Munich Private Equity hat eine Langzeitauswertung ihrer Kundendaten aus den Jahren 2000 bis 2025 vorgelegt. Erfasst hat das Unternehmen mehr als 80.000 Anlegerinnen und Anleger mit über 160.000 Beteiligungsverträgen.
Moderate Zeichnungssummen statt weniger Großanleger
Erstanleger investierten im Schnitt 13.885 Euro. Der Median lag mit 10.000 Euro spürbar niedriger, weil einzelne hohe Zeichnungen den Mittelwert nach oben ziehen. Rund neun von zehn Erstzeichnern blieben unterhalb von 25.000 Euro, lediglich vier Prozent zeichneten mehr als 50.000 Euro. Am häufigsten entschieden sich Anleger zudem für genau 10.000 Euro - diesen Betrag wählte etwa jeder Siebte.
Auch beim Gesamtvolumen zeigt sich keine Dominanz weniger Großanleger. Die obersten zehn Prozent der Anlegerschaft stehen für rund 36 Prozent des insgesamt gezeichneten Kapitals. Fast die Hälfte der Kunden blieb zudem nicht bei einer einzigen Beteiligung. 32 Prozent schlossen einen zweiten Vertrag ab, 16 Prozent drei oder mehr.
Jüngere Anleger und steigender Frauenanteil prägen das Bild
Bei der Altersstruktur widerlegen die Zahlen gängige Annahmen über die typische Private-Equity-Klientel. Rund 44 Prozent der Anlegerinnen und Anleger waren beim Einstieg jünger als 40 Jahre. Größte Gruppe sind mit 30 Prozent die 40- bis 49-Jährigen. Das Durchschnittsalter blieb über den gesamten Zeitraum mit 41 Jahren nahezu konstant. Mit dem Alter steigt die investierte Summe allerdings spürbar. Unter 30-Jährige zeichneten rund 10.200 Euro, Anleger ab 60 Jahren etwa 19.700 Euro.
Noch deutlicher veränderte sich der Frauenanteil. Zu Beginn der 2000er-Jahre lag er bei rund 27 Prozent. 2017 erreichte er mit 50,8 Prozent kurzzeitig die knappe Mehrheit, 2025 betrug er noch 44 Prozent. Zum Vergleich: Unter Aktienanlegern in Deutschland lag der Frauenanteil 2025 laut dem Deutschen Aktieninstitut bei 38 Prozent. Bei den Zeichnungssummen unterscheiden sich die Geschlechter hingegen kaum. Frauen investierten im Schnitt rund fünf Prozent weniger als Männer.
| Altersgruppe | Durchschnittliche Zeichnungssumme |
|---|---|
| Unter 30 Jahre | 10.162 Euro |
| 30 bis 39 Jahre | 12.064 Euro |
| 40 bis 49 Jahre | 13.855 Euro |
| 50 bis 59 Jahre | 16.901 Euro |
| Ab 60 Jahre | 19.739 Euro |
Private Equity für Privatanleger schon lange vor ELTIF 2.0
Aufmerksamkeit erhielt die Anlageklasse zuletzt vor allem durch die Regulierung. Seit Inkrafttreten des überarbeiteten ELTIF-Regimes Anfang 2024 registrierte die EU-Wertpapieraufsicht ESMA einen deutlichen Produktschub. Ein Großteil der vielen neuen Publikumsfonds investiert in Private Equity, teilweise ohne Mindestinvestition.
Munich Private Equity bietet Privatanlegern nach eigenen Angaben bereits seit 1999 Zugang zu institutionellen Private-Equity-Fonds. Die Vermittlung läuft ausschließlich über Finanzberater und über breit gestreute Dachfondslösungen. Das ausgewertete Volumen summiert sich nach Unternehmensangaben auf mehr als 2,4 Milliarden Euro.
„Nicht erst mit ELTIF 2.0“ - Lemke ordnet die Zahlen ein
„Private Equity für Privatanleger begann nicht erst mit ELTIF 2.0. Unsere Daten zeigen: Die Anlageklasse wird bereits seit vielen Jahren über alle Altersgruppen hinweg und mit moderaten Beträgen genutzt“, sagt Norman Lemke, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Munich Private Equity. Die breite und ausgewogene Anlegerbasis führt er auf den Vertriebsweg zurück. Entscheidend seien qualifizierte Finanzberatung und diversifizierte Dachfonds, nicht eine möglichst niedrige Mindestanlagesumme. Zur Debatte um den Zugang gehört für ihn deshalb eine weitere Frage: Wie nutzen Privatanleger die Anlageklasse langfristig sinnvoll?
Steigende Durchschnittssummen, stabiler Median
Über die Zeit hat sich vor allem der Durchschnittsbetrag verändert, weniger der von der Mehrheit gewählte Betrag. Nach der Finanzkrise sank die durchschnittliche Zeichnung 2009 auf einen Tiefpunkt von rund 10.200 Euro. Bis 2025 stieg sie auf etwa 18.300 Euro - ein Plus von knapp 80 Prozent. Der Median dagegen liegt seit rund zehn Jahren weitgehend unverändert bei 10.000 Euro. Größere Einzelzeichnungen sind demnach häufiger geworden, der typische Anlagebetrag ist jedoch derselbe geblieben.
Ausblick: Niedrigere Einstiegshürden, höherer Beratungsbedarf
Für die kommenden Jahre rechnet Lemke nicht mit einer grundlegend neuen Zusammensetzung der Anlegerschaft. Er erwartet jedoch, dass deutlich mehr Private-Equity-Kleinanleger früher als bisher mit der Anlageklasse in Kontakt kommen. Dazu könnten digitale Vertriebswege, Neobroker-Angebote und Einstiegssummen von teilweise nur einem Euro beitragen. Je niedrigschwelliger der Zugang zu Private Equity für Privatanleger wird, desto wichtiger werde es, Anlagehorizont und Rolle als Portfoliobaustein klar zu vermitteln.














