Ölpreis zieht an: Iran meldet Zerstörung von Tankern in der Straße von Hormus

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Luftaufnahme eines Öltankers, der durch die enge, türkisblaue Straße von Hormus zwischen kargen Küsten fährt.
Bild: KI-generiert
Rund ein Viertel des weltweiten Öl-Seehandels läuft durch die nur gut 50 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman.

Der Ölpreis ist nach einer iranischen Meldung über zerstörte Tanker in der Straße von Hormus wieder gestiegen. Hinzu kommt die Erwartung, dass Washington nach den US-Zwischenwahlen seine Iran-Politik ändern könnte. Was das für Versicherer, Vermittler und Rohstoff-Portfolios bedeutet.

Der Ölpreis ist am Mittwoch, den 4. November 2026, wieder gestiegen. Ein Barrel Brent-Rohöl mit Lieferung im Januar kostete 104,04 US-Dollar - knapp 0,5 Prozent mehr als am Vortag, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtet. Hintergrund sind zum einen eine Mitteilung aus dem Iran, wonach vier Tanker in der Straße von Hormus durch Minen beschädigt worden sein sollen, und zum anderen die Vermutung, dass die US-Regierung ihren Kurs gegenüber Teheran nach den Zwischenwahlen überdenken könnte.

Wie nervös der Markt derzeit reagiert, zeigt der Verlauf der vergangenen Tage. Noch am Dienstag fiel der Brent-Preis zeitweise bis auf rund 100 US-Dollar je Barrel. In der Vorwoche hatte er dagegen fast 117 US-Dollar gekostet.

Iran: Vier Tanker in der Straße von Hormus durch Minen zerstört

Der regierungsnahe Sender Press TV berief sich auf die iranischen Revolutionsgarden und meldete, vier Tankschiffe seien in der Meerenge auf Seeminen gefahren und zerstört worden. Die Schiffe hätten demnach eine Route genutzt, die Teheran nicht genehmigt hatte. Namen der Schiffe, Reedereien oder mögliche Opfer nannte die Quelle nicht.

Eine Bestätigung aus unabhängiger Quelle gibt es dafür bislang nicht - die Angaben beruhen allein auf iranischen Staatsmedien.

US-Zwischenwahlen schüren Spekulationen über einen Kurswechsel

Zeitgleich fanden in den USA die Zwischenwahlen zum Kongress statt. Dabei verloren die Republikaner von Präsident Donald Trump Berichten zufolge ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus - oder waren nah daran.

„The election matters purely as a calendar milestone that may influence the White House’s strategy on Iran“, sagt Pavel Molchanov, Analyst bei Raymond James & Associates.

Rückgang der US-Ölreserven stützt den Brent-Ölpreis

Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Brent-Ölpreis zudem durch die Lagerbestände in den USA. Laut dem Branchenverband American Petroleum Institute (API) gingen die US-Rohölbestände in der Woche bis zum 30. Oktober 2026 um rund 5,3 Millionen Barrel zurück.

Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine vorläufige Schätzung des Verbands; eine offizielle Bestätigung seitens der US-Energiebehörde EIA (Energy Information Administration) lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor. Die jüngsten amtlichen EIA-Daten, die sich auf die Woche bis zum 23. Oktober bezogen, verzeichneten hingegen ein Minus von 1,9 Millionen Barrel auf 410,6 Millionen Barrel - damit lag der Bestand vier Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Ebenfalls rückläufig entwickelte sich die strategische Ölreserve der USA: Laut API verringerte sie sich um 400.000 Barrel auf 282,2 Millionen Barrel.


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DatenquelleZeitraumRohölbestand / VeränderungCharakter der Zahl
EIA (Behörde)Woche bis 23. Oktober 2026410,6 Millionen Barrel (−1,9 Millionen Barrel), vier Prozent unter Fünfjahresschnittbestätigte Behördenzahl
API (Verband)Woche bis 30. Oktober 2026rund −5,3 Millionen Barrelvorläufige Branchenschätzung
API (Verband)Strategische Reserve (SPR), Woche bis 30. Oktober 2026282,2 Millionen Barrel (−400.000 Barrel)vorläufige Branchenschätzung
Quelle: EIA, American Petroleum Institute (API)

Straße von Hormus: Zentrum des Konflikts seit Februar

Die neue Meldung fügt sich in einen Konflikt, der bereits seit dem 28. Februar 2026 schwelt. Damals hatten die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen; bei diesen Luftschlägen kam der oberste iranische Führer Ali Khamenei ums Leben. Als Reaktion darauf sperrte der Iran die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr.

Vor Ausbruch des Konflikts wickelte die Meerenge normalerweise etwa 25 Prozent des weltweiten Öltransports auf See sowie 20 Prozent des globalen Flüssiggashandels ab. Am 8. März 2026 kletterte Brent-Rohöl zum ersten Mal seit vier Jahren über die Schwelle von 100 US-Dollar je Barrel. Im weiteren Verlauf des Konflikts stieg der Preis zeitweise sogar auf bis zu 126 US-Dollar je Barrel.

Versicherungsprämien für Tankerdurchfahrten vervielfacht

Auch die Kosten für die Schifffahrt haben sich durch den Konflikt erhöht. Die Prämien für Kriegsrisikoversicherungen, die Reedereien für die Durchfahrt ihrer Tanker durch die Meerenge zahlen müssen, stiegen Berichten der Schifffahrtsbranche zufolge von etwa 0,25 Prozent des Schiffswerts vor dem Konflikt auf sechs bis zehn Prozent im Oktober 2026. Eine Überprüfung dieser Angaben anhand von Primärquellen war jedoch nicht möglich.

Diplomatische Gespräche und ein gezielter US-Angriff

Zuvor hatte der Iran signalisiert, die Meerenge für einen Zeitraum von zwei Tagen passierbar zu machen, falls die USA im Gegenzug sieben Bedingungen erfüllten, zu denen unter anderem die Rücknahme von Sanktionen zählte. „America’s response to Iran’s rights and demands was not convincing“, sagt dazu der iranische Sicherheitspolitiker Mohsen Rezaei laut Al Jazeera.

Am 3. und 4. November 2026 griffen die USA zudem einen Stützpunkt der iranischen Revolutionsgarden auf der nahe der Meerenge gelegenen Insel Gheschm an. Präsident Trump bestätigte den Angriff und stufte ihn als begrenzte Maßnahme ein, nicht als Kriegsakt.

Was der Ölpreis für Berater und Anleger bedeutet

Für Vermittler und Vermögensverwalter spielt diese Entwicklung aus zwei Gründen eine Rolle. Zum einen belasten die gestiegenen Kriegsrisikoprämien Fracht- und Energiekosten sowie die Rückversicherungsmärkte. Zum anderen offenbart die Reaktion des Marktes auf die US-Zwischenwahlen, wie stark politische Börsenzyklen kurzfristig die geopolitischen Risikoaufschläge beim Ölpreis überlagern können - ein Muster, das für Portfolios mit Energie- und Rohstoffanteil von Bedeutung ist.

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