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Wie Finanzvertriebe KI nutzen – und wo der Mensch bleibt

Doch das ist noch nicht alles. „Ab März 2026 wird die nächste Entwicklungsstufe von PWX ausgerollt. Damit wird der Maklerverwaltungsagent zu einem proaktiven, mitdenkenden System“, kündigt Porazik an. Das System erkenne aktuellen Handlungsbedarf und anstehende Aufgaben selbstständig (etwa durch die Analyse eingehender E-Mails oder Bipro-Importe) und leite die erforderlichen Arbeitsschritte ab. 

Norbert Porazik, Infitech (Foto: WAEIS Filme GmbH)

„Der Makler hat dann die Möglichkeit, die vorgeschlagene Vorgehensweise zu prüfen und zu bestätigen“, sagt er und nennt ein Praxisbeispiel: Der KI-Agent erkennt in der Bipro-Post eine deutliche Beitragserhöhung, daraufhin ermittelt er im nächsten Schritt im integrierten Vergleichsrechner besser geeignete, günstigere Alternativen und verfasst abschließend sogar eine entsprechende E-Mail mit allen relevanten Informationen an den Kunden. Im kommenden Update für PWX werden unter anderem das branchenspezifische Fachwissen des Maklerverwaltungsagenten deutlich erweitert und das Tool befähigt, komplexe Analysen und Bestandsauwertungen durchzuführen, kündigt Porazik an.

Rückmeldungen durchweg positiv

Die Rückmeldungen, die das Unternehmen erreichen, seien durchweg positiv. „Drei Monate nach dem Launch arbeiten bereits rund zwölf Prozent der Nutzer unseres MVP Professional Works regelmäßig mit dem Maklerverwaltungsagenten PWX und wir verzeichnen konstante Zuwächse. Mit der Funktionserweiterung ab März rechnen wir damit, dass die Quote noch einmal einen erheblichen Sprung macht“, so Porazik.

Beinahe jeder fünfte Nutzer von PWX zähle zu den sogenannten Power-Usern. Das sind Makler, die sehr viele ihrer Aufgaben über das KI-Tool erledigen. „Wer sich an diese neue Art zu arbeiten gewöhnt hat, nutzt sie häufig intensiv – ein Zeichen für den hohen praktischen Nutzen im Arbeitsalltag“, berichtet Porazik. Das bestätige auch die qualitative Analyse der Chatverläufe zwischen Vermittlern und PWX: Die Erfolgsrate bei mehr als 25.000 ausgewerteten KI-gestützten Konversationen liegt bei 99,7 Prozent. „Das bedeutet, in so gut wie allen Fällen konnte der Maklerverwaltungsagent erfolgreich unterstützen“, betont er.

KI kann Finanzdienstleister also signifikant entlasten und unterstützen, soll den Menschen aber nicht ersetzen. DVAG, BCA und Infitech sind nur drei Beispiele dafür, wie weit die Unternehmen bereits KI-Lösungen integrieren. Finanzdienstleister sind also gut beraten, sich mit den angebotenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, sofort alles zu benutzen, sondern zunächst auszuprobieren, auszuwählen und Routinen zu entwickeln.

Verantwortlich bleibt der Mensch, nicht die Maschine

Bei aller Euphorie darf dabei indes eines nicht aus dem Blick geraten: Die große Mehrheit der Kunden bevorzugt den persönlichen Kontakt, jedenfalls wenn es an die konkrete Finanzberatung geht. Und: Verantwortlich ist am Ende immer der Mensch (und gegebenenfalls sein Unternehmen), nicht die Maschine. Es ist daher weder für den Vertrieb noch für die Kunden ratsam, der KI blind zu vertrauen. Insbesondere in der direkten Kundenkommunikation und bei konkreten Anlage- beziehungsweise Abschlussvorschlägen ist ein kritischer Blick auf die Ergebnisse bis auf Weiteres sicherlich angebracht.

Noch ist zwar nicht bekannt, inwieweit auch Finanz-KI in Einzelfällen „halluziniert“. Aber auch die Betreiber des Buchungsportals für das Ski-Quartier im Ötztal werden wohl kaum damit gerechnet haben, dass ihre KI einfach etwas dazudichtet. So stellte sich vor Ort heraus, dass auch ein Ski-Abstellraum, den das Portal Aussicht gestellt hatte, nicht existierte. In diesem Fall resultiert die Angabe mutmaßlich daraus, dass in den Skigebieten Österreichs nahezu alle Quartiere über einen solchen Raum verfügen und die KI mit einer (für sie) ausreichenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen ist, dass es in diesem Fall wohl auch so sein wird. Trotzdem stimmte es nicht.

Vielleicht auch ein schusseliger Mitarbeiter

Auch das war keine größere Einschränkung, zumal das Quartier ansonsten prima war. Theoretisch wäre es jedoch sicherlich möglich gewesen, einen kleinen Reisemangel geltend oder jedenfalls Ärger zu machen. Im Finanzbereich können solche Ungenauigkeiten unter Umständen noch deutlich schwerwiegendere Folgen haben.

Allerdings, das muss noch klargestellt werden: Cash. hat beim Buchungsportal nicht nachgefragt, ob es tatsächlich eine KI verwendet. Auch wenn es ganz danach aussieht, hat also vielleicht auch ein schusseliger Mitarbeiter schlampig gearbeitet. Auch das ist, hie wie dort, natürlich nicht ausgeschlossen.  Und wer mehr Fehler macht – Mensch oder Maschine – ist generell eine noch nicht geklärte Frage.

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