Schwergewichte schlagen Rendite-Könige im S&P 500

Foto: Stock.Adobe.stock/Andres Mejia
Warum die Schwergewichte des S&P 500 nicht die Renditebringer sind?

Kleine Aktien im S&P 500 erzielten zuletzt die höchsten Durchschnittsrenditen. Dennoch prägen vor allem die Schwergewichte die Entwicklung des Index. Eine Analyse von HQ Trust zeigt, wie stark Rendite und tatsächlicher Einfluss auseinandergehen – und was das für Anleger bedeutet.

Der S&P 500 kam in den vergangenen 36 Jahren auf eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 10,6 Prozent. Doch die Titel mit den höchsten Zuwächsen waren nicht jene, die den Index maßgeblich bewegten. Entscheidend waren vielmehr die Unternehmen mit hohem Börsenwert.

Sebastian Dörr, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, hat die monatlichen Renditen aller 500 Indexmitglieder seit Dezember 1989 untersucht. Für jeden Monat ordnete er die Aktien nach ihrem jeweiligen Indexgewicht in vier gleich große Gruppen – von den niedrig gewichteten Titeln bis zu den Schwergewichten.

Neben der Streuung der Einzelrenditen analysierte Dörr die tatsächlichen Performancebeiträge zum Index. Diese berechnete er als Produkt aus Indexgewicht und Monatsrendite. Um extreme Ausschläge nicht zu stark zu gewichten, begrenzte er die Auswertung auf den Bereich zwischen dem 5. und 95. Perzentil, bezog jedoch alle 500 Aktien ein.

Kleine Titel mit höherer Rendite – aber mehr Schwankung

„Über den Gesamtzeitraum erzielten die kleinsten Aktien mit durchschnittlich 1,17 % pro Monat die höchsten Renditen im S&P 500.“

„Die Schwergewichte kamen im selben Zeitraum lediglich auf 0,93 % pro Monat – ein klarer Renditevorsprung zugunsten der gering gewichteten Titel.“

Gleichzeitig zeigt die Analyse eine deutlich höhere Schwankungsbreite bei kleineren Titeln. „Die höheren Durchschnittsrenditen der kleineren Aktien gingen jedoch mit einer deutlich größeren Schwankungsbreite einher.“ Und weiter: „Die Verteilung der Monatsrenditen zeigt: Wer in gering gewichtete S&P-Aktien investiert, muss mit deutlich volatileren Kursen rechnen als bei den Schwergewichten.“

Performancebeitrag: Gewicht schlägt Einzelrendite

Trotz der höheren Durchschnittsrenditen kleinerer Aktien prägen vor allem die großen Titel die Indexentwicklung. „Dass tendenziell die größten Aktien den Index treiben, ist für viele Investoren vermutlich keine Überraschung. Wie groß der Unterschied ist, vielleicht schon.“

„Hoch gewichtete Titel steuerten im Mittel 0,0055 % pro Monat zur Indexperformance bei. Das ist ein Vielfaches des Beitrags kleinerer Titel.“

Eine gering gewichtete Aktie kam im Durchschnitt lediglich auf 0,0003 % pro Monat – trotz teils höherer Renditen.

Warum kleine Beiträge entscheidend sein können

Auf den ersten Blick wirken diese Werte marginal. „Der Wert von 0,0003 % wirkt zunächst vernachlässigbar. Tatsächlich verteilt sich der Beitrag einer einzelnen Aktie jedoch auf einen breit diversifizierten Index mit 500 Titeln – und wird zudem auf Monatsbasis gemessen.“

Für Dörr zeigt sich damit ein struktureller Zusammenhang: „Die Analyse verdeutlicht: Indexperformance ist in erster Linie eine Frage der Gewichtung, nicht der höchsten Einzelrenditen.“

Selbst stark steigende Kurse bewegen den Gesamtindex kaum, wenn das Gewicht der Aktie gering ist. Umgekehrt können bereits moderate Zugewinne bei Schwergewichten die Entwicklung des S&P 500 deutlich beeinflussen. „Für Anleger folgt daraus: Wer einen kapitalgewichteten Index verstehen oder schlagen will, sollte nicht nur auf Renditen schauen, sondern immer auch auf das zugrunde liegende Gewicht der einzelnen Titel.“ Zudem gilt für ihn: „Zudem ist passives Investieren auch eine aktive Entscheidung. Langfristig kann eine aktive Aktienauswahl einen positiven Effekt haben.“

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