Warum Künstliche Intelligenz für Unternehmen zum Risikofaktor wird

KI: Artificial intelligence concept with computer chip
Foto: Bildagentur PantherMedia
Kriminelle Hacker nutzen in wachsendem Umfang KI für ihre Attacken.

Künstliche Intelligenz verändert Geschäftsmodelle – und das Risikoprofil von Unternehmen. Im aktuellen Risikobarometer von Allianz Commercial rückt KI überraschend weit nach vorn.

Künstliche Intelligenz (KI) hat sich nach Einschätzung der Allianz zu einem der größten globalen Geschäftsrisiken für Unternehmen entwickelt. Im neuen „Risikobarometer“ des Unternehmensversicherers Allianz Commercial ist die KI vom zehnten auf den zweiten Platz hinter dem langjährigen Spitzenreiter Cyberkriminalität emporgeschossen.

Beides steht in Zusammenhang: Kriminelle Hacker nutzen demnach in wachsendem Umfang KI für ihre Attacken. Doch kann die Nutzung von KI laut Risikobarometer auch ohne jede böse Absicht gefährlich für ein Unternehmen sein, etwa wenn Manager und Mitarbeiter auf Basis falscher Daten und Informationen falsche Entscheidungen treffen.

Auf Rang drei der größten globalen Geschäftsrisiken stehen in diesem Jahr Betriebsunterbrechungen. Auch dabei gibt es eine Verbindung zu Cyberangriffen: Eine häufige Ursache von Betriebsunterbrechungen ist Online-Erpressung: Die Hacker lähmen die Rechnersysteme eines Unternehmens per Verschlüsselung und fordern für die anschließende Entschlüsselung hohe Summen.

Allianz Commercial ist eine Tochter des Münchner Dax-Konzerns, das Unternehmen publiziert sein „Risikobarometer“ alljährlich zu Jahresbeginn. Die Einschätzungen basieren auf der Befragung von 3.338 Fachleuten aus 97 Ländern im vergangenen Herbst. Darunter sind Führungskräfte und Manager anderer Unternehmen, Risiko- und Schadenberater, Versicherungsmakler, Experten von Branchenverbänden sowie auch Allianz-Mitarbeiter. Die Antworten der Befragten unterscheiden sich von Land zu Land, allerdings nicht grundlegend: So landeten die KI-Risiken in Deutschland auf Platz vier, in der Schweiz auf dem zweiten Rang, in Österreich dagegen sogar auf Platz eins.


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Die KI ist demnach ein zweischneidiges Schwert: Eine Mehrheit der Unternehmen sieht die Technologie als Chance, nicht zuletzt für die automatisierte Abwehr bösartiger Cyberattacken. Doch gleichzeitig sehen etliche der befragten Fachleute große Gefahren: KI berge ein immer schneller voranschreitendes Risiko, sagte Michael Furtscheller, der regionale Geschäftsleiter für Deutschland und die Schweiz – „vielleicht auch Fluch und Segen“.

Demnach nutzen Cybertäter KI unter anderem für die Perfektionierung von „Social Engineering“, um als Führungskräfte zu posieren und deren Untergebene zu täuschen. „Durch Schreiben von sehr zugeschnittenen E-Mails, dass man dort klicken oder sonst etwas tun soll, sei es mit Clonings oder der Generierung von Sprache, oder sogar der Fälschung von Videos“, erläuterte Michael Daum, Leiter der Cyberschaden-Bearbeitung. „Die große Mehrzahl der Angriffe, die wir sehen, erfordert nach wie vor das Zutun eines Menschen – in der Regel eines Mitarbeiters – den Angriff zu ermöglichen.“

Doch Attacken von außen sind nach Worten der Allianz-Manager nur eine Seite des Problems. Risiken für Unternehmen birgt demnach auch die ganz legale Verwendung von KI-Software durch die eigenen Mitarbeiter und Führungskräfte. „Die KI per Definition arbeitet mit einem gewissen Grad an Autonomie und deswegen können die Ergebnisse falsch oder frei erfunden sein“, sagte Allianz Commercial-Managerin Alexandra Braun. „Und falsche oder auch einmal diskriminierende KI-Ergebnisse, die können natürlich auch zu Rechtsstreitigkeiten oder negativen Presseberichterstattungen und dann zu Reputations- und Imageverlust führen für Unternehmen.“ Zu den KI-eigenen Risiken zählen demnach auch Urheberrechtsverletzungen, wenn die Software geschützte Informationen abschreibt oder verwendet.

Die übrigen Risiken unter den globalen Top Ten reichen von der Politik über die Natur bis zu den hergebrachten Unsicherheiten des Geschäftslebens. Auf Platz vier stehen Gesetzgebung und Regulierung, was sich sowohl auf die US-Zollpolitik und sonstige Handelshemmnisse als auch die in vielen Ländern beklagte Bürokratie bezieht. Auf den nächsten beiden Rängen folgen Naturkatastrophen und Klimawandel, anschließend politische Instabilität und Gewalt, negative volkswirtschaftliche Entwicklungen etwa durch Inflation, Feuer und Explosionen. Platz zehn nimmt die Ungewissheit über Marktentwicklungen ein, seien es neue Wettbewerber, Firmenübernahmen oder sonstiger Wandel. (dpa-AFX)

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