Erneut ist ein Tanker in der Straße von Hormus unter Beschuss geraten. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO registrierte den Vorfall am 1. Oktober 2026 um 17:50 Uhr (UTC): Ein nicht identifiziertes Projektil traf das Schiff, an Bord brach ein Feuer aus. Die Besatzung kam nach Angaben der Behörde unverletzt davon.
Namen, Flagge oder Eigentümer des betroffenen Schiffs nannte UKMTO bislang nicht. Offen blieb zudem, wer das Projektil abfeuerte. Die Behörde erklärt dazu: „The extent of the damage, any environmental impact and who fired the projectile have not been established.“ Auch am 2. Oktober 2026 war die Verantwortung weiter ungeklärt.
Chronologie: Wie der Konflikt um die Straße von Hormus eskalierte
Der Vorfall reiht sich in einen Krieg ein, der nach übereinstimmenden Berichten am 28. Februar 2026 begann. Damals griffen die USA und Israel mehrere iranische Ziele aus der Luft an. Der Iran reagierte am 2. März 2026 und sperrte die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Wie teuer eine solche blockierte Meerenge die europäische Wirtschaft zu stehen kommen kann, zeigen aktuelle Wachstumsanalysen.
Ein Waffenruhe-Abkommen brachte zwischenzeitlich Entspannung. Nach Angaben von Al Jazeera unterzeichneten die USA und der Iran am 17. Juni 2026 das „Islamabad Memorandum of Understanding“ – eine Verlängerung der seit 8. April 2026 geltenden Waffenruhe um 60 Tage. Teheran sagte darin zu, die Meerenge wieder für den Handel zu öffnen. Laut CSIS fiel die Unterzeichnung hingegen erst auf den 19. Juni 2026 – ein Widerspruch beim Datum, der sich in den Quellen nicht auflösen lässt. Inhalt und 60-Tage-Frist bestätigen beide Berichte übereinstimmend.
Lange hielt die Ruhe nicht. Bereits am 27. Juni 2026 traf laut UKMTO erneut ein unbekanntes Projektil einen Tanker nordwestlich von Oman und beschädigte dessen Brücke; die Besatzung blieb unverletzt. Einen Tag zuvor hatten Angreifer ein Containerschiff getroffen, woraufhin die USA iranische Militärziele mit Vergeltungsschlägen angriffen. Nachdem der Iran erneut Handelsschiffe angegriffen hatte, erklärte US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe am 8. Juli 2026 für beendet.
USA verlegen Flugzeugträger in die Golfregion
Anfang Oktober spitzte sich die Lage weiter zu. Die USA verlegten laut Al Jazeera am 1. und 2. Oktober 2026 drei Flugzeugträger – darunter die USS Roosevelt –, zwei Verbände für amphibische Landungen sowie etwa 2.000 Marineinfanteristen in die Golfregion. Die „Persian Gulf Strait Authority“ meldete zudem Angriffe auf Schiffe, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gechartert worden waren. Irans Präsident Masoud Pezeshkian betont dagegen, der Iran habe einen Dialog nie vermieden.
Ölpreis reagiert verhalten auf den Angriff
Anders als der Markt für Schiffsraum reagierten die Ölbörsen zunächst gelassen. Am 2. Oktober 2026 um 6:17 Uhr notierte Brent-Rohöl bei 101,76 US-Dollar je Barrel, ein Rückgang von 0,91 Prozent. Die US-Sorte WTI gab um 1,03 Prozent auf 92,25 US-Dollar nach. Marktteilnehmer dürften das Risiko rund um die Straße von Hormus damit bereits weitgehend eingepreist haben. Dass klassische Schutzmechanismen derzeit an Wirkung verlieren, zeigt auch die Beobachtung, wonach Gold verliert, während Öl steigt und Anleger kaum Schutz finden.
US-Finanzminister Scott Bessent behauptete unterdessen, der Iran habe im September kein Rohöl auf Tanker verladen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Aussage liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Sie ist daher als politische Einschätzung zu lesen und nicht als gesicherte Tatsache.
Frachtraten für Supertanker schießen in die Höhe
Deutlich stärker als der Ölpreis reagiert der Markt für Supertanker. Der Oman-China-Index der Baltic Exchange für sogenannte VLCC-Tanker (Very Large Crude Carrier) stieg von rund 79.700 US-Dollar pro Tag im Juli 2025 auf etwa 722.946 US-Dollar am 18. September 2026. Das entspricht einem Plus von 807,1 Prozent binnen zwölf Monaten. Auch die Monatsdurchschnitte zeigen den steilen Anstieg.
| Zeitraum | VLCC-Tagesrate Oman–China (US-Dollar) |
|---|---|
| Juli 2025 | rund 79.700 |
| Juli 2026 (Monatsschnitt) | rund 198.000 |
| August 2026 (Monatsschnitt) | rund 272.000 |
| 1. bis 15. September 2026 (Schnitt) | knapp 449.000 |
| 18. September 2026 | 722.946 |
Parallel zu den Frachtraten ziehen die Verkaufspreise gebrauchter Tanker an. Laut Cyprus Mail registrierte der Markt zwischen Januar und September 2026 insgesamt 103 VLCC-Verkäufe. Die Preise legten dabei in allen Altersklassen deutlich zu.
| Alter des Tankers | Wert Juli 2026 (Millionen US-Dollar) | Wert September 2026 (Millionen US-Dollar) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 5 Jahre | 145 | 172 | plus 18,6 Prozent |
| 10 Jahre | 115 | 152 | plus 32 Prozent |
| 15 Jahre | 83,5 | 135 | plus 62 Prozent |
Warum die Straße von Hormus für die Weltwirtschaft so wichtig ist
Wie bedeutend die Meerenge für den globalen Energiehandel ist, zeigen Zahlen der bundeseigenen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI). Demnach passieren die Straße von Hormus täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Mineralölprodukte – mehr als ein Viertel des weltweiten seegestützten Ölhandels und rund ein Fünftel des globalen Flüssiggashandels, überwiegend aus Katar. Der Datenstand ist der 6. März 2026.
Welche Länder ihr Öl über die Meerenge verschiffen
Gemessen am Öltransport führt kein anderer Seeweg eine vergleichbare Menge. Nach GTAI-Daten entfielen im ersten Quartal 2025 auf Saudi-Arabien 37,2 Prozent der über die Meerenge verschifften Ölmengen, auf den Irak 22,8 Prozent, auf die Vereinigten Arabischen Emirate 12,9 Prozent, auf den Iran 10,6 Prozent und auf Kuwait 10,1 Prozent.
Folgen für Tankstellen und Heizkosten in Deutschland
Auch deutsche Verbraucher spüren die Unsicherheit am Golf. Zehn bis 15 Prozent der jährlichen deutschen Rohölimporte passieren laut Weser-Kurier die Straße von Hormus – vor allem Lieferungen aus Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach israelischen Angriffen auf den Iran stiegen Benzin- und Dieselpreise hierzulande nach Angaben der Zeitung binnen 24 Stunden im Schnitt um zwei Cent je Liter; der Bericht datiert vom 4. März 2026. Wie unterschiedlich solche Preisschwankungen Verbraucher treffen können, zeigt auch die Debatte um den Tankrabatt und seine Gewinner und Verlierer.
Energieexpertin Claudia Kemfert warnt: „Wir werden mit steigenden Preisen rechnen müssen an der Tankstelle und auch beim Heizen.“ Ob sich dieser Effekt nach dem jüngsten Angriff wiederholt, lässt sich aus den aktuellen Ölpreisdaten bislang nicht ablesen.
Was der Konflikt für Berater, Versicherer und Anleger bedeutet
Für Versicherer und Rückversicherer, die Kriegsrisiken auf See absichern, wächst mit jedem weiteren Vorfall das Schadenpotenzial. Belastbare aktuelle Zahlen zu den Kriegsrisikoprämien für die Golfregion liegen allerdings nicht vor.
Institutionelle Anleger mit Engagements in Energie-, Schifffahrts- oder Rohstofffonds sollten die Frachtraten dennoch als Frühindikator im Blick behalten. Der Anstieg um mehr als 800 Prozent binnen zwölf Monaten zeigt, wie schnell geopolitische Risiken auf schifffahrtsnahe Anlageklassen durchschlagen – selbst wenn der Ölpreis bislang moderater reagiert.
Berater mit Kunden in Energie- und Rohstoffwerten müssen zugleich mit einer schwer kalkulierbaren Lage rechnen. Die seit April 2026 geltende Waffenruhe hielt nur bis zum 8. Juli 2026, seit Anfang Oktober melden Behörden wieder Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus.














