Die Interhyp AG hat die Ergebnisse ihrer Wohntraumstudie 2026 vorgelegt. Im Zentrum steht erneut das Thema Gen Z Eigenheim. Wie das Münchner Unternehmen mitteilt, ist der Wunsch nach einem eigenen Zuhause bei jungen Menschen zwischen 23 und 30 Jahren in den vergangenen Jahren sogar gewachsen. Zugleich hängt die gefühlte Erreichbarkeit stark von der familiären Ausgangslage ab.
Kaufwunsch der Gen Z wächst trotz schwieriger Lage
Der Wunsch nach einem eigenen Zuhause bleibt in der Gesamtbevölkerung groß: 68 Prozent der Mieterinnen und Mieter in Deutschland wollen laut der Studie irgendwann im Eigentum leben. Für etwa die Hälfte zählt das Eigenheim zu den großen Lebenszielen. Wer bereits selbst Eigentümer ist, zeigt sich der Erhebung zufolge in 97 Prozent der Fälle mit dieser Entscheidung zufrieden.
Auch in der jüngeren Generation zeigt sich dieser Wunsch deutlich: Für 93 Prozent der 23- bis 30-Jährigen spielt ein schönes Zuhause eine wichtige Rolle. Von den Mietern dieser Altersgruppe zählen inzwischen 80 Prozent zu den Kaufinteressierten. 2021 lag dieser Anteil bei den damals 18- bis 25-Jährigen noch bei 73 Prozent. Etwa jeder Zweite der 23- bis 30-Jährigen gibt außerdem an, dass der Wunsch nach Eigentum in den letzten Jahren zugenommen habe. Nur 15 Prozent berichten vom Gegenteil.
„Die junge Generation hat den Traum vom eigenen Zuhause keineswegs aufgegeben. Und dann stellt sich sehr schnell die Frage: Was kann ich mir tatsächlich leisten?“, erläutert Thomas Kreil, der bei Interhyp als Managing Director das Privatkundengeschäft leitet.
Sparen, Verschieben, Kompromisse: Wie die Gen Z auf die Finanzierungslücke reagiert
Wenn der Kauf zunächst nicht finanzierbar ist, geben die wenigsten jungen Kaufinteressierten ihren Plan auf. Von den 23- bis 30-jährigen Mietinteressenten mit Kaufwunsch planen 41 Prozent, in diesem Fall länger oder intensiver zu sparen, 33 Prozent verschieben den Kauf auf einen späteren Lebensabschnitt. Lediglich fünf Prozent stellen sich bewusst auf ein dauerhaftes Leben zur Miete ein.
Auch beim Objekt selbst zeigen sich die Befragten kompromissbereit: 65 Prozent könnten sich vorstellen, außerhalb der Stadt oder ländlicher zu wohnen, 41 Prozent akzeptieren weniger Wohnfläche und 40 Prozent einen anderen Immobilientyp als ursprünglich geplant. Laut Kreil widerspricht diese Bereitschaft zu Verzicht und Geduld dem verbreiteten Klischee einer wenig disziplinierten Generation. Der Wunsch nach Eigentum sei vorhanden, die jungen Menschen gingen dabei aber realistisch mit ihren finanziellen Möglichkeiten um.
Wie lange diese Vorbereitung dauert, zeigen Zahlen zur Sparpraxis: Eigentümerinnen und Eigentümer im Alter von 23 bis 30 Jahren berichten rückblickend, im Schnitt acht Jahre für Wohneigentum gespart zu haben. Mieterinnen und Mieter der gleichen Altersgruppe, die aktuell mit Kaufwunsch sparen, kommen bislang im Mittel auf 4,7 Jahre. Unter den Eigentümern legten 31 Prozent regelmäßig eine feste Rate zurück, unter den sparenden Mietern mit Kaufwunsch sind es 19 Prozent. Wer wenig oder gar nicht spart, nennt der Studie zufolge vor allem das begrenzte eigene Einkommen und hohe Lebenshaltungskosten als Hauptgründe.
Familiäre Unterstützung entscheidet über Gen Z Eigenheim
Beim Aufbau von Eigenkapital zeigt sich für viele junge Menschen eine zentrale Hürde. Zur Einordnung: Käuferinnen und Käufer im Alter von 18 bis 30 Jahren setzen in der Finanzierungspraxis von Interhyp derzeit durchschnittlich etwa 95.000 Euro Eigenkapital für ihre Baufinanzierung ein.
Dass diese Hürde die Einschätzung zur eigenen Finanzierbarkeit prägt, zeigt die Studie ebenfalls: Lediglich knapp die Hälfte der 23- bis 30-jährigen Mietinteressenten mit Kaufwunsch schätzt den Erwerb von Wohneigentum als sicher oder zumindest möglich ein. Ein entscheidender Faktor dabei ist die Familie. 66 Prozent der Kaufinteressierten dieser Altersgruppe rechnen mit familiärer Unterstützung beim Immobilienkauf, etwa in Form einer Schenkung, eines privaten Darlehens, einer Bürgschaft oder eines möglichen Erbes. Viele planen demnach, ihre Immobilie mit Eltern zu finanzieren, statt allein auf eigene Ersparnisse zu setzen.
Der Unterschied in der wahrgenommenen Machbarkeit fällt deutlich aus: Unter den jungen Kaufinteressierten ohne erwartete familiäre Hilfe halten 32 Prozent den Erwerb für machbar, mit erwarteter Unterstützung sind es 67 Prozent.
„Familiäre Unterstützung ist keine Voraussetzung für Wohneigentum. Aber unsere Daten zeigen einen deutlichen Zusammenhang: Wer Unterstützung aus der Familie erwarten kann, hält den eigenen Immobilienkauf sehr viel häufiger für machbar“, sagt Kreil.
Ein realistischer Finanzierungsplan als erster Schritt
Für Interhyp folgen aus diesem Befund zwei Konsequenzen: Zum einen brauche es bessere strukturelle Startbedingungen. Zum anderen sei es für Kaufinteressierte sinnvoll, sich bereits frühzeitig ein klares Bild der eigenen finanziellen Spielräume zu verschaffen. Zwischen dem Gefühl, sich kein Wohneigentum leisten zu können, und einer tatsächlich durchgerechneten Finanzierung liegt laut Kreil oft ein erheblicher Unterschied. Wer wisse, welche Rate sich langfristig tragen lasse, wie viel Eigenkapital eingesetzt werden solle und welcher Immobilienpreis sich daraus ergebe, könne deutlich gezielter nach einer passenden Immobilie suchen.
Politik soll Grunderwerbsteuer senken und Nachrangdarlehen ausbauen
Damit das Thema Gen Z Eigenheim nicht nur bei den jungen Menschen selbst, sondern auch in der Politik ankommt, fordert Interhyp konkrete Maßnahmen. Eine individuelle Finanzierungsplanung kann strukturelle Einstiegshürden nämlich nicht beseitigen. Vor allem die Erwerbsnebenkosten stellen für junge Kaufinteressierte eine zusätzliche Belastung dar, da diese Kosten üblicherweise aus eigenem Vermögen gedeckt werden müssen.
Interhyp plädiert daher dafür, Ersterwerbern Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer einzuräumen. Zusätzlich könnten staatliche Bürgschaften sowie eigenkapitalersetzende oder zinsvergünstigte Nachrangdarlehen Haushalte unterstützen, die zwar über ein stabiles Einkommen, aber nicht über ausreichend Eigenkapital verfügen.
Die Wohntraumstudie 2026
Für die Studie befragte Interhyp zwischen dem 18. August und dem 1. September 2026 insgesamt 1.523 Menschen in Deutschland. Darunter waren 407 Personen im Alter von 23 bis 30 Jahren und 173 Personen zwischen 18 und 22 Jahren. Die gezielt erhöhte Zahl junger Befragter gewichtete das Unternehmen anschließend statistisch, um auch für die Gesamtbevölkerung repräsentative Aussagen treffen zu können. Interhyp erhebt die Wohntraumstudie bereits seit 2011 und vermittelt selbst private Baufinanzierungen in Deutschland.















