Die USA wählen am 3. November 2026 einen neuen Kongress. Die Wahl gilt zugleich als Stimmungstest für Präsident Donald Trumps zweite Amtszeit. Der Zahlungsdienstleister Ebury hat dafür am 15. Oktober 2026 eine Midterms-2026-Prognose vorgelegt. Sie rechnet vier mögliche Wahlausgänge und deren Folgen für den Dollar durch. Favorit ist demnach ein demokratischer Erfolg in beiden Kongresskammern.
Wann sind die Midterms 2026? Termine und Mandate im Überblick
Auf dem Stimmzettel stehen sämtliche 435 Sitze des Repräsentantenhauses sowie 35 der 100 Senatsposten. Zu den turnusmäßigen 33 Mandaten kommen zwei Sonderwahlen hinzu: Marco Rubio wechselte ins Außenministerium, JD Vance ins Vizepräsidentenamt. Ihre früheren Sitze in Florida und Ohio stehen deshalb neu zur Wahl. Als Nachfolgekandidaten treten dort unter anderem Ashley Moody und Jon Husted an, wie Daten von Ballotpedia zeigen. Parallel bestimmen 36 Bundesstaaten neue Gouverneure, darunter Michigan, Georgia, Colorado, Ohio und Kansas. Diese Angaben haben das Bipartisan Policy Center und Ballotpedia News zusammengetragen.
Zum zeitlichen Ablauf teilt Ebury mit, dass die ersten Wahllokale an der Ostküste bereits um 18 Uhr Ortszeit öffnen. Die Mehrzahl schließt zwischen 19 und 21 Uhr; nach deutscher Zeit ist das die Nacht zum 4. November. US-Sender dürften demnach schon in der Wahlnacht erste Hochrechnungen zu den Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat veröffentlichen. Eine verlässliche Einschätzung der Lage erwartet Ebury erst im Verlauf der asiatischen Handelssitzung am Mittwochmorgen. In knappen Rennen kann sich das endgültige Ergebnis wegen der Briefwahl allerdings noch hinziehen.
Kräfteverhältnisse im Kongress: Wie knapp es derzeit steht
Ausgangspunkt der Midterms-2026-Prognose ist die aktuelle Sitzverteilung im Kongress. Eine unabhängige Zählung von Congress Countdown vom 12. Oktober 2026 beziffert die Republikaner im Repräsentantenhaus auf 218 Sitze, die Demokraten auf 214. Hinzu kommen ein Unabhängiger und zwei vakante Mandate. Im Senat stehen sich 53 Republikaner, 45 Demokraten und zwei Unabhängige gegenüber. Ebury nannte zum Zeitpunkt der eigenen Analyse noch 217 zu 212 Sitze im Repräsentantenhaus. Verändert hat sich zuletzt die Parteizugehörigkeit des kalifornischen Abgeordneten Kevin Kiley: Er trat im März 2026 aus der Republikanischen Partei aus und ließ sich als Unabhängiger registrieren. Im Kongress stimmt er jedoch weiterhin mit den Republikanern.
Umfragen und Prognosemärkte: Demokraten mit klarem Vorsprung
Mehrere Datenquellen deuten unabhängig voneinander in dieselbe Richtung. Im Generic-Ballot-Mittel des Statistikers Nate Silver, das die bundesweite Parteipräferenz abbildet, lagen die Demokraten Mitte Oktober um etwa 8,9 bis 9,6 Prozentpunkte vorn. Ebury sprach in seiner Analyse von einem Polster von „fast zehn Punkten“. Noch schärfer fällt der Blick auf Trump persönlich aus: Je nach Aggregator bewegte sich sein Netto-Zustimmungswert am 15. Oktober zwischen minus 18,5 und minus 27,5 Punkten. Ein Tracker maß minus 22,4 Punkte bei 37,3 Prozent Zustimmung und 60,1 Prozent Ablehnung - Werte nahe historischer Tiefstände.
Auch die Prognosemärkte Kalshi und Polymarket räumen den Demokraten gute Chancen ein. Am 16. Oktober taxierten die Prognosemärkte Kalshi und Polymarket die Erfolgschancen der Demokraten im Repräsentantenhaus auf 90 beziehungsweise rund 91 Prozent und im Senat auf 63 beziehungsweise 65 Prozent. Eburys eigene Midterms-2026-Prognose wies mit 93 Prozent für das Repräsentantenhaus und 64 Prozent für den Senat geringfügig höhere Werte aus. In vier Szenarien übersetzt Ebury diese Zahlen in mögliche Folgen für den Dollar:
| Szenario | Repräsentantenhaus | Senat | Wahrscheinlichkeit laut Ebury | Erwartete Dollar-Reaktion |
|---|---|---|---|---|
| Demokratischer Sweep | Demokraten | Demokraten | 60 Prozent | leicht negativ |
| Gespaltener Kongress I | Demokraten | Republikaner | 30 Prozent | negativ |
| Republikanischer Sweep | Republikaner | Republikaner | neun Prozent | positiv |
| Gespaltener Kongress II | Republikaner | Demokraten | ein Prozent | leicht negativ |
Midterms-2026-Prognose: Warum Ebury einen demokratischen Sweep erwartet
Hinter den Wahrscheinlichkeiten steht vor allem eine fiskalpolitische Überlegung. Verlieren die Republikaner zumindest das Repräsentantenhaus, dürfte sich Trumps Ausgabenagenda künftig auf unausweichliche Posten wie Bundeshaushalt und Schuldenobergrenze beschränken. Das könnte den anhaltenden Ausverkauf bei US-Staatsanleihen etwas abmildern. Zugleich schmälert es laut Ebury jene Zinsdifferenz, die den Dollar zuletzt gestützt hat. Erobern die Demokraten zusätzlich den Senat, könnten sie Trumps Personalvorschläge für den Fed-Gouverneursrat blockieren oder verzögern. Ebury stuft dieses Szenario grundsätzlich als dollarstützend ein, hält die praktische Wirkung jedoch für begrenzt: Bis zum Ende der Amtszeit sind nur wenige Sitze neu zu besetzen. Käme es dagegen zu einem republikanischen Sweep, rechnet Ebury mit mehr Staatsausgaben, möglichen Steuersenkungen und einer leichteren Bestätigung fed-naher Kandidaten. Nach Eburys Lesart stiegen damit die Inflationserwartungen, während der Dollar in der Wahlnacht zulegen dürfte.
Angespannte Lage: Iran-Krieg, Fed-Konflikt und Rekordrenditen
Der Urnengang fällt zudem in eine angespannte makroökonomische Phase. Der sogenannte Iran-Krieg 2026 nahm am 28. Februar 2026 seinen Anfang, ausgelöst durch einen gemeinsamen Angriff der USA und Israels. Dabei wurde unter anderem Irans oberster Führer Ali Khamenei getötet. Sowohl ein im April vereinbarter Waffenstillstand als auch ein im Juni unterzeichnetes Memorandum of Understanding hielten nicht. Formal endete die Übereinkunft im August 2026, und seitdem flammen die Kämpfe wiederholt erneut auf. Nach Eburys Einschätzung hat der Konflikt entlang der gesamten Zinsstrukturkurve einen inflationsbedingten Risikoaufschlag verursacht. Das ist ein Grund dafür, dass selbst ein demokratischer Wahlsieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kaum grundlegend senken dürfte. Diese Einschätzung bildet einen Kernbestandteil der Midterms-2026-Prognose von Ebury.
Am Anleihemarkt erreichte diese Rendite im Oktober 2026 mit 5,32 Prozent ihren höchsten Stand seit dem Jahr 2002. Am Aktienmarkt stand kurz zuvor ein Rekord: Der S&P 500 schloss am 6. Oktober bei 7.818,93 Punkten, während Ölpreise und Anleiherenditen zeitgleich nachgaben. Der Konflikt um die Eigenständigkeit der Notenbank sorgt für weitere Verunsicherung. Der Senat bestätigte im Mai 2026 Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden; er folgt damit auf Jerome Powell. Zudem gab Trump im Oktober 2026 die Einsetzung eines Ausschusses bekannt, der mutmaßlichen Hypothekenbetrug der Fed-Gouverneurin Lisa Cook prüfen soll. Bereits im Juni 2026 hatte der Supreme Court einen vorherigen Vorstoß Trumps, Cook aus dem Amt zu entfernen, abgelehnt.
Folgen für Berater, Vermögensverwalter und Anleger
Für Berater, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger zählt bei der Midterms-2026-Prognose vor allem die fiskal- und geldpolitische Flankierung. Bremst der neue Kongress Trumps Ausgabenpläne, könnte das den Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen dämpfen. Bleibt die republikanische Mehrheit dagegen bestehen, erleichtert das die Bestätigung weiterer fed-naher Gouverneure - und verstärkt damit Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank. Ausgerechnet das mit neun Prozent unwahrscheinlichste Szenario - ein republikanischer Sweep - wäre laut Ebury für den Dollar am günstigsten: höhere Ausgaben, potenzielle Steuersenkungen und ein stärkerer politischer Einfluss auf die Geldpolitik.
Der eigentliche fiskalische Stresstest dürfte allerdings erst 2027 folgen. Schätzungen des Committee for a Responsible Federal Budget zufolge dürfte die US-Regierung die gesetzliche Schuldenobergrenze voraussichtlich zwischen Februar und Juli 2027 erreichen, wahrscheinlich etwa im Mai desselben Jahres. Eine Anhebung oder Aussetzung durch den Kongress müsste anschließend bis spätestens Anfang 2028 beschlossen werden. Unabhängig vom Wahlausgang dürfte diese Entscheidung erst mit Verzögerung auf die Märkte wirken.













