmend erkennbar unter das gemeinsame Dach gestellt. Der optische Auftritt von SDK und Stuttgarter soll bis etwa Mitte 2027 schrittweise an den Markenauftritt von Die Süd angeglichen werden, sodass die Zusammengehörigkeit auch visuell deutlich wird.
“Wir verbinden das Neue ganz bewusst mit dem, was sich über viele Jahre bewährt hat. SDK und Die Stuttgarter genießen großes Vertrauen im Markt. Diese Stärke erhalten wir und entwickeln sie unter dem gemeinsamen Dach von Die Süd weiter”, erklärte Bader.
Bader sieht in der parallelen Wahrnehmbarkeit sogar einen Vorteil: “Wenn Süd, SDK und Stuttgarter zusammengedacht werden, dann haben die Vermittler ja auch erkannt, dass wir eine Einheit sind.” Auch bei den Kunden rechnet er nicht mit Irritationen und zog den Vergleich zur ALH-Gruppe aus Alte Leipziger und Hallesche, bei der das Prinzip längst eingeübt sei. Für Bestandskunden ändere sich ohnehin zunächst nichts, betonte Mitzlaff, bei Neuverträgen komme künftig lediglich der Unfallschutzbrief samt Mitgliedschaft bei den Süddeutschen Versicherungen hinzu.
Und wie kam ausgerechnet der Name Süd zustande, war womöglich auch “Südwest” im Gespräch, schließlich verbinde man mit Süd eher München als Stuttgart? Bader winkte ab: Südwest sei schlicht länger und sperriger gewesen, zudem heiße auch der neue Dachverein nicht Südwestdeutsche, sondern Süddeutsche Versicherungen auf Gegenseitigkeit. Mitzlaff, gebürtiger Norddeutscher, ordnete die Namensfrage pragmatisch ein: Für ihn beginne Süddeutschland ohnehin erst auf Höhe von Kassel, insofern stehe der Name eher für den Anspruch, die ganze Republik zu erobern, als für eine regionale Engführung.
Verein bleibt Verein, trotz zweier neuer Aktiengesellschaften
An der Spitze der Gruppe steht die Süddeutsche Versicherungen als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, oberstes Organ bleibt die Mitgliedervertreterversammlung. SDK und Stuttgarter Leben werden als Aktiengesellschaften unterhalb des Vereins fortgeführt, alleiniger Aktionär beider Gesellschaften ist die Süddeutsche Versicherungen. Dass dafür die bisherigen Vereine umgewandelt werden mussten, begründete Mitzlaff mit der Rechtslage.
Ein Verein könne aufsichtsrechtlich nicht von einer Obergesellschaft beherrscht werden, deshalb seien beide Ursprungsvereine aufgelöst und neu als Aktiengesellschaften gegründet worden. Die Aktien selbst blieben im Besitz des Vereins und seien nicht handelbar, Mitarbeiteraktien wird es entsprechend nicht geben. “Wir verbinden mit unserer neuen Struktur wirtschaftliche Stärke mit dem Grundgedanken des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Die Süd gehört damit weiterhin ihren Mitgliedern”, erklärte Bader dazu.
Im operativen Vorstand ändert sich wenig: Mitzlaff bleibt Chef der SDK, Bader der Stuttgarter Leben, bei den Süddeutschen Versicherungen fungieren beide künftig als Co-Vorstandssprecher, flankiert von Olaf Engemann, Jesko Kannenberg, Michael Krebbers und Ralf Oestereich. Für den komplexen Weg dorthin bedankte sich Bader ausdrücklich bei der BaFin, die das Projekt eng begleitet habe.
Wachstum über Spartengrenzen hinweg
Das größte Potenzial sieht Mitzlaff im spartenübergreifenden Vertrieb und in der bundesweiten Ausdehnung der bislang vor allem in Bayern und Baden-Württemberg verankerten SDK. Per September liege man in der Krankenversicherung 13 Prozent, in der Lebensversicherung 6 Prozent über Vorjahr. Besonders im noch jungen Maklervertrieb der SDK, den es erst seit elf Jahren gibt, sieht Mitzlaff Dynamik: Im Neugeschäft liege dieser Vertriebsweg bereits auf Augenhöhe mit Ausschließlichkeit und Bankvertrieb, im Vorjahr sogar leicht davor.
Entstehen aus dieser Entwicklung künftig auch eigene Produkte unter der Dachmarke? Mitzlaff verwies auf die gesetzlich vorgeschriebene Spartentrennung, wonach Produkte weiterhin beim jeweiligen Risikoträger entwickelt und vertrieben würden. Bader ergänzte, dass die Süddeutschen Versicherungen vorerst nur ein einziges Produkt führen, den kostenlosen Mitgliederschutzbrief, konstruiert nach dem Vorbild der einstigen Gothaer Versicherungsbank.
Bei übergreifenden Angeboten zur betrieblichen Vorsorge, etwa Kombinationen aus betrieblicher Krankenversicherung und betrieblicher Altersversorgung, werde dagegen künftig die Dachmarke auftreten. In den kommenden Monaten soll die Beratungs- und Unterstützungskompetenz für Firmenkunden gebündelt werden, damit Makler nicht länger getrennt in Fellbach und Stuttgart anfragen müssen.
Altersvorsorgedepot: Wettbewerb um Courtage und Kooperationspartner
Mit Blick auf den Start des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027 stellt sich die Frage, ob ein mittelgroßer Anbieter gegen die angeblich lukrativen Vergütungsmodelle der Allianz überhaupt bestehen kann. Bader widersprach: Man komme in allen drei Ausbaustufen an den Markt, zahle eine Abschlusscourtage mit verlängerter Haftzeit und könne sich dank solider Finanzkraft ebenfalls eine Vorfinanzierung leisten. Neobroker seien dabei ohnehin nicht die eigentliche Konkurrenz, da deren Kundenklientel eine andere sei als die der eigenen Vermittler, zudem gebe es beim Kostenniveau kein Level Playing Field.
Beim gesetzlich vorgeschriebenen, aber wenig nachgefragten Standardprodukt will man nur über eine Kooperation an den Markt gehen. Wer der Partner dafür wird, ließ Bader offen, nur so viel: “Voraussichtlich wird es jemand aus der Fondsindustrie und kein Versicherer sein.” Bei den eigenen Garantieprodukten rechnet er mit einer Renditeminderung von rund 1,2 Prozent über 35 Jahre Laufzeit, nicht weit entfernt vom gesetzlichen Kostendeckel des Standardprodukts von einem Prozent.
Schwingt angesichts der schleppenden Resonanz auf das Standardprodukt womöglich eine gewisse Schadenfreude mit? Bader verkniff sich eine gewisse Genugtuung nicht ganz: Dass der Staat sich mit einem eigenen Produkt neben 80 Lebensversicherern, zahlreichen Neobrokern und Fondsgesellschaften selbst im Markt positioniere, habe er von Anfang an für wenig sinnvoll gehalten. Mitzlaff ergänzte, ihm wäre deutlich lieber, der Staat würde bei Rentenreform, Gesundheitsreform und Pflegereform vorankommen, statt sich selbst als Marktteilnehmer zu positionieren.
Standorte, Demografie und künstliche Intelligenz
Lassen sich angesichts hoher Immobilienkosten wirklich alle Standorte halten, auch mit Blick auf mögliche Auswirkungen etwa bei der Gewerbesteuer am Standort Fellbach? Mitzlaff verneinte Nachteile und Änderungen: Die Verwaltungsstandorte Augsburg und Freiburg leisteten zu 95 Prozent Kundenservice, Stuttgart und Fellbach gälten intern ohnehin als ein gemeinsamer Standort mit guter Anbindung über wenige S-Bahn-Stationen.
Wo aber steht die Mitarbeiterzahl angesichts der anstehenden Pensionierungswelle der Babyboomer in den kommenden Jahren? Eine verlässliche Prognose wollte Mitzlaff nicht wagen, machte aber deutlich, dass der Zusammenschluss “an keiner Stelle ein Personalabbauprogramm” sei, eine Zusage, die ausdrücklich auch für Zentralfunktionen wie HR, Rechnungswesen und IT gelte. Als Beispiel für die angestrebten Synergien nannte er das Rechnungswesen, wo die SDK mit sechs und die Stuttgarter mit 16 Mitarbeitenden, darunter mehrere SAP-Entwickler, bereits heute voneinander profitierten.
Bei der künstlichen Intelligenz verwies Bader auf den bereits laufenden Einsatz bei Gesprächstranskription, Protokollierung und automatisierter Posteingangsverarbeitung, dabei würden grundsätzlich große Sprachmodelle genutzt, aber individuell trainiert. Mitzlaff ergänzte den Einsatz von Wissenssystemen im Kundenservice sowie von Agenten für einen Rückrufservice, der Wartezeiten besser verteilen soll. Zudem kündigte er eine neue interne Einheit an, einen “KI-Freigeist mit dem Laptop unterm Arm”, deren konkrete Projekte er aus Wettbewerbsgründen noch nicht nennen wollte.
Und wie geht man mit den unterschiedlichen Unternehmenskulturen beider Häuser um, damit keine Gewinner-Verlierer-Dynamik entsteht? Mitzlaff zeigte sich unaufgeregt: Man richte den Blick konsequent nach vorne, auch wenn solche Integrationsprozesse erfahrungsgemäß eine Generation dauerten.
Als Beleg erzählte er von seinen eigenen Stationen bei der einst grünen Vereinten Kranken, die später als hellblaue Allianz Private Kranken firmierte, gegenüber dem dunkleren Blau der Allianz selbst: “In der hellblauen APKV wusste man noch, wer die blauen Magdeburger vor der Vereinten waren.” Gemeinsam erarbeitete Kulturwerte und eine gemeinsame Strategie sollen diesen Prozess nun beschleunigen. Einem breiten Fachpublikum präsentiert sich Die Süd erstmals am 27. und 28. Oktober auf der DKM in Dortmund.















