Ein Abschlag ist nicht die Investmentthese: Käufer am Sekundärmarkt erwerben Fondsanteile von bestehenden Investoren häufig unterhalb des zuletzt ausgewiesenen Nettoinventarwerts. Diese Differenz - der Abschlag auf den zuletzt ausgewiesenen NAV - wird oftmals als irreführende Kurzformel dafür herangezogen, wie Secondaries Renditen erzielen.
Doch der Discount ist zunächst ein Merkmal der Transaktion und nicht die Investmentthese dahinter. Er entspricht dem Preis, den ein Verkäufer akzeptiert, um eine illiquide Position in Liquidität umzuwandeln. Für sich genommen sagt er deshalb wenig darüber aus, welchen intrinsischen Wert die zugrunde liegenden Assets haben oder wie sie sich künftig entwickeln werden.
Verkäufer entscheiden sich häufig aus Gründen für eine Transaktion, die nicht unmittelbar mit der Qualität der Assets zusammenhängen. Beispielsweise benötigen sie Liquidität oder ihr Portfolio ist im Zeitverlauf stärker in Private Markets investiert als ursprünglich vorgesehen. Der Abschlag kompensiert den Käufer dafür, in diesem Moment Liquidität bereitzustellen.
Entsprechend werden auch qualitativ hochwertige Assets regelmäßig unterhalb ihres NAV gehandelt. Im Jahr 2025 wechselten LP-Portfolios im Durchschnitt zu 87 Prozent ihres NAV den Besitzer. Das entspricht einem durchschnittlichen Abschlag von rund 13 Prozent.
Höhere Abschläge bedeuten häufig auch höhere Unsicherheit
Wie hoch ein Discount ausfällt, hängt wesentlich davon ab, welche Unsicherheit ein Käufer übernimmt. So dürfte beispielsweise ein älterer Fonds in einer späten Phase seiner Laufzeit, der Beteiligungen in schwerer bewertbaren Marktsegmenten hält, einen höheren Abschlag aufweisen als ein jüngerer, stärker diversifizierter Fonds, bei dem größere Transparenz über die zugrunde liegenden Assets besteht.
Auch das Marktumfeld spielt eine Rolle. Da Verkäufer häufig durch ihren eigenen Liquiditätsbedarf zu einer Transaktion veranlasst werden, können sich Abschläge in Phasen von Marktverwerfungen ausweiten. Wenn gleichzeitig mehr Investoren verkaufen wollen, können Käufer eine höhere Kompensation dafür verlangen, Liquidität bereitzustellen.
Die größten Discounts treten deshalb häufig gerade in solchen Marktphasen auf. Ein hoher Abschlag ist somit nicht automatisch ein Hinweis auf ein besonders attraktives Investment. Er kann ebenso Ausdruck der höheren Unsicherheit sein, die der Käufer übernimmt.
Qualität ist wichtiger als der Einstiegspreis
Wäre ein möglichst niedriger Einstiegspreis der zentrale Renditetreiber von Secondaries, müssten Transaktionen mit den höchsten Abschlägen tendenziell auch die besten Ergebnisse erzielen. Historische Daten aus dem HarbourVest Secondary-Portfolio zeigen jedoch ein anderes Bild. Unabhängig davon, ob Assets mit einem Abschlag von 20 Prozent, einem Abschlag von fünf Prozent oder sogar mit einem Aufschlag auf den NAV erworben wurden, waren die Renditen über unterschiedliche Einstiegspreise hinweg vergleichbar.
Entscheidend ist deshalb weniger die Höhe des Discounts als die Qualität der Assets, die zu diesem Preis erworben werden. Im Fokus stehen etablierte Portfolios, die bereits einen Teil ihres Wertschöpfungszyklus durchlaufen haben und bei denen sich Risiken bereits reduziert haben.
Ein Abschlag kann beim Einstieg einen gewissen Puffer schaffen. Die eigentliche Rendite entsteht jedoch durch die Entwicklung der zugrunde liegenden Assets nach dem Erwerb. Das zeigt sich auch in den historischen Ergebnissen: Rund 85 Prozent der Gewinne aus dem HarbourVest Private-Equity-Secondary-Portfolio entfielen auf die Wertsteigerung der zugrunde liegenden Assets nach dem Kauf und nicht auf den Preis, zu dem sie erworben wurden.
Secondaries sind mehr als eine Discount-Strategie
Abschläge bleiben ein wichtiger Bestandteil von Secondary-Transaktionen. Sie sind jedoch nur ein Teil der Gleichung. Entscheidender ist, was mit den Assets nach dem Kauf geschieht. Der Fokus verschiebt sich damit von der Frage, wie groß der Abschlag ist, hin zu der Frage, welche Qualität zu diesem Preis erworben wird und wie sich die zugrunde liegenden Assets anschließend entwickeln.
HarbourVest ist nach eigenen Angaben ein unabhängiges, weltweit tätiges Unternehmen im Bereich Private Markets mit über 44 Jahren Erfahrung und einem verwalteten Vermögen von 164,5 Milliarden US-Dollar (Stand: 31. März 2026).












