Fast jeder zweite Mieter in Deutschland (48 Prozent) würde lieber in den eigenen vier Wänden wohnen. Für 85 Prozent von ihnen bleibt der Wunsch nach Wohneigentum jedoch unerreichbar, weil ihnen die nötigen finanziellen Mittel fehlen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Postbank. Das Unternehmen veröffentlichte die Ergebnisse am Mittwoch. Als größte Hürde auf dem Weg zum Eigenheim nennen 57 Prozent der Befragten fehlende Rücklagen. Damit entscheidet das Eigenkapital bei der Baufinanzierung häufig darüber, ob aus dem Wohntraum Wirklichkeit wird.
Kaufnebenkosten aus eigener Tasche zahlen
„Als Faustregel gilt, dass Käufer mindestens die Kaufnebenkosten – etwa für Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbucheintrag und Makler – aus eigenen Mitteln finanzieren können. Sie machen in der Regel zehn bis 15 Prozent des Kaufpreises aus“, erklärt Baufinanzierungsexperte Fejzu Peci von der Postbank. „Da den Kaufnebenkosten kein materieller Gegenwert gegenübersteht, finanzieren Banken sie meist nicht mit. Generell gilt: Je höher das vom Käufer eingebrachte Kapital, desto günstiger sind in der Regel die Kreditkonditionen, da es das Risiko der Bank senkt.“
Wer ausreichend Eigenkapital bei der Baufinanzierung einbringt, profitiert also doppelt. Die Bank geht ein geringeres Risiko ein, und die eigene Kreditrate fällt niedriger aus. Die Wohnkosten für Mieter sind zwar meist genau kalkulierbar. Trotzdem bleibt vielen kein finanzieller Spielraum, um daneben Rücklagen für den Immobilienkauf aufzubauen. Wie sich die Finanzierung dennoch stemmen lässt, zeigen verschiedene Strategien für den Immobilienkauf.
Was neben dem Ersparten als Eigenkapital zählt
Vielen Kaufinteressenten ist nicht bewusst, dass das Eigenkapital bei der Baufinanzierung mehr umfasst als das Guthaben auf dem Girokonto. Auch Sparguthaben, Bausparverträge, Wertpapierdepots sowie bereits vorhandene Grundstücke oder Immobilien lassen sich als eigene Mittel einbringen. Bei Neubauten erkennen Banken unter bestimmten Voraussetzungen zudem Eigenleistungen an, etwa wenn Käufer selbst mit anpacken. Diese sogenannte Muskelhypothek mindert den Kreditbedarf, ohne dass zusätzliches Geld fließen muss.
Eigenkapital bei der Baufinanzierung gezielt aufbauen
Um einen finanziellen Grundstock für den Immobilienkauf aufzubauen, sollten angehende Käufer möglichst früh regelmäßig sparen. Idealerweise läuft dafür ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang. Auch kleine Beträge summieren sich über die Jahre zu einer stattlichen Summe. Zusätzliche Einnahmen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Steuererstattungen oder Geldgeschenke lassen sich ebenfalls konsequent in die Eigenkapitalreserve einzahlen. Wer erzielte Erträge wieder anlegt, profitiert zudem vom Zinseszinseffekt. Eine gründliche Vorbereitung der Immobilienfinanzierung kann den späteren Kaufprozess zusätzlich beschleunigen.
Eigentümer blicken optimistischer auf den Immobilienmarkt
Laut der Postbank-Umfrage schätzen Eigentümer die eigenen Chancen, aus eigener Kraft zum Immobilienbesitzer zu werden, deutlich optimistischer ein als Mieter. Besonders deutlich zeigt sich das bei drei möglichen Wegen zum Eigenheim:
| Weg zum Eigenheim | Eigentümer | Mieter |
|---|---|---|
| Regelmäßiges Sparen | 19 Prozent | 11 Prozent |
| Kauf einer sanierungsbedürftigen Immobilie | 15 Prozent | 8 Prozent |
| Kompromisse bei den Wohnwünschen | 11 Prozent | 5 Prozent |
Der Unterschied fällt bei allen drei Antworten deutlich aus. Wer bereits eine Immobilie besitzt, hält den eigenen Weg zum Wohneigentum offenbar für realistischer, als Mieter ihn für sich selbst einschätzen. Auch nach dem Kauf lohnt sich ein Blick auf bewährte Regeln für die Baufinanzierung, um Sondertilgungen und den Anschlusskredit optimal zu planen.
Zur Umfrage
Die Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag der Postbank. Befragt wurden zwischen dem 3. und 6. Juli 2026 insgesamt 2.016 Personen. Darunter waren 1.109 Mieter und 809 Personen, die in der eigenen Immobilie wohnen. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.















