Multi-Asset-Fonds vor dem Comeback

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Alexander Wagner, Union Investment

Um Multi-Asset-Fonds ist es zuletzt ruhig geworden. Der Gleichlauf von Renten und Aktien in den vergangenen zwei Jahren hat der hohen Nachfrage nach diesen Fondskonzepten ein vorübergehendes Ende gesetzt. Doch langsam wendet sich das Blatt. Warum Multi-Asset-Fonds jetzt genau das Richtige sein können.

Multi-Asset-Fonds investieren flexibel in verschiedene Anlageklassen und können das Anlagerisiko dadurch breit streuen. Ziel ist, eine langfristig attraktive Wertentwicklung zu erzielen und gleichzeitig Risiken zu begrenzen. Hierfür machen sich die Fonds den Sachverhalt zu Nutze, dass sich einzelne Anlageklassen häufig gegensätzlich, andere sich wiederum im Gleichklang entwickeln. Fallen in schwierigen Marktphasen beispielsweise die Kurse von Aktien, reagieren Zentralbanken darauf häufig mit Leitzinssenkungen und die Kurse von festverzinslichen Anleihen können steigen. Das Fondsmanagement eines Multi-Asset-Fonds agiert in jeder Marktsituation anders und kann Verluste dadurch zumeist dämpfen.


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Rückschlag für Multi-Asset-Fonds

Diese Wirkungsweise hat der Nachfrage nach Multi-Asset-Fonds lange Zeit Auftrieb gegeben. Vor gut zwei Jahren geriet die Entwicklung aber ins Stocken. Da im Börsenjahr 2022 sowohl Aktien- als auch Rentenanlagen unter Druck gerieten, erlebten die mehrheitlich aus diesen beiden Anlageklassen bestehenden traditionellen Multi-Asset-Konzepte einen Rückschlag. Was war geschehen? Der russische Einmarsch in der Ukraine und seine wirtschaftlichen Folgen erhöhten die konjunkturellen Unsicherheiten. Gleichzeitig stieg die bereits im Vorfeld anziehende Inflation sprunghaft an. Aufgrund der hohen Inflation begannen die Notenbanken, ihre Leitzinsen deutlich zu erhöhen. In der Folge verzeichneten nahezu alle Anlageklassen herbe Kursverluste. An den Rentenmärkten stiegen die Renditen sicherer Staatsanleihen angesichts der Kombination von steigender Inflation und restriktiverer Geldpolitik merklich an, globale Staatsanleihen verloren zum Teil massiv an Wert. Auch an den Aktienmärkten ging es bergab. Die Sorgen um die zukünftige Entwicklung der Unternehmensgewinne führte auf globaler Ebene im Schnitt zu Kursverlusten im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Für viele Multi-Asset-Fonds, die nicht oder nur wenig in Rohstoffe und alternative Anlagen investierten konnten, entfiel damit die Möglichkeit der breiten Diversifikation. Die Fondspreise gaben deshalb nach.

Multi-Asset-Produkte starten Aufholjagd

Im Jahr 2023 stabilisierte sich die Lage an den Finanzmärkten. Allerdings taten sich Multi-Asset-Fonds in weiten Teilen des Jahres noch schwer. Denn die globale Konjunktur schwächte sich im Jahresverlauf weiter ab. Die Notenbanken setzten ihren Zinserhöhungskurs trotz rückläufiger Inflationsdaten vorerst fort. An den Aktienmärkten verlief der Jahresauftakt zwar zunächst erfolgreich. Im weiteren Verlauf kam es jedoch immer wieder zu Rückschlägen. Erst ab Herbst entstand am Markt nach und nach Hoffnung auf baldige Zinssenkungen, die globalen Aktien zum Durchbruch verhalf. Als zusätzlicher Treiber wirkte die Perspektive auf Produktivitätsgewinne durch die Anwendung Künstlicher Intelligenz. Unter dem Strich verbuchten internationale Aktien im Jahr 2023 ein deutliches Plus. Auch die Rentenmärkte konnten letztlich von fallenden Renditen auf globaler Ebene profitieren. Die zunehmenden Performance-Unterschiede zwischen Regionen, Anlageklassen und Sektoren waren auch gute Nachrichten für Multi-Asset-Strategien. Sie ermöglichten größere Handlungsspielräume für eine aktive Rendite. Denn mit ihrem von Natur aus dynamischen Ansatz, konnten die Fonds gerade angesichts des immer noch unsicheren konjunkturellen Ausblicks ihre Stärken wieder besser ausspielen.

Günstige Aussichten für Multi-Asset-Konzepte

2024 ist das Marktumfeld nun ausgewogener. Mit dem hohen Renditeniveau vieler Zinsanlagen hat sich die Ausgangslage für Multi-Asset-Portfolios verbessert. Der Inflationsdruck hat spürbar nachgelassen. Zur Mitte des Jahres ist mit ersten Zinssenkungen der großen Notenbanken zu rechnen – das sollte die Rentenmärkte mittelfristig stützen. Auch der Blick auf die Aktienmärkte – vor allem auf den US-Markt – macht Mut. Denn trotz der jüngsten Kursanstiege bleibt der Ausblick mittelfristig positiv. Der Mix aus einer sich stabilisierenden Konjunktur, rückläufiger Inflation und zu erwartenden weiteren Gewinnsteigerungen aus technologischen Innovationen ist eine gute Grundlage. Dennoch dürften sich die Aussichten für die größten Volkswirtschaften der Welt stärker auseinanderentwickeln. Viele Staaten stehen vor politischen, wirtschaftlichen oder strukturellen Herausforderungen. Angesichts des Ukraine-Kriegs, der Folgen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden rückläufigen Entwicklung bei der Globalisierung dürfte es rund um den Globus zu unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten kommen. Eine zunehmende Performance-Streuung über Regionen, Anlageklassen und Sektoren ist in den kommenden Monaten daher wahrscheinlich.

Für Anleger bedeutet das: Genau jetzt ist die Zeit für Multi Asset. Das höhere Zinsniveau liefert stetige Kuponerträge, die eine solide Basis des Portfolios und einen Puffer gegen mögliche Kursrückschläge bilden. Hinzu kommen die Renditemöglichkeiten aus der Chancenkomponente. Für eine Fortsetzung des aktuellen Aufwärtstrends spricht auch die fundamentale Verfassung der Konzerne: Die gute Gewinnentwicklung vor allem im IT-Sektor gepaart mit einem noch nicht zu teuren Bewertungsniveau eröffnet weiteres Kurspotenzial.

Vielfältige Investitionsmöglichkeiten

Für Anleger, die sich etwas breiter aufstellen und nicht nur auf Aktien oder Renten setzen wollen, sind Multi-Asset-Fonds in diesem Umfeld erste Wahl. Das Angebot ist groß. Klassische Mischfonds sind zumeist einfach strukturiert, mit einem klaren Fokus auf Renten und Aktien. Auf lange Sicht entwickeln sich diese beiden Asset-Klassen unterschiedlich und federn sich in vielen Phasen gegenseitig ab. Anleger können zumeist aus verschiedenen Modellen wählen. Mehrwert entsteht durch die aktive Selektion der Einzeltitel und die Allokation zwischen dem Aktien- und Rentenbereich. Der Vorteil dieser Konzepte liegt in ihrer geringeren Komplexität.

Moderne Multi-Asset-Fonds können darüber hinaus weitere Anlageklassen nutzen und so das Risiko noch breiter streuen – das bietet einen Mehrwert gerade in Phasen höherer Inflation. Diese Fonds können auch in Rohstoffe, Immobilien oder Alternative Investments investieren. Oftmals besteht auch die Möglichkeit, unterschiedliche Instrumente wie Einzeltitel, Fonds, ETFs, Zertifikate und Derivate einzusetzen, um verschiedene Ertragschancen zu nutzen. Moderne Multi-Asset-Fonds sind sehr flexibel und verfolgen das Ziel, die Wertentwicklung zu stabilisieren und das Verlustrisiko zu senken. Häufig werden bei der Vermögensstrukturierung keine festen Quoten für einzelne Anlageklassen festgelegt. Vielmehr nutzt das Fondsmanagement Chancen und begrenzt Risiken in Abhängigkeit von seiner Markteinschätzung auf der einen und der Risikoklasse des Fonds auf der anderen Seite. Ganz egal aber, worauf die Wahl fällt: Das Marktumfeld eröffnet aktuell viele Möglichkeiten. Damit ist die Zeit reif für das Comeback von Multi-Asset-Fonds.

Autor Alexander Wagner ist Leiter Multi Asset Privatkunden bei Union Investment.

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