Oldtimer: Herzblut statt Wertanlage

VW Bulli aus dem Jahr 1966
Foto: Jörg Droste, Cash/Autostadt Wolfsburg
Sieht gut aus und ist alles andere als ein Schnäppchen: Der VW Bulli T1 aus dem Jahr 1966

Klassische Automobile dienen selten als Wertanlage, Oldtimer-Besitzer sind überwiegend Traditionalisten, die Jüngsten fahren die Ältesten und gerade sie stehen neuen Technologien skeptisch gegenüber. Und dann wäre da noch die Frage der Absicherung. Eine Hiscox-Studie unter 2.000 Oldtimer-Besitzern bringt spannende Erkenntnisse.

Anstatt frischen Wind in die Szene zu bringen und ihr klassisches Hobby mit moderner Technologie zu kombinieren, wendet sich die jüngste Generation von Oldtimer-Enthusiasten im Alter von 18 bis 29 Jahren verstärkt dem Traditionellen zu. Heißt: Keine Altersgruppe besitzt mehr Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 1950 (12,7 %). Zudem haben die jüngsten Oldtimer-Besitzer den geringsten Anteil (21,4 %) an Klassikern, die nach 1990 gebaut wurden.

Hingegen besitzen ein Viertel der Oldtimer-Fans über 65 Fahrzeuge aus den Baujahren 1990 bis 1993. Im Vergleich dazu liegt der Anteil bei den 30- bis 39-Jährigen mit 44 Prozent wesentlich höher.


Das könnte Sie auch interessieren:

Spannend: Die Anschaffung eines klassischen Fahrzeuges dient gerade einmal 15 Prozent als Wertanlage. Stattdessen werden diese Automobile vor allem aus emotionalen Gründen gekauft: 44,5 Prozent der Befragten haben Oldtimer aufgrund ihrer emotionalen Bedeutung ausgewählt, 31 Prozent wegen des Designs und 23 Prozent wegen der historischen Bedeutung des Autos.

Ein Oldtimer fahren bedeutet immer auch Emotionen ausleben. Je älter das Modell, desto größer die Begeisterung. Und auch in diesem Punkt hebt sich die jüngere Generation erneut von den anderen ab, ihnen ist die emotionale Bedeutung (53,8 %) und das Design (46,5 %) wichtiger sind als älteren Oldtimer-Besitzern. Die Anschaffung eines Oldtimers sei somit für die allermeisten keine rationale Entscheidung zur Geldanlage, sondern ein Hobby mit hohem emotionalem Wert, lautet eine weitere Schlussfolgerung der Hiscox-Studie.

Hobby mit hohem emotionalen Wert

Oldtimer-Fans sind überwiegend Traditionalisten, eine Umrüstung ihrer Autos sowohl aus technischen als auch aus optischen Gründen wird von drei Viertel der Befragten (74,7%) abgeleht. Auch bei diesem Aspekt könne man die 18- bis 29-Jährigen als „Hardliner“ mit 92,3 Prozent Ablehnung bezeichnen, so Hiscox.

Überraschend ist, dass in der Altersgruppe der Gen Z selbst eine erhöhte Umweltfreundlichkeit kein Anreiz für eine Umrüstung ist (0,4 %). Vorreiter sind hier die Oldtimer-Besitzer über 65 Jahren: Hier sind knapp zwölf Prozent bereit, aus Gründen des Umweltschutzes auf alternative Antriebe umzurüsten.

Der starke Traditionsaspekt bedingt auch, dass mehr als die Hälfte (51,4 %) alternative Kraftstoffe wie E-Fuels für ihren Oldtimer ablehnt. Doch immerhin ein Viertel (27,8 %) steht dem Thema positiv gegenüber.

Krisenzeiten zeigen Wirkung

Eine weitere Erkenntnis: Krisenzeiten gehen auch an den Oldtimer-Enthusiasten nicht spurlos vorbei. Die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie steigende Kosten für Kraftstoff und Instandhaltung machen den Oldtimer zum teuren Hobby. Trotzdem nutzen 51,4 Prozent ihre Oldtimer nicht anders oder nicht seltener als zuvor. Nur 14,5 Prozent fahren ihren Oldtimer weniger. Jeder Zehnt nutzt lässt seinen Oldtimer in der Garage oder unter der Abdeckplane.

Für die Zukunft erwarten viele, dass der Besitz und Erhalt noch teurer (36,1 %) und die gesetzlichen Anforderungen verschärft werden (31,8 %). In der Konsequenz planen nur 13,6 Prozent den Kauf eines weiteren Oldtimers.

Ein Viertel geht außerdem davon aus, dass der Sonderstatus etwa bei der Umweltzone verloren geht. Trotzdem aber blickt die Community positiv in die Zukunft und erwartet, dass Oldtimer weiter im Wert steigen (40,1 %).

Weniger als die Hälfte besitzt Oldtimer-Versicherung

Natürlich hat der Spezialversicherer auch abgefragt, wie es die Oldtimer-Besitzer mit der Absicherung ihrer Klassiker halten. 55,4 Prozent haben eine Standard-Kfz-Versicherung für ihren Oldtimer abgeschlossen und nur 41,9 Prozent eine spezielle Oldtimer-Versicherung. Versichert ist bei mehr als einem Drittel das Fahrzeug dort, wo auch das moderne Kfz abgeschlossen ist.

Nach Aussage von Alina Sucker-Kastl, Underwriting Manager Art & Private Clients bei Hiscox sind spezielle Oldtimer-Versicherungen nicht nur wegen der spezifischen Risikoabsicherung die bessere Wahl, zudem seien sie ofmals auch preislich günstiger.

So sind bei Spezialversicherern etwa Ersatzteile und Zubehör mitversichert. Darüber hinaus können Besitzer entscheiden, ob sie den Markt-, Wiederbeschaffungs- oder Wiederherstellungswert absichern wollen. Und anders als bei einer klassischen Kfz-Versicherung spielen in guten Oldtimer-Tarifen Typ- und Regionalklassen oder Schadenfreiheitsrabatte keine Rolle.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments