Die Diskussion um Risiken im Markt für Private Debt hat in den vergangenen Monaten deutlich an Intensität gewonnen. Berichte über Kreditausfälle in den USA, Kursverluste bei börsennotierten Vehikeln und Unsicherheiten im Technologiesektor prägen das Bild. Damit rücken Fragen zur Stabilität und Transparenz der Anlageklasse stärker in den Fokus.
Eugenio Sangermano, Geschäftsführer des Investmentmanagers BF Capital, der auf institutionelle Private-Debt-Investments mit einem Fokus auf Real Estate Direct Lending sowie Multi-Segment-Private-Debt-Strategien spezialisiert ist, sieht die aktuelle Berichterstattung jedoch kritisch: „Die aktuell häufig negativ geprägte Berichterstattung ist in vielen Fällen zu undifferenziert und kann ein verzerrtes Bild der Assetklasse vermitteln“.
Aus seiner Sicht liegen die Ursachen vieler Spannungen weniger in der Qualität der Finanzierungen selbst als in strukturellen Besonderheiten einzelner Produkte. Vor allem dort, wo illiquide Assets auf liquide Fondsstrukturen und kurzfristig orientierte Anleger treffen, entstehen Dynamiken, die eher an Aktienmärkte erinnern als an langfristig ausgerichtete Private-Debt-Investments.
Unterschiede zwischen Marktsegmenten entscheidend
Ein Großteil der Kritik bezieht sich laut Sangermano auf spezifische Marktsegmente wie börsennotierte Business Development Companies in den USA. Diese seien nur eingeschränkt mit klassischen Private-Debt-Fonds vergleichbar, wie sie in europäischen Portfolios üblich sind.
Als Beispiel nennt er die Entwicklung bei BlackRock TCP Capital Corp., die zuletzt einen Rückgang des Nettoinventarwerts und Einschränkungen bei Auszahlungen meldete. „Der Fall zeigt vor allem strukturelle Besonderheiten des BDC-Modells: höherer Leverage auf Fondsebene, börsliche Handelbarkeit mit entsprechend volatilen Kursreaktionen sowie eine stärkere Abhängigkeit von stabilen laufenden Erträgen zur Dividendenfinanzierung“.
Demgegenüber seien klassische Private-Debt-Fonds konservativer aufgestellt, oft ohne Fremdkapital auf Fondsebene, mit langfristig gebundenem Kapital und stabileren Zahlungsströmen aus Zinsen und Tilgungen.
Technologie und KI: Risiko differenziert bewerten
Auch die Debatte um Risiken im Technologie- und Softwaresektor greift aus Sicht von BF Capital zu kurz. Sangermano betont: „Tatsächlich sind Private-Equity-Investoren aufgrund der Bewertungsabhängigkeit ihrer Portfolios deutlich stärker von möglichen Wertkorrekturen betroffen“. Private-Debt-Fonds hingegen vergeben meist kürzer laufende Kredite mit klaren Vertragsbedingungen und vorrangiger Stellung in der Kapitalstruktur. Diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit stabiler Rückflüsse.
Dr. Markus Faulhaber, Senior Strategic Advisor der BF-Gruppe, verweist zudem auf Chancen durch technologische Entwicklungen: „Technologische Transformation kann auch neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen“. Der steigende Investitionsbedarf in Automatisierung und Dateninfrastruktur eröffne zusätzliche Einsatzfelder für Private Debt.
Wachstum durch Regulierung – keine systemische Blase
Die Diskussion über eine mögliche Überhitzung der Assetklasse ordnet Sangermano ebenfalls ein: „Grundsätzlich gilt: Das Wachstum von Private Debt ist in erster Linie eine Folge verschärfter Bankenregulierung nach der Finanzkrise“. Während Banken sich aus Teilen des Kreditgeschäfts zurückgezogen haben, füllen Private-Debt-Fonds diese Lücke. Gleichzeitig habe die Regulierung zugenommen, etwa durch AIFMD II oder ELTIF 2.0, was die Transparenz erhöht.
Faulhaber sieht die zentralen Risiken daher weniger auf Systemebene als im Management einzelner Strategien: „Private Debt erfordert ausgeprägtes Sektor-Know-how, stringente Underwriting-Disziplin und aktives Portfolio-Management“. Entscheidend seien Erfahrung, sorgfältige Strukturierung und belastbare Kreditvereinbarungen.








