Was den Krypto-Crash auslöste – und warum nicht alles fällt

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Der Krypto-Crash im Januar wirkte wie ein Krypto-Winter.

Bitcoin unter 70.000 US-Dollar, Altcoins zweistellig im Minus: Der Jahresstart 2026 wirkt wie ein Krypto-Winter. Adrian Fritz von 21shares ordnet ein, warum der Auslöser eher makrogetrieben ist – und weshalb sich der Markt dennoch weiter ausdifferenziert. Entscheidend ist, wer jetzt wie reagiert.

Der Jahresstart 2026 gehört bereits jetzt zu den schwankungsreichsten Phasen der letzten Jahre im Kryptomarkt. Bitcoin rutschte ab und verblieb zeitweise unter 70.000 US-Dollar, während viele Altcoins zweistellige Verluste verzeichneten. Auf den ersten Blick wirkte das wie ein klassischer Markteinbruch oder gar Beginn eines Krypto-Winters. Ein genauerer Blick zeigt jedoch: Der Auslöser lag weniger in branchenspezifischen Problemen, sondern in einem breiteren, makrogetriebenen Risikoabbau über mehrere Anlageklassen hinweg.

Steigende Anleiherenditen, ein stärkerer US-Dollar und neue geopolitische Spannungen lösten eine Art globalen „Positions-Reset“ aus. Bemerkenswert ist, dass selbst Gold und Silber nach vorherigen Höchstständen deutlich zurückgingen, ebenso wie Aktienmärkte. Digitale Assets handelten dabei erneut als rund um die Uhr geöffneter Markt und dienten als Ventil für globale Risikoanpassungen – was Preisbewegungen sichtbarer und abrupter machte als in traditionellen Märkten mit Handelszeiten.

Derivatives-Flush und die Bitcoin-Wale, die weiter kaufen

Die Marktmechanik spricht eher für ein Bereinigen von Hebelpositionen als für einen strukturellen Kapitalabzug aus dem Sektor.

Das Open Interest in Bitcoin-Futures ging deutlich zurück, Finanzierungsraten normalisierten sich und stark gehebelte Positionen wurden aus dem Markt gedrängt. Solche Phasen reduzieren systemische Fragilität. Parallel dazu stieg zwar der Spot-Verkaufsdruck, doch die Käuferseite zog mit – das Verhältnis blieb klar unter Niveaus, die historisch mit Kapitulationsphasen verbunden waren. Auch On-Chain-Indikatoren deuten nicht auf breite Fluchtbewegungen hin. Die Stablecoin-Marktkapitalisierung – oft als Liquiditätsbarometer des Krypto-Ökosystems betrachtet – ging nur leicht zurück. Gleichzeitig überschritt das monatliche On-Chain-Transaktionsvolumen die Marke von 10 Billionen US-Dollar, was auf weiterhin rege wirtschaftliche Aktivität innerhalb der Netzwerke hindeutet.


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Größere Marktteilnehmer nutzten die Schwäche offenbar zur Akkumulation: Die Zahl der Wallets mit mehr als 1.000 BTC stieg weiter an.[1] Solche Adressen gelten als relativ preisinelastisch und verschieben Angebot tendenziell aus dem kurzfristigen Handelskreislauf.

Warum einige wenige Coins im Plus blieben und welche es sind

Trotz eines breiten Marktrückgangs von rund 17 Prozent (Stablecoins ausgenommen) konnten nur fünf der 100 größten Kryptowährungen den Monat im positiven Bereich beenden. Das ist statistisch bemerkenswert – und inhaltlich aufschlussreich.

Diesen Kryptos ist generell gemein, dass es sich um Projekte mit messbarer Nutzung und wiederkehrenden Einnahmeströmen auf Protokollebene handelt. Hyperliquid etwa profitierte von stark wachsender Derivateaktivität auf der eigenen Plattform, während das Canton-Netzwerk durch institutionelle Integrationsprojekte Rückenwind erhielt. In beiden Fällen spielten reale Transaktionen, Gebühreneinnahmen und tatsächliche institutionelle Nutzung eine größere Rolle als spekulative Rotation.

Das deutet auf eine zunehmende Differenzierung innerhalb des gesamten Krypto-Investmentsektors hin: Kapital reagiert sensibler auf Nutzungsdaten, Umsatzmodelle und Einbindung in institutionelle Strukturen – Faktoren, die bislang eher aus dem Aktien- oder Venture-Kontext bekannt sind.

ETP-Flows zeigen institutionelle Bodenhaftung

Auch auf der Produktseite blieb das Bild konstruktiver, als es die Kurse vermuten lassen. Wie der aktuelle Bericht von 21shares zeigt, verzeichneten europäische Krypto-ETPs im Januar Zuflüsse von über 250 Millionen US-Dollar. Damit summieren sich die Zuflüsse der letzten zwei Monate auf rund 450 Millionen US-Dollar. Der Großteil entfiel erneut auf Bitcoin-Produkte – allein diesen kam 249,2 Millionen Dollar neues Kapital zu –, gefolgt von Ethereum. Einzelne thematische ETPs – etwa auf Hyperliquid – sahen ebenfalls Mittelzuflüsse, während Solana- und XRP-Produkte Abflüsse verzeichneten. 

Dass das verwaltete Gesamtvermögen dennoch sank, lag primär an Preisrückgängen der zugrunde liegenden Assets, nicht an systematischem Kapitalabzug. Generell sprechen diese Flow-Muster dafür, dass institutionelle Allokatoren Rücksetzer zur Positionsanpassung nutzen.

Digitale Assets bleiben zu großen Teilen sensibel für makroökonomische Entwicklungen

Wie ist aktuelle Lage nun einzuordnen? Der Januar lieferte weniger Hinweise auf einen Regimewechsel als auf einen Reifeprozess. Digitale Assets bleiben sensibel für makroökonomische Liquiditätsbedingungen, entwickeln sich intern jedoch weiter – mit wachsender Nutzung, stabileren Einnahmemodellen einzelner Protokolle und zunehmender institutioneller Einbindung über regulierte Produkte.

Der Markt reagiert damit nicht mehr homogen auf Stressphasen. Preisbewegungen verlaufen breiter, Fundamentaldaten werden selektiver bewertet, und Kapital unterscheidet stärker zwischen Infrastruktur, Nutzung und reiner Narrativ-Spekulation.

[1] Bitcoin Sees Largest Whale Accumulation Since November Amid 40% Pullback | Investing.com NG

Autor Adrian Fritz ist Vice President und Chief Investment Strategist des Krypto-ETP-Emittenten 21shares.

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