Venezuela: Gräfer warnt vor Machtpolitik ohne Recht – und vor den Folgen für Märkte

Martin Gräfer
Foto: Die Bayerische
Martin Gräfer

Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe Die Bayerische, sieht in den jüngsten Entwicklungen rund um Venezuela einen gefährlichen Präzedenzfall für die internationale Rechtsordnung – und warnt vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen.

„Rechtssicherheit ist kein Ideal. Sie ist die Grundlage unseres Geschäfts“, schreibt Gräfer auf LinkedIn. Es handele sich nicht um ein außenpolitisches Randthema, sondern um einen „Stresstest für die regelbasierte Ordnung“ mit Auswirkungen auf Märkte, Investitionen und globale Planungssicherheit.

Ein militärischer Zugriff der USA auf fremdem Staatsgebiet zur Festnahme des amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro ist für Gräfer „ein Bruch des Völkerrechts. Punkt.“ Dies gelte unabhängig davon, wie autoritär das Regime sei oder wie opportun ein solcher Schritt geopolitisch erscheinen möge. Recht, so Gräfer, „beweist sich nicht im bequemen Fall, sondern im schwierigen“.

Besonders kritisch bewertet er die Rolle der USA, die er als klar interessengeleitet beschreibt. Mit Blick auf Venezuelas enorme Erdölreserven stellt Gräfer fest: „Donald Trump betreibt keine Wertepolitik. Er betreibt Interessenpolitik.“ Beunruhigender als Washington sei jedoch „das europäische Schweigen“.


Das könnte Sie auch interessieren:

Für Unternehmen seien die Konsequenzen eindeutig: „Ohne Rechtssicherheit keine Investitionen. Ohne Berechenbarkeit keine Lieferketten. Ohne Regeln keine funktionierenden Märkte.“ Daraus zieht Gräfer auch unternehmerische Schlüsse. Die Abhängigkeit von US-amerikanischer IT-Infrastruktur werde man „aus guten Gründen“ kritisch bewerten und diesen Prozess „mit Nachdruck beschleunigen“. Künftig setze die Bayerische konsequent auf europäische Lösungen.

Auch in der Kapitalanlage verfolgt der Versicherer laut Gräfer eine klare Linie: Das Vermögen der Kundinnen und Kunden werde „mit klarem Fokus in Deutschland und Europa“ investiert. Die USA blieben zwar Partner, Engagements dort seien jedoch „gezielt, aber dosiert“.

Abschließend richtet Gräfer einen deutlichen Appell an die politische Führung in Deutschland und Europa. „Europa braucht jetzt eine klare Haltung. Nicht morgen“, fordert er. Es gehe dabei nicht um Moral, sondern um „wirtschaftliche Vernunft“. Sein Fazit: „Jetzt ist nicht die Zeit für Nebensätze. Jetzt ist die Zeit für europäische Klarheit.“

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen