„Nach mir die Sintflut“: US-Wirtschaftspolitik ganz im Zeichen der Midterms

Foto: Metzler Asset Management

Die US-Wirtschaftspolitik steht aus Sicht von Edgar Walk ganz im Zeichen der Midterm Elections im November 2026. Wachstum, Konsum und Beschäftigung sollen bis dahin möglichst hoch bleiben. Welche Instrumente Donald Trump dafür einsetzt – und welche Risiken daraus entstehen könnten.

Die US-Wirtschaftspolitik ist gegenwärtig klar auf die Midterm Elections im November 2026 ausgerichtet, analysiert Edgar Walk, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Metzler Asset Management. Aus seiner Sicht ordne Donald Trump nahezu alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen dem Ziel unter, bis zu den Wahlen eine möglichst starke Konjunktur vorzuweisen. Wachstum sei dabei weniger Mittel zum Zweck als das zentrale politische Ziel.

Walk zufolge werde Trump alles daransetzen, Wachstum, Konsum und Beschäftigung bis November hochzuhalten. Dazu nutze er massiven politischen Druck auf die US-Notenbank, fiskalische Impulse sowie gezielte Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung auf private Haushalte. Die diskutierte Deckelung der Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent wertet Walk ausdrücklich als „Wahlgeschenk“. In diesem Zusammenhang betont er: „Die Kosten trägt am Ende nicht der Staat. Sie werden auf Banken und letztlich auf die Kunden verlagert. Politisch ist die Maßnahme dennoch attraktiv, weil sie kurzfristig entlastet und gut kommunizierbar ist.“

Die kurzfristigen wirtschaftlichen Implikationen dieser Strategie seien aus Walks Sicht niedrigere Zinsen, eine stabile bis starke Konjunktur und ein robuster Arbeitsmarkt bis zu den Midterms. Entsprechend erwartet er ein insgesamt freundliches Marktumfeld und eine tendenziell positive Performance bis in den Herbst 2026.

Deutlich kritischer falle der Blick über den Wahltermin hinaus aus. Walk beschreibt den Ansatz als eine Politik nach dem Prinzip „Nach mir die Sintflut“. „Wenn Wachstum um nahezu jeden Preis priorisiert wird, steigt das Risiko, dass Überbewertungen weiter aufgebläht werden oder sogar eine neue Blase an den Finanzmärkten entsteht. Die wirtschaftlichen Folgekosten werden in Kauf genommen, solange sie jenseits des Wahltermins liegen“, so der Experte.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Walk den Reaktionen der Finanzmärkte auf den politischen Druck auf die Geldpolitik. Der Goldpreis habe bislang am stärksten reagiert und sei deutlich gestiegen. Dies signalisiere zunehmende Skepsis gegenüber der Geldpolitik und politischer Einflussnahme. Der US-Dollar und die Anleihemärkte zeigten sich hingegen bislang überraschend gelassen. Entscheidend sei letztlich der Rentenmarkt. „Gold- oder Dollarbewegungen werden Trump nicht aufhalten. Der einzige echte limitierende Faktor wäre ein nervöser Anleihemarkt. Solange die Renditen stabil bleiben und der Anleihemarkt nicht protestiert, wird der politische Druck weiter erhöht werden“, resümiert der Metzler-Ökonom.

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