Der Bericht „Deutscher Startup Monitor“ dokumentiert für die deutsche Gründerszene in diesem Jahr einen Höchststand. Bis Ende September 2026 sind zehn neue Milliarden-Start-ups entstanden, so viele wie seit 2021 nicht mehr. Insgesamt zählt der Startup-Verband damit 39 sogenannte Unicorns, also Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro. Die Erhebung stellte der Verband in Berlin vor, sie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Vor allem der Boom um Künstliche Intelligenz und steigende Investitionen in Rüstungsfirmen treiben diese Entwicklung.
„Deutscher Startup Monitor“ zeigt Rekord bei Wagniskapital
Auch beim eingesammelten Kapital markiert der Bericht „Deutscher Startup Monitor“ einen Höchstwert. Bis Ende September 2026 flossen rund acht Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups. Im kompletten Vorjahr waren es etwa 7,5 Milliarden Euro. Für die Erhebung befragte der Startup-Verband rund 1.800 Wachstumsunternehmen. Den Report legt der Verband seit 2013 jährlich vor.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Neue Unicorns 2026 (bis Ende September) | 10 |
| Unicorns insgesamt | 39 |
| Wagniskapital 2026 (bis Ende September) | rund 8 Milliarden Euro |
| Wagniskapital Vorjahr (gesamt) | rund 7,5 Milliarden Euro |
| Start-ups mit KI im Produktkern | 53 Prozent |
| Präferenz Börsengang USA | 62 Prozent |
KI-Boom und Rüstungsindustrie treiben neue Unicorns
Zur etablierten Spitzengruppe der deutschen Einhörner gehören unter anderem der Neobroker Trade Republic, die Mobile-Bank N26 sowie der Softwareanbieter Personio. Neu aufgestiegen sind in diesem Jahr unter anderem die Softwarefirma Osapiens, der Robotik-Anbieter Neura Robotics und die Rüstungsfirma Stark Defense. Zusätzlichen Schub bringt das Interesse an Verteidigungstechnologie. Rüstungsfirmen wie Quantum Systems und Helsing werben derzeit hohe Summen bei Investoren ein, ein Trend, der sich auch an der Börse zeigt, wie die rasante Kursentwicklung bei Rheinmetall oder diese Rüstungsaktien im Zuge der Deep-Strike-Aufrüstung verdeutlichen.
Parallel dazu wächst der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Gründerszene. Bei mehr als der Hälfte, konkret 53 Prozent der befragten Jungunternehmen, bildet die Technologie den Kern des eigenen Angebots. 2024 lag dieser Anteil erst bei 39 Prozent. Zugleich senkt KI die Hürden für Neugründungen deutlich. Wie stark der KI-Boom mittlerweile auch etablierte Konzerne prägt, zeigt Siemens-Chef Roland Busch im Interview zur langfristigen Wirkung der Künstlichen Intelligenz. „Deutschland gründet wieder – in der Breite und auf einer starken technologischen Basis“, sagt Verena Pausder, Vorstandschefin des Startup-Verbands.
Kapital fehlt für den Sprung an die Weltspitze
Der Bericht „Deutscher Startup Monitor“ macht allerdings auch Schwächen sichtbar. Das frische Kapital verteilt sich zunehmend ungleich und konzentriert sich stärker auf wenige große Runden. In der Breite fällt der Rückgang deutlicher aus. Die Zahl der Finanzierungsrunden liegt derzeit rund ein Viertel unter dem Stand von 2021.
89 Prozent der Gründerinnen und Gründer wünschen sich laut Umfrage entsprechend mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa. Nach Einschätzung von Pausder reicht das verfügbare Kapital für den Sprung an die Weltspitze bislang nicht aus. Sie fordert von der Bundesregierung, die eigene Start-up-Strategie endlich umzusetzen und Finanzierungen zu erleichtern. Außerdem sollte die neue Rechtsform EU Inc. Firmengründungen innerhalb der Europäischen Union erleichtern.
Börsengang: Mehrheit der Start-ups plant den Weg in die USA
Auch beim Thema Börsengang zeigt sich eine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. 62 Prozent der befragten Start-ups bevorzugen dafür die USA. Nur 27 Prozent würden einen Börsengang in Deutschland anstreben. Ähnlich sieht es bei digitalen Technologien aus. 64 Prozent der Firmen setzen überwiegend oder ausschließlich auf US-Anbieter – mangels passender europäischer Alternativen. Während deutsche Start-ups noch zögern, entwickeln sich anderswo bereits eigenständige KI-Ökosysteme, etwa wenn man Chinas KI-Markt und die dortigen Chancen für Anleger betrachtet.
Hochschulen als Rückgrat des Gründungsökosystems
Eine Stärke, die der Bericht „Deutscher Startup Monitor“ hervorhebt, liegt in der engen Verbindung zu Hochschulen. Forschungseinrichtungen unterstützen jedes zweite Start-up, konkret 51 Prozent. Bei 59 Prozent der Firmen basiert das Produkt unmittelbar auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Hochschulen sind die wichtigste Säule im Ökosystem“, so Alexander Hirschfeld, der beim Startup-Verband für den Bereich Research zuständig ist. „Gemessen an der Qualität der deutschen Forschungslandschaft gründen daraus aber immer noch viel zu wenige.“
Fachkräftemangel verliert an Bedeutung
Der Fachkräftemangel bereitet den Gründerinnen und Gründern inzwischen weniger Sorgen als früher. Nur 15 Prozent sehen ihn aktuell als große Hürde, vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent. Wachsen wollen die Unternehmen weiterhin: 83 Prozent der Start-ups planen, binnen zwölf Monaten neue Mitarbeiter einzustellen. (auf Basis dpa)










