US-Zinsentscheidung: Höhere Hürde für Zinssenkungen

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Naomi Fink, Amova AM

Die US-Notenbank steht vor einer heiklen Abwägung: Schwächere Arbeitsmarktdaten sprechen für Lockerung, Inflation und neue Energiepreisrisiken dagegen. Vor allem ein Faktor rückt nun stärker in den Mittelpunkt.

Die derzeitige kriegsbedingte Unsicherheit lässt die jüngsten Daten (beispielsweise Inflationszahlen) im Hinblick auf die zukunftsorientierte Geldpolitik rasch an Bedeutung verlieren. Es wird allgemein erwartet, dass die Fed ihre Zinsen unverändert belässt. Am wichtigsten ist es jedoch, die Signale hinsichtlich der Reaktionsfunktion der Fed zu beobachten. Angesichts der mit dem Iran-Krieg verbundenen Angebotsschocks ist die Hürde für Zinssenkungen höher geworden ist. Gleichzeitig sieht sich die Fed mit widersprüchlichen Signalen konfrontiert, darunter schwächere Arbeitsmarktindikatoren, ein nach wie vor robustes nominales Wachstum und eine hartnäckige Inflation.

Hinzu kommt nun ein externer Energie- und Logistikschock. Dieser erschwert die Entscheidungsprozesse der Zentralbanken, da wir uns von „Wachstumsverlangsamung, daher Lockerung“ hin zur Beobachtung von Stagflationsrisiken bewegen. Unterdessen steigen die Renditen am langen Ende weiter an, was bedeutet, dass sich die finanziellen Bedingungen selbst bei einer neutralen oder nahezu neutralen Geldpolitik möglicherweise nicht wesentlich weiter lockern werden; die Zinsstruktur übernimmt die Straffung.

Man sollte bedenken, dass wir nach wie vor pfadabhängig sind – Zinssenkungen werden möglicherweise nicht gestrichen, sondern lediglich verschoben. Wichtig ist jedoch, dass das Risiko einer Streichung nun erheblich ist.

Autorin Naomi Fink ist Chief Global Strategist von Amova Asset Management.

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