Warum ein geteilter US-Kongress dem Dollar mehr schaden könnte als ein Machtwechsel

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Illustratives Fotomontage-Motiv: Ein Dollarzeichen als Wetterfahne auf der Kuppel des US-Kapitols vor blauem Himmel.
Bild: KI-generiert
Ebury sieht gerade im unwahrscheinlichsten Szenario das größte Risiko für den Greenback.

Am Wahltag der US-Zwischenwahlen 2026 zeigt eine Prognose des Devisenspezialisten Ebury: Nicht der wahrscheinlichste Ausgang wäre am schlechtesten für den Dollar, sondern ein geteilter Kongress. Was die vier möglichen Szenarien für Anleger bedeuten.

An diesem Dienstag, dem 3. November, bestimmen die Amerikaner die Zusammensetzung des nächsten Kongresses. Zur Wahl stehen sämtliche 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatsmandate. Eine aktuelle Midterms 2026 Prognose des Devisenspezialisten Ebury kommt dabei zu einem bemerkenswerten Schluss: Als größte Gefahr für den Dollar gilt den Analysten nicht der wahrscheinlichste Wahlausgang, sondern ein geteilter Kongress mit demokratischem Repräsentantenhaus und republikanischem Senat. Diesem Szenario räumen die Analysten lediglich 30 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.

Für Donald Trump fungiert die Wahl als Stimmungsbarometer - nach zwei Jahren Zollpolitik, Attacken auf die Unabhängigkeit der Notenbank Fed und dem seit dem Frühjahr andauernden Konflikt im Iran.

Zusätzlich zu den regulären Mandaten stehen zwei Sondersitze in Florida und Ohio zur Wahl. Sie wurden frei, nachdem Marco Rubio als Außenminister und JD Vance als Vizepräsident Anfang 2025 ihre Senatssitze aufgegeben hatten. Noch halten die Republikaner beide Kammern: Der Wahl-Tracker Congresscountdown.com beziffert ihre Mehrheit zum Stand 2. November auf 53 zu 47 Sitze im Senat und 218 zu 214 Mandate im Repräsentantenhaus. Ebury hatte die Verteilung im Unterhaus Mitte Oktober noch mit 217 zu 212 angegeben - ein Unterschied, der sich vermutlich durch zwischenzeitlich besetzte Vakanzen erklärt.

Umfragen vor den Midterms 2026: Demokraten mit wachsendem Vorsprung

Sowohl Umfragen als auch Prognosemärkte räumen den Demokraten einen klaren Vorsprung ein, der zuletzt sogar noch zugenommen hat. Das Wahlmodell des Statistikers Nate Silver räumt ihnen im sogenannten generischen Kongress-Ranking einen Vorsprung von neun bis 9,6 Punkten ein. Die Gewinnwahrscheinlichkeit beziffert das Modell auf 94 Prozent für das Repräsentantenhaus und 75 Prozent für den Senat. Zugleich sind Donald Trumps Zustimmungswerte eingebrochen: Eine Aggregation mehrerer Umfragen beziffert seine Netto-Zustimmung Anfang November auf rund minus 24 Punkte - nahe dem Tiefstand seiner zweiten Amtszeit.

Wettmärkte rechnen mit noch höheren demokratischen Chancen

Auch bei den Prognosemärkten Polymarket und Kalshi haben sich die Erfolgsaussichten der Demokraten seit Eburys Analyse vom 15. Oktober weiter verbessert, wie die folgende Übersicht zeigt.

StandRepräsentantenhaus (Polymarket)Repräsentantenhaus (Kalshi)Senat (Polymarket)Senat (Kalshi)
15. Oktober 202693 Prozent90 Prozent64 Prozent62 Prozent
2. November 202695 Prozent93,3 Prozent72 Prozent71 Prozent
Quelle: Ebury (Stand: 15. Oktober 2026), Polymarket, Kalshi (Stand: 2. November 2026)

Anleihemärkte und Dollar bereits unter Spannung

Die Wahl trifft auf eine ohnehin angespannte Lage an den Anleihemärkten. Bereits Anfang Oktober erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 5,35 Prozent ihren höchsten Wert seit 2002. Bis zum 2. November fiel sie wieder auf rund 4,92 Prozent zurück. Am Wahltag lag der Dollar-Index bei circa 101,5 bis 101,7 Punkten, während der Euro rund 1,1193 Dollar kostete - nachdem er zeitweise bis auf 1,1235 Dollar gestiegen war. Bei knappen Mehrheitsverhältnissen halten Analysten deshalb heftigere Ausschläge an den Devisenmärkten für möglich.


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Die Midterms 2026 Prognose von Ebury: Vier Szenarien für den Dollar

Ebury differenziert in seinem Bericht vom 15. Oktober zwischen vier denkbaren Wahlausgängen und versieht jeden mit einer eigenen Dollar-Einschätzung. Bemerkenswert ist dabei: Die Analysten stufen nicht den wahrscheinlichsten Ausgang als größte Gefahr ein, sondern ein Szenario, dem sie lediglich 30 Prozent Wahrscheinlichkeit beimessen.

SzenarioRepräsentantenhausSenatWahrscheinlichkeitDollar-Einschätzung
Demokratischer „Sweep“ (Blue Wave)DemokratenDemokraten60 ProzentLeicht belastend
Geteilter KongressDemokratenRepublikaner30 ProzentBelastend
Republikanischer „Sweep“RepublikanerRepublikanerneun ProzentUnterstützend
Republikanisches Repräsentantenhaus, demokratischer SenatRepublikanerDemokratenein ProzentKeine Angabe
Quelle: Ebury, „US 2026 Midterm Elections Preview“ (15. Oktober 2026)

Warum der geteilte Kongress riskanter wäre als der große Durchmarsch

Einen kompletten demokratischen Durchmarsch - häufig „Blue Wave“ genannt - hält die Midterms 2026 Prognose mit 60 Prozent für das wahrscheinlichste Ergebnis. Für den Dollar stuft Ebury ihn allerdings nur als „mildly bearish“ ein, also als leicht belastend. Die Überlegung dahinter: Ein demokratisch dominierter Kongress würde die fiskalpolitischen Spielräume der Regierung einschränken. Verhandlungen würden sich dann auf zwingend notwendige Punkte wie den Bundeshaushalt und die Schuldenobergrenze reduzieren, deren Thematisierung ohnehin erst 2027 wieder ansteht.

Laut der Midterms 2026 Prognose birgt gerade die Konstellation aus demokratisch geführtem Repräsentantenhaus und republikanisch kontrolliertem Senat das größere Risiko für den Dollar. Fiskalisch ähnelt die Ausgangslage dem Sweep-Szenario. Hinzu käme nach Eburys Einschätzung allerdings Streit um Haushalt und Schuldenobergrenze, der die Schwankungen an den Devisenmärkten verstärken könnte. Zudem hätte Trump bei einem republikanischen Senat leichteres Spiel, weitere Kandidaten für die Fed-Spitze durchzusetzen. Er dringt seit Längerem auf niedrigere Leitzinsen.

Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury, ordnet das Szenario so ein: „A Democratic House alongside a Republican Senate would have a similar impact on the dollar, though the budget infighting and debt ceiling brinkmanship that would follow could add to volatility.“

Fed-Besetzung: Warum der Wahlausgang kaum noch Spielraum lässt

Der Fed-Aspekt hat allerdings einen Haken: Im siebenköpfigen Gouverneursrat sind kaum noch Sitze offen. Der Senat bestätigte Kevin Warsh am 13. Mai 2026 mit 54 zu 45 Stimmen für das Gremium, am 22. Mai legte er den Amtseid als Vorsitzender ab. Seine Amtszeit als Vorsitzender endet erst im Mai 2030, seine Mitgliedschaft im Board reicht sogar bis Januar 2040. Bei seiner Anhörung im April 2026 äußerte sich Warsh wie folgt: „Monetary policy independence is essential.“ Stephen Miran gehört dem Gremium bereits seit September 2025 an. Unabhängig vom Wahlausgang bleibt der Spielraum für weitere Trump-nahe Gouverneure damit begrenzt.

Schuldenobergrenze: Der eigentliche Stresstest kommt erst 2027

Der „One Big Beautiful Bill Act“ erhöhte den Schuldendeckel am 4. Juli 2025 auf 41,1 Billionen Dollar. Laut den im Juni 2026 veröffentlichten Projektionen des Committee for a Responsible Federal Budget dürfte die Grenze erst Anfang bis Mitte 2027 erneut erreicht werden. Für eine weitere Anhebung oder Aussetzung braucht es die Zustimmung des Kongresses. Die Midterms 2026 Prognose verortet den eigentlichen fiskalischen Stresstest deshalb dort - und nicht bei den Zwischenwahlen selbst. Kontrollieren die Demokraten am Ende beide Kammern, diskutieren Analysten laut einem Bericht des Magazins „Time“ sogar darüber, ob Trump zusammen mit einem demokratisch kontrollierten Kongress die Schuldenobergrenze komplett streichen könnte.

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