In Deutschland wird der Neubau zunehmend elektrisch beheizt. Im Jahr 2024 wurden 70 Prozent aller neu fertiggestellten Wohngebäude mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Das geht aus einer Auswertung von Viessmann Climate Solutions hervor, die auf Daten der Statistik der Baufertigstellungen des Statistischen Bundesamtes basiert.
Besonders stark verbreitet ist die Technologie in Ein- und Zweifamilienhäusern. In diesem Segment liegt der Anteil der Wärmepumpen bei rund 75 Prozent. Damit ist sie für Bauherren in vielen Fällen zur Standardlösung geworden.
Gleichzeitig verlieren fossile Heizsysteme im Neubau deutlich an Bedeutung. Gasheizungen kommen noch auf etwa 15 Prozent der neu errichteten Wohngebäude. Die Ölheizung spielt praktisch keine Rolle mehr und erreicht lediglich einen Anteil von 0,3 Prozent – und das schon weit vor dem Beginn des aktuellen Nahost-Kriegs und des neuerlichen Öl- und Gaspreis-Schocks.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Im Vergleich der Bundesländer zeigen sich deutliche Unterschiede. Mit Sachsen-Anhalt weist ein ostdeutsches Bundesland mit 83 Prozent den höchsten Anteil an Wärmepumpen in Neubauten auf, dicht gefolgt vom Saarland mit 82 Prozent. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg erreichen jeweils rund 75 Prozent.
Am anderen Ende der Skala liegen mehrere norddeutsche Bundesländer. Schleswig-Holstein, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen die niedrigsten Wärmepumpenanteile unter den Flächenländern.
In den Stadtstaaten ist die Situation anders. Aufgrund dichter Bebauung und vorhandener Versorgungsnetze spielen dort Fernwärme und Gas weiterhin eine größere Rolle. Entsprechend fallen die Wärmepumpenanteile deutlich niedriger aus.
Besonderheiten in Metropolen
Hamburg erreicht einen Anteil von 44 Prozent, Berlin kommt auf 37 Prozent und Bremen auf 31 Prozent. Auffällig ist dabei Bremen: Dort werden in mehr als der Hälfte der Neubauten, nämlich in 52 Prozent der Fälle, weiterhin Gasheizungen installiert.
Ein Blick auf einzelne Städte zeigt zudem regionale Schwerpunkte beim Einsatz der Technologie. Unter den Großstädten mit mehr als 100 fertiggestellten Neubauten im Jahr 2024 führt Magdeburg mit einem Wärmepumpenanteil von 86 Prozent. Es folgen Oldenburg mit 80 Prozent und Chemnitz mit 79 Prozent.
Noch höhere Werte erreichen einzelne Städte mit geringerer Bautätigkeit. In Koblenz liegt der Anteil bei 93 Prozent, in Mönchengladbach bei 91 Prozent und in Dessau bei über 90 Prozent. Allerdings wurden dort im Jahr 2024 jeweils weniger als 100 Neubauten fertiggestellt. Einen strukturellen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland scheint es demnach nicht zu geben.
Gewerbliche Neubauten nutzen häufiger andere Systeme
Ein anderes Bild als im Wohnungsbau zeigt sich bei Nichtwohngebäuden. In Büro- und Verwaltungsgebäuden liegt der Anteil der Wärmepumpen bei 48 Prozent. Fernwärme und Gas kommen in diesem Segment jeweils auf rund 19 Prozent.
Ähnliche Werte zeigen sich auch bei wirtschaftlich genutzten Neubauten. Die Daten deuten darauf hin, dass insbesondere im gewerblichen und öffentlichen Bau noch erhebliches Potenzial für eine stärkere Nutzung von Wärmepumpen besteht. Dabei kann durchaus als bemerkenswert angesehen werden, dass gerade im öffentlichen Bau das Potenzial der klimafreundlichen Heizung offenbar längst nicht ausgeschöpft wird, obwohl die Politik private Eigentümer mit umfangreichen Vorschriften und Förderungen in diese Richtung drängt.
Grundlage der Analyse ist die Statistik der Baufertigstellungen 2024 des Statistischen Bundesamtes sowie der statistischen Ämter der Länder. Ausgewertet wurden die primär genutzten Heizenergien von 76.073 neu fertiggestellten Gebäuden in deutschen Landkreisen, kreisfreien Städten und Bundesländern. Dabei unterscheidet die Untersuchung zwischen Wohngebäuden mit ein oder zwei Wohnungen, Mehrfamilienhäusern und Nichtwohngebäuden. Viessmann Climate Solutions ist nach eigenen Angaben ein weltweit führender Anbieter für effiziente und systemische Klima- (Wärme, Wasser- und Luftqualität) und erneuerbare Energielösungen.













