Softwareaktien unter KI-Druck: Übertriebene Angst oder reale Disruption?

Letztendlich ist aber nicht auszuschließen, dass langfristig zumindest ein Teil der heutigen Softwarelösungen obsolet und von KI-Agenten übernommen werden kann. Daher sollten sich Investoren möglichst auf Anbieter fokussieren, deren Softwarelösungen nicht so einfach zu ersetzen sind. Wichtig in dem Zusammenhang ist der exklusive Zugang zu Daten. Klassisches Beispiel sind Softwarelösungen aus dem Bereich Unternehmensressourcen-Planung (ERP). Die Systeme der führenden Anbieter verwalten einen Großteil der unternehmensinternen Daten ihrer Kunden, auf die kein anderes System ohne Weiteres zugreifen kann. Dementsprechend dürfte das Disruptionsrisiko hier eher gering sein. 

Hagen Ernst (Foto: DJE Kapital)

Beim führenden deutschen Anbieter liegen die Daten beispielsweise geschützt in der eigenen Datenbank. KI bietet somit für den Anbieter mehr Chancen als Risiken. Mittelfristig will dieser eine Milliarde Euro an KI-Umsätzen erwirtschaften. Dies wären zwar nur drei Prozent vom Umsatz, der Vorstandsvorsitzende hatte jedoch jüngst angedeutet, dass es auch mehr sein könnte. Zentrales Tool ist ein KI-Agent, der nach Anlernung Routinetätigkeiten im Rechnungswesen, in der Buchhaltung oder im Personal selbstständig erledigen kann. Zudem befindet sich der Anbieter mitten in der Cloudmigration. Gut die Hälfte der Kundenbasis ist bereits auf die Cloudlösung migriert. Dieses Jahr hat der Zollstreit allerdings vor allem im zweiten Quartal die Kunden verunsichert und dazu geführt, dass der Anbieter erstmals nur das untere Ende beim Cloudwachstum erreichen können wird. Normalerweise passt er im Laufe des Jahres den Ausblick nach oben an. Zudem wirkt sich die anhaltende US-Dollar-Schwäche negativ aus. Käme es zu einer Stabilisierung des Dollars, änderte sich die Situation. Möglich wären auch Rückenwind aus der Cloudmigration und Umsatzpotenzial aus KI, bei KMUs sowie der neuen Business-Plattform (je mindestens eine Milliarde Euro zusätzlicher Umsatz). In einem so optimistischen Szenario wäre wahrscheinlich ein zweistelliges Umsatz- und Gewinnwachstum bis zum Ende der Dekade erzielbar.

US-Softwarelösungen im Ringen mit den Hyperscalern

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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