Reform der privaten Altersvorsorge: GDV drängt auf faire Wettbewerbsregeln

Jörg Asmussen, GDV, Hauptgeschäftsführer
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Jörg Asmussen, GDV: "Wenn Versicherer das gleiche Produkt nur mit Beratung anbieten dürfen, während Neobroker nicht beraten müssen, entsteht kein fairer Wettbewerb."

ast 25 Jahre nach Einführung der Riester-Rente steht die geförderte private Altersvorsorge vor einem grundlegenden Umbau. In der vergangenen Woche hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz erstmals beraten. Die Branche begrüßt die Stoßrichtung, sieht aber Nachbesserungsbedarf.

In der vergangenen Woche hat der Deutsche Bundestag in erster Lesung über die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge beraten. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, die Vorsorgeprodukte einfacher, renditestärker und attraktiver auszugestalten. Damit reagiert die Politik auf anhaltende Kritik an der Riester-Rente und auf veränderte Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten.

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, begrüßt die Initiative grundsätzlich. „Der Gesetzentwurf zur Reform der privaten Altersvorsorge ist überfällig und geht in die richtige Richtung. Im besten Fall sorgt er dafür, dass Menschen mit weniger Bürokratie und klaren digitalen Angeboten einfacher vorsorgen können, dabei bessere Renditechancen am Kapitalmarkt nutzen und am Ende des Erwerbslebens spürbar mehr Rente zur Verfügung haben“, sagt Asmussen.


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Die Reform soll das Verhältnis von Sicherheit und Renditechance neu austarieren. Künftig sollen unterschiedliche Garantievarianten möglich sein. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt stärker hin zu chancenorientierten Kapitalanlagen. Aus Sicht des GDV bleibt der gesetzliche Rahmen jedoch zu eng.

Flexiblere Garantien und fairer Wettbewerb

Asmussen fordert mehr individuelle Spielräume. „Garantien sollten nicht in starren Kategorien vorgegeben werden. Wer vorsorgt, sollte selbst entscheiden können, wie viel Sicherheit und wie viel Renditechance zur eigenen Lebenssituation passt. Denn wer noch 30 Jahre bis zur Rente hat, braucht andere Spielräume als jemand, der in fünf Jahren in den Ruhestand geht“, sagt Asmussen. Starre Garantievorgaben begrenzen insbesondere bei langen Laufzeiten unnötig die Ertragschancen.

Geplant ist zudem ein einfaches, kostengünstiges und digital abschließbares Standardprodukt. Während Versicherer dabei weiterhin umfassenden Beratungspflichten unterliegen, dürfen andere Anbieter vergleichbare Produkte ohne Beratung vertreiben. Der GDV sieht darin ein Ungleichgewicht.

„Wenn Versicherer das gleiche Produkt nur mit Beratung anbieten dürfen, während Neobroker nicht beraten müssen, entsteht kein fairer Wettbewerb“, so Asmussen. Ziel der Reform müsse es sein, Kosten zu senken und den Zugang zur privaten Vorsorge zu erleichtern. Das gelinge nur, wenn vergleichbare Produkte auch unter vergleichbaren Rahmenbedingungen angeboten werden können.

Wechselrecht und Schutz bestehender Verträge

Für bestehende Riester-Verträge sieht der Gesetzentwurf Bestandsschutz vor. Millionen Sparer behalten ihre Ansprüche, ein Wechsel ist nicht verpflichtend. Allerdings soll ein unwiderrufliches Wechselrecht in das neue Fördersystem eingeführt werden.

Ein solcher Schritt kann für jüngere Sparer mit langer Laufzeit sinnvoll sein, insbesondere wenn sie stärker auf Kapitalmarkterträge setzen wollen. Kurz vor Rentenbeginn kann ein Wechsel dagegen Nachteile bringen, da die neuen Produkte einen Renteneintritt erst mit 65 Jahren vorsehen statt wie bisher mit 62.

„Bestehende Verträge sind kein Problem. Problematisch wäre es, sie schlecht zu reden oder Wechselentscheidungen zu begünstigen, die sich später als Fehler erweisen“, betont Asmussen. „Ein Wechsel ist nicht immer sinnvoll, sondern immer eine individuelle Entscheidung.“ Automatische oder unwiderrufliche Mechanismen könnten aus Sicht des GDV Vertrauen kosten, wenn sich Sparer im Nachhinein schlechter gestellt sehen.

Lebenslange Absicherung im Blick behalten

Künftig sollen auch befristete Auszahlpläne bis zum 85. Lebensjahr möglich sein. Mehr Wahlfreiheit kann die Attraktivität erhöhen. Zugleich verweist der GDV auf die steigende Lebenserwartung. Rund 47 Prozent der 65-jährigen Frauen und etwa 32 Prozent der Männer werden älter als 90 Jahre.

„Die lebenslange Rente sorgt dafür, dass das Einkommen im Alter verlässlich weiterfließt – unabhängig davon, wie alt jemand wird“, sagt Asmussen. „Dieser Grundgedanke sollte auch im reformierten System maßgeblich bleiben.“

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