2025 hat der Silberpreis kräftig zugelegt und sich mit einem Jahresplus von etwa 148 Prozent sogar deutlich robuster präsentiert als der Goldpreis mit einem Zuwachs von rund 65 Prozent. Auch zum Jahresbeginn 2026 bewegte sich der Silberpreis weiter dynamisch aufwärts, bis Ende Januar stieg er um weitere 45 Prozent. Dass es nach diesem kometenhaften Aufstieg zu einer Korrektur kam, dürfte erfahrene Anleger nicht allzu sehr überrascht haben. Überraschend war allenfalls das Tempo, mit dem der Silberpreis korrigierte. Bei den Rückschlägen am 30. Januar gab der Silberpreis bis auf 78 Dollar je Feinunze nach, am Tag zuvor notierte der Kurs zeitweise bei mehr als 120 Dollar – ein Wertverlust von rund einem Drittel an nur einem Tag.
Ein entscheidender Auslöser des Kursrutsches war die angekündigte Nominierung von Kevin Warsh als künftigen Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Diese Personalie nahm vielen Marktteilnehmern zwar die Sorge, der künftige US-Notenbank-Chef könnte auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump die Zinsen über Gebühr senken und so den Dollar weiter schwächen. Auf der anderen Seite sorgte diese Nachricht bei vielen Edelmetall-Investoren dafür, dass sie sich von ihren Beständen trennten. Ein Grund: Gold und Silber werden rund um den Globus fast ausschließlich in Dollar gehandelt. Gewinnt der Greenback an Stärke, verlieren die Edelmetalle an Attraktivität.
Die Spekulanten sind weg, es geht wieder aufwärts
Doch inzwischen zeigt sich: Das war zu viel Drama. Die Gegenbewegung kam prompt: Der Silberpreis pendelte sich recht zeitnah wieder zwischen 75 und 80 Dollar je Feinunze ein und verzeichnete im Monatsverlauf einen ordentlichen Anstieg. Ende Februar war bereits wieder ein Silberpreis von 90 Dollar je Feinunze erreicht. Damit ist Silber immer noch nahezu dreimal so teuer wie zum Jahresbeginn 2025.
Die schnelle Bodenbildung und die jüngste Erholung beim Silberpreis bedeuten für Anleger vor allem eines: Die Spekulanten haben sich verabschiedet, aber es gibt weiterhin reichlich Investoren, die vom hohen Wert des Edelmetalls überzeugt sind – und zwar aus guten Gründen.
Zu wenig Silber für die Industrie
Fakt ist: Silber ist nicht nur ein Edel-, sondern vor allem auch ein Industriemetall, das in großem Umfang für moderne Technik wie Solarzellen, Elektroautos oder Smartphones und KI-Chips benötigt wird. Während die Industrienachfrage immer weiter gestiegen ist, konnte die Silberförderung nicht mithalten, zumal sich die Fördermenge nicht auf die Schnelle erhöhen lässt. Das hat dazu geführt, dass die Silber-Nachfrage nun schon seit fünf Jahren auf ein stagnierendes oder leicht rückläufiges Angebot trifft.
2026 dürfte das sechste Jahr in Folge mit einem strukturellen Angebotsdefizit auf dem Silbermarkt werden. Selbst wenn der Bedarf nach Solarzellen in jüngster Zeit leicht zurückging, dürfte die Nachfrage das Angebot auch in diesem Jahr übersteigen. Lange konnten Banken und Edelmetallhändler das Angebotsdefizit aus ihren Lagerbeständen ausgleichen. Doch mittlerweile zeigt sich, dass die physischen Silberbestände in den Tresoren nahezu aufgebraucht sind. An einigen Handelsplätzen waren Silberbarren bereits ausverkauft – eine Tatsache, die den spekulativen Silberpreisanstieg zusätzlich befeuert hat.
Sicherheit bleibt gefragt, Schwankungen bieten Chancen
Daneben bleibt Silber ebenso wie Gold weiterhin als Krisenwährung und sicherer Hafen in unsicheren Zeiten gefragt. Geopolitische Spannungen, die umstrittene Zollpolitik der US-Regierung oder die Sorge vor einem zunehmend schwachen US-Dollar und einer schwierigen konjunkturellen Lage bleiben bis auf Weiteres gute Gründe für Edelmetallkäufe.
Doch Vorsicht: Der Silbermarkt ist deutlich kleiner als etwa der Goldmarkt. Schon mittelgroße Käufe oder Verkäufe können daher für kräftige Schwankungen sorgen. Wer Silber kauft, braucht demnach stärkere Nerven als etwa Goldkäufer. Zugleich können Anleger Preisschwankungen und Korrekturen aber für günstige Käufe oder Verkäufe nutzen.
| Autor Önder Çiftçi ist Gründer und Geschäftsführer der Ophirum GmbH. Vor der Gründung des bankenunabhängigen Anbieters von Edelmetallen im Jahr 2010 war er bei verschiedenen Banken in führender Position tätig. |











