Platinmarkt 2026: Viertes Defizit in Folge – und die Vorräte schwinden weiter

Platinbarren
Foto: stock.Adobe.com/Maksym Yemelyanov
Platin verzeichnet 2026 das vierte Defizit in Folge. Angebot, Nachfrage und Investmenttrends im Überblick laut WPIC Quarterly Q1 2026.

Der Platinmarkt steuert 2026 auf sein viertes Jahresdefizit in Folge zu – die oberirdischen Lagerbestände schrumpfen auf eine Reichweite von weniger als drei Monaten. Gleichzeitig zieht die Nachfrage nach Barren und Münzen auf ein Sechsjahreshoch an. Wie robust sind die Fundamentaldaten wirklich?

Der World Platinum Investment Council (WPIC) hat sein Platinum Quarterly für das erste Quartal 2026 veröffentlicht und die Jahresprognose aktualisiert. Das Ergebnis: Für 2026 wird erneut ein Angebotsdefizit von 297 koz erwartet – 57 koz mehr als in der vorherigen Schätzung. Es wäre das vierte Jahresdefizit in Folge.

Das Gesamtangebot dürfte im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 7.377 koz steigen, getragen vom Recyclingwachstum. Das Minenangebot hingegen bleibt mit erwarteten 5.551 koz weitgehend unverändert, da moderate Zuwächse in Südafrika durch Rückgänge in anderen Regionen ausgeglichen werden. Die Gesamtnachfrage wird voraussichtlich um neun Prozent auf 7.674 koz sinken – hauptsächlich weil die erheblichen ETF- und Börsenzuflüsse aus dem Vorjahr ausbleiben.


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Die oberirdischen Lagerbestände werden bis Ende 2026 voraussichtlich auf 1.747 koz fallen. Das entspricht einer globalen Nachfragedeckung von weniger als drei Monaten.

Starkes erstes Quartal beim Angebot, schwache Nachfrage

Das erste Quartal 2026 verlief auf der Angebotsseite ungewöhnlich stark: Das Minenangebot stieg im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 1.320 koz, begünstigt durch ein besonders schwaches Vergleichsquartal 2025 sowie durch vorgezogene Wartungsarbeiten. Das Recycling wuchs um sieben Prozent auf 416 koz, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Höhere Preise sorgen zwar dafür, dass mehr verbrauchte Katalysatoren gesammelt werden – doch der Anteil rückgewinnbarer Platingruppenmetalle je Katalysator ist gegenüber früheren Jahren gesunken und dämpft den Effekt.

Auf der Nachfrageseite ergab sich im ersten Quartal ein Überschuss von 268 koz. Die Gesamtnachfrage ging um 31 Prozent zurück, maßgeblich bedingt durch Abflüsse aus ETFs und Börsenbeständen von zusammen 374 koz. Da sich diese Faktoren im Jahresverlauf voraussichtlich abschwächen, erwartet der WPIC für das Gesamtjahr dennoch ein deutliches Defizit.

Beim Recycling bestehen weiterhin Abwärtsrisiken: Viele Unternehmen kämpfen aufgrund der gestiegenen Edelmetallpreise mit Engpässen beim Betriebskapital, was die Kapazitäten begrenzt.

Automobilnachfrage stabil, Schmuck unter Druck

Die Nachfrage im Automobilsektor geht für das Gesamtjahr 2026 um zwei Prozent auf 2.959 koz zurück. Ein prognostizierter Rückgang von acht Prozent bei reinen Verbrennungsfahrzeugen im Leichtfahrzeugsegment wird durch ein Plus von zwölf Prozent bei Hybridfahrzeugen weitgehend ausgeglichen. Zusätzliche Impulse kommen aus dem Segment schwerer Nutzfahrzeuge in den USA und Indien. Gegenwind liefern die makroökonomische Unsicherheit sowie Sorgen vor einem erneuten Ölpreisschock infolge der Lage im Nahen Osten.

Deutlich schwächer entwickelt sich die Schmucknachfrage. Für 2026 wird ein Rückgang von zwölf Prozent auf 1.958 koz erwartet. Besonders ausgeprägt ist der Einbruch in China mit minus 43 Prozent – ausgelöst durch höhere Platinpreise, schwächere Verbraucherstimmung, Lagerabbau in der Lieferkette und den Wegfall eines Mehrwertsteuerrabatts von 13 Prozent für über die Shanghai Gold Exchange geliefertes Platin seit November 2025. Wachstum in Europa, das voraussichtlich einen neuen Rekordwert erreicht, und ein Plus von fünf Prozent in Indien können die Rückgänge in den USA, Japan und China nicht kompensieren.

Die industrielle Nachfrage entwickelt sich dagegen positiv: Ein Anstieg von neun Prozent auf 2.238 koz wird erwartet, getragen vom Glassektor, der um 83 Prozent auf 377 koz zulegt. Hintergrund sind Kapazitätserweiterungen, die nach einer längeren Pause wieder aufgenommen wurden. Lediglich der Erdölsektor schwächelt – die Prognose wurde um 22 koz auf 132 koz gesenkt, um Störungsrisiken durch den Nahostkonflikt einzupreisen.

Barren und Münzen auf Sechsjahreshoch

Während ETF- und Börsenzuflüsse für 2026 Nettoabflüsse von je 100 koz erwarten lassen, entwickelt sich die physische Investmentnachfrage gegenläufig. Die Nachfrage nach Barren und Münzen soll um 27 Prozent auf 718 koz steigen – der höchste Wert seit sechs Jahren. Als Treiber gelten die als günstig eingestuften Angebots- und Nachfragefundamentaldaten, die wertorientierte Investoren in mehreren Regionen anziehen.

Trevor Raymond, CEO des WPIC, sagt dazu: „Die positive Preisentwicklung von Platin im Jahr 2025 und das robuste Niveau im Jahr 2026 haben die weltweite Aufmerksamkeit auf sein Investitionspotenzial deutlich erhöht. Eine weitaus breitere Gruppe von Investoren berücksichtigt nun aktiv die wertvollen Eigenschaften von Platin sowie die überzeugenden Angebots- und Nachfragegrundlagen, wie die ETF-Nachfrage im Jahr 2025 und die für dieses Jahr erwartete Stärke im Barren- und Münzbereich unterstreichen.“

Raymond ergänzt zur Gesamtlage: „Die Fundamentaldaten von Platin bleiben für Investoren attraktiv. Der Markt ist weiterhin unterversorgt, und trotz geopolitischen Gegenwinds im Nahen Osten ist die Nachfrage nach Platin gut geschützt. Die bevorstehenden Emissionsvorschriften wirken sich positiv auf die Nachfrage im Automobilsektor aus, während ein erneuter Fokus auf regionale Energiesicherheit das Interesse an Wasserstofftechnologien, einem längerfristigen Nachfragebeschleuniger, neu entfacht. Wir sehen auch, dass Platin bereits eine entscheidende Rolle in vielen Technologien spielt, die dem Ausbau der KI-Infrastruktur zugrunde liegen – von der optischen Kommunikation bis zur Datenspeicherung.“

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