Vierter Angriff auf Riads Flughafen - warum der Ölpreis trotzdem fällt

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Rauchsäule über dem Flughafen King Khalid in Riad bei Nacht, im Vordergrund ein Passagierflugzeug.
KI-generiertes Bild (OpenAI, gpt-image-2.5-sunburst): Rauch über dem Terminal. Im Bild erkennbar: Flughafen King Khalid, Riad (Symbolbild). Rechte vor der Veröffentlichung prüfen.
Seit dem 8. Oktober 2026 wurde der Flughafen Riad innerhalb von fünf Tagen viermal von den Huthis angegriffen.

Trotz eines weiteren tödlichen Huthi-Angriffs auf den Flughafen Riad gab der Ölpreis aktuell leicht nach. Laut ING treibt vor allem ein US-vermittelter Diesel-Deal mit Russland den Preis - nicht die Attacke. Für Berater zählt vor allem, welche Schwelle den Markt wirklich bewegen würde.

Der Ölpreis aktuell folgt nicht den Schlagzeilen aus Nahost. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Montag, 12. Oktober 2026, 103,90 US-Dollar. Das sind 0,8 Prozent weniger als zum Wochenschluss, berichtete dpa-AFX zu Beginn der neuen Handelswoche. Der leichte Rückgang überrascht, denn die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hatte den internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad in der vorangegangenen Nacht erneut unter Beschuss genommen.

Bei dem Beschuss des King-Khalid-Flughafens am Abend des 11. Oktober kam ein pakistanischer Staatsbürger ums Leben. Elf weitere Menschen wurden verletzt, wie die saudische Zivilluftfahrtbehörde GACA mitteilte. Für den Flughafen war es bereits der vierte Angriff innerhalb von fünf Tagen.

Beim bislang folgenreichsten Treffer am 10. Oktober starben zunächst zwölf Menschen, mehr als 300 wurden verletzt. Später erlag zusätzlich ein indischer Staatsangehöriger seinen Verletzungen. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten aus beiden Attacken auf 13. Unter anderem strichen Lufthansa, Air India und Pakistan International Airlines ihre Flüge nach Riad vorübergehend aus dem Programm.

Warum der Ölpreis aktuell trotz der Eskalation sinkt

Warren Patterson nennt einen entscheidenden Grund dafür, dass der Ölpreis trotz der eskalierenden Gewalt nicht weiter zulegte. Er leitet die Rohstoffstrategie der ING Groep NV am Standort Singapur und sagt: „It’s not energy infrastructure being hit.“ Übersetzt heißt das: Getroffen wird nicht die Energieinfrastruktur. Nach Einschätzung von ING spielte am Montag außerdem ein weiterer Punkt eine entscheidende Rolle: ein Diesel-Deal mit Russland, den US-Präsident Donald Trump vermittelt hatte. Der Terminkontrakt ICE Brent fiel im Tagesverlauf zeitweise um mehr als zwei Prozent und damit deutlich stärker, als der Vergleich zum Vortagesschluss vermuten lässt. Über der Marke von 100 US-Dollar notierte der Kontrakt dabei weiterhin.

Die Eskalation seit dem Angriff auf den Iran im Februar

Der Ölpreis aktuell lässt sich nur im Kontext der Eskalation seit Februar 2026 einordnen. Ausgelöst wurde der Konflikt durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026. Im Januar 2026 kostete ein Barrel noch rund 64 bis 67 US-Dollar. Am 31. März 2026 notierte Brent dann zeitweise über 118 US-Dollar. Seither bewegt sich der Preis in einer außergewöhnlich weiten Bandbreite von ungefähr 70 bis 120 US-Dollar. Wie stark die Kriegsparteien jeweils eskalieren oder deeskalieren, entscheidet dabei über die Richtung.

Am 20. Juli 2026 verkündeten die Huthis eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien. Seitdem haben sie eigenen Angaben nach acht Schiffe mit Verbindungen zu Saudi-Arabien im Roten Meer attackiert. Fünf Tage später meldeten sie zusätzlich Angriffe auf Aramco-Anlagen in den Städten Jizan und Yanbu, und am 4. Oktober 2026 begannen von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierungstruppen die Offensive „Dawn of Yemen“. Sie soll sämtliche von den Huthis gehaltenen Gebiete zurückerobern, einschließlich der seit 2014 kontrollierten Hauptstadt Sanaa. Laut eigenen Angaben unterstützt die saudisch geführte Koalition den Einsatz mit 100 Kampfjets. Unmittelbar nach dem Start dieser Offensive kam es zu den vier Attacken auf den Flughafen Riad. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Eskalationsstufen und die Reaktion des Brentpreises:


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ZeitpunktGeschehenÖlpreis (Brent)
Januar 2026Noch vor Kriegsausbruchetwa 64 bis 67 US-Dollar
28. Februar 2026Angriff der USA und Israels auf den Irandeutlicher Preisanstieg
31. März 2026Höhepunkt der Eskalation, unter anderem an der Straße von Hormusüber 118 US-Dollar
20. Juli 2026Huthi-Seeblockade gegen Saudi-Arabienkeine Angabe
4. Oktober 2026Offensive „Dawn of Yemen“ gegen Huthi-Gebietekeine Angabe
8. Oktober 2026Berichte über eine mögliche neue Angriffswelle der USA gegen den Iranzeitweise knapp 106 US-Dollar
10. Oktober 2026Schwerster Huthi-Angriff auf den Flughafen Riad, zunächst zwölf Totekeine Angabe
11. Oktober 2026Vierter Huthi-Angriff auf den Flughafen Riad, ein Todesopferkeine Angabe
12. Oktober 2026Brent zum Wochenstart103,90 US-Dollar (minus 0,8 Prozent)

Unsichere Lage zwischen Iran und Ukraine

Zusätzliche Nervosität verursachten in der vergangenen Woche Berichte in den Medien, wonach die USA erneut gegen den Iran vorgehen könnten. Dadurch stieg der Brentpreis vorübergehend auf knapp 106 US-Dollar. Trump wies diese Darstellung zurück - und zwar am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, über seine Plattform Truth Social. Er schrieb, die USA würden den Iran zu keinem Zeitpunkt vor den Zwischenwahlen am 3. November 2026 angreifen. Zugleich sprach er von „konstruktiven Gesprächen“ mit Teheran und einem übermittelten „Sieben-Tage-Plan“, auf den bereits eine Antwort eingegangen sei. Wie belastbar diese Ankündigung ist, lässt sich derzeit nicht unabhängig bestätigen. Welche Folgen solche geopolitischen Spannungen auch für Währungsmärkte haben können, zeigt sich daran, dass der Iran-Krieg den US-Dollar treibt - doch die Rally könnte vor einer Wende stehen.

Auch am zweiten Kriegsschauplatz, der die Ölmärkte beeinflusst, zeigt sich, wie brüchig politische Zusagen momentan sind. Trump hatte zuvor eine „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und der Ukraine verkündet. Dennoch beschoss Russland am 11. Oktober 2026 das Heizkraftwerk CHP-5 in Charkiw mit mindestens zwei Treffern, wodurch dort ein Feuer entstand. Zusätzlich bestätigte Präsident Wolodymyr Selenskyj einen weiteren Angriff auf ein Kraftwerk in Kiew. Beide Vorfälle wertet die ukrainische Führung als Verstoß gegen die von Trump angekündigte Vereinbarung. Welche Rolle dabei auch diplomatische Initiativen spielen, zeigt sich daran, was Kushners Gespräche mit Russland für die Gaspreise rund um die Nord-Stream-Pipeline bedeuten. Der Ölpreis aktuell hängt damit stark von einzelnen politischen Aussagen und ihrer Haltbarkeit ab.

Was die Lage für Berater und Anleger bedeutet

Für Vermittler, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger zeigt der Wochenstart ein aufschlussreiches Muster: Der Ölmarkt trennt derzeit sehr genau zwischen Angriffen, die zivile Opfer fordern, und Treffern auf Förder- oder Exportanlagen. Solange saudische Ölanlagen unversehrt bleiben, rührt sich der Ölpreis aktuell trotz der Eskalation kaum. Der Rückgang um 0,8 Prozent nach dem jüngsten Flughafenangriff bestätigt das. Würde hingegen eine Förder- oder Exportanlage getroffen, wäre basierend auf der bisherigen Markterfahrung seit Kriegsbeginn mit einem deutlich höheren Preisrisiko zu rechnen. Nach dem Iran-Angriff im Februar und der Zuspitzung an der Straße von Hormus kletterte Brent bis Ende März über 118 US-Dollar - was der Tankerangriff in der Straße von Hormus für Anleger bedeutet, zeigt sich auch heute wieder.

Entscheidend für Energie-, Inflations- und Zinsszenarien in Kundenportfolios bleibt deshalb die Frage, ob die Huthis saudische Förder- oder Exportanlagen treffen. Dieses Risiko besteht nach der Offensive „Dawn of Yemen“ und der Seeblockade seit Juli weiter.

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