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Wohneigentum: Warum Finanzierungsberatung früher beginnen muss

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Sascha Mermann, von Poll Finance
Foto: von Poll Immobilien
Sascha Mermann, von Poll Finance

Die Eigentumsquote in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren gesunken. Für viele Kaufinteressenten fehlt nicht die passende Immobilie, sondern ein Plan zum nötigen Eigenkapital, sagt Sascha Mermann, von Poll Finance. Finanzierungsberater können früher ansetzen - und aus einem Kaufwunsch ein erreichbares Ziel machen.

Eine junge Familie möchte Wohneigentum erwerben. Beide Eltern sind berufstätig, sie haben ein Kind, ein zweites Kind ist geplant. Das Einkommen ist solide, die monatliche Rate wäre tragbar. Doch beim Eigenkapital zeigt sich die Lücke: 15.000 Euro Rücklagen stehen einem Bedarf von rund 60.000 Euro bis 80.000 Euro für Kaufnebenkosten und eine solide Finanzierung gegenüber. Der Kauf wird vertagt - nicht, weil der Wunsch unrealistisch ist, sondern weil ein Plan für den Weg von 15.000 Euro auf etwa 70.000 Euro fehlt.

Solche Konstellationen sehen die von Poll Finance Experten häufig. Sie stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über den Einzelfall hinausgeht: Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist nach einer aktuellen Untersuchung des Pestel-Instituts für 2025 auf 43,5 Prozent gesunken - den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Für viele Menschen scheitert der Wunsch nach Wohneigentum allerdings nicht an der passenden Immobilie, sondern früher: an fehlendem Eigenkapital und der Unsicherheit, welche Belastung langfristig tragbar ist.


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Für Finanzierungsberater folgt daraus: Beratung darf nicht erst beginnen, wenn der Kaufvertrag vorbereitet wird. Sie muss früher einsetzen - mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und einer Strategie, die aus einem Wunsch ein erreichbares Ziel macht. Die Hürde liegt heute oft nicht im Kaufpreis allein, sondern in der Gesamtrechnung. Neben Eigenkapital, Bonität und Finanzierungskosten entscheiden bei Bestandsimmobilien Energieeffizienz, Modernisierungsbedarf, laufende Kosten und Reserven darüber, ob ein Kauf langfristig tragbar ist.

Wer seinen Spielraum schon mit der anfänglichen Rate ausschöpft, kann spätere Investitionen kaum auffangen. Käufer müssen deshalb nicht nur wissen, welche Rate heute möglich ist. Sie sollten auch einschätzen können, was bei veränderten Einkommen, Familienplänen oder künftig anstehenden Maßnahmen geschieht. Eine Finanzierung, die nur unter optimalen Bedingungen funktioniert, ist keine solide Grundlage.

Beratung beginnt vor der Immobiliensuche

Der wertvollste Kontakt entsteht häufig nicht erst bei der unterschriftsreifen Kaufentscheidung, sondern zwei oder drei Jahre davor. Dann geht es darum, Eigenkapital systematisch aufzubauen, den passenden Finanzierungsrahmen zu entwickeln und Kaufinteressenten Schritt für Schritt zur Kaufreife zu begleiten. Wer erst auf die konkrete Immobilie wartet, setzt oft zu spät an. Ein erstes Gespräch kann und sollte bereits beginnen, wenn noch keine Besichtigung ansteht. Im Mittelpunkt stehen vier Fragen: Wie viel Eigenkapital ist vorhanden? Welche Summe lässt sich regelmäßig zurücklegen? Welcher Gesamtrahmen ist realistisch? Und welche Reserve braucht der Haushalt?

Aus diesen Antworten entsteht eine individuelle Strategie. Sie zeigt, welche Wege für den einzelnen Haushalt realistisch sind. Für manche Kunden heißt sie, den Eigenkapitalaufbau über einen klaren Zeitraum zu planen - je nach Zeithorizont auch mit einem Bausparvertrag als planbarem Spar- und Zinsbaustein. Andere erweitern ihren Suchradius, passen die Objektgröße an oder verschieben den Kauf bewusst. Auch individuell passende Fördermöglichkeiten und familiäre Unterstützung gehören früh auf den Tisch. Ebenso gehört der Zustand der Immobilie in die Planung. Kaufpreis und Zinssatz sind nur zwei Bausteine der Entscheidung. Ein guter Finanzierungsberater erklärt deshalb nicht nur, was eine Bank finanziert. Er hilft seinen Kunden zu verstehen, was sie langfristig verantwortungsvoll finanzieren können.

Wer nach dem ersten Gespräch einen Zielkorridor, einen Sparplan und einen Zeitpunkt für die nächste Überprüfung vereinbart, begleitet Kunden auf dem Weg zur Kaufreife. Das ist keine Vertröstung, sondern verantwortungsvolle Vorlaufberatung.
Aus einem Vielleicht wird ein konkreter Weg

Der reine Zinsvergleich ist heute in weiten Teilen digital möglich. Der Mehrwert persönlicher Beratung liegt darin, Möglichkeiten sichtbar zu machen, Entscheidungen zu strukturieren und das gesamte Finanzierungskonzept im Blick zu behalten. Aus einem unverbindlichen „Wir melden uns, wenn wir mehr gespart haben“ kann so ein konkreter Plan mit Zielbetrag, realistischen Zwischenschritten und festen Wiedervorlagen werden.

Davon profitieren auch Immobilienmakler. Sie begegnen häufig Interessenten, deren Wunsch nach Eigentum ernsthaft ist, die aber noch nicht kaufbereit sind. Werden diese Kontakte frühzeitig an Finanzierungsberater herangeführt, gehen sie nicht verloren. Sie werden auf ihrem Weg begleitet und kehren mit einer tragfähigen Finanzierung in die Immobiliensuche zurück.
Die sinkende Eigentumsquote ist kein abstrakter Statistikwert. Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Finanzierungsberater können schon heute ihren Beitrag leisten: indem sie Kunden früher begleiten und aus einem Wunsch einen nachvollziehbaren Weg machen. Wohneigentum darf nicht unerreichbar werden.

Autor Sascha Mermann ist geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll Finance und begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten Finanzierungsberater, Immobilienmakler und Vertriebsorganisationen an der Schnittstelle zwischen Immobilienvertrieb und Baufinanzierung. Er verfügt über einen betriebswirtschaftlichen und immobilienökonomischen Hintergrund und hat seine Abschlussarbeit dem Thema Cross-Selling im Immobilienvertrieb gewidmet. In seiner beruflichen Praxis hat er rund 1.300 Immobilienfinanzierungen begleitet und etwa 400 Immobilientransaktionen vermittelt.
Sein Schwerpunkt liegt auf der strategischen Verzahnung von Immobilienvermittlung und Finanzierung - mit dem Ziel, Maklerorganisationen durch professionelle Finanzierungsprozesse erfolgreicher, kundenorientierter und abschlussstärker zu machen.

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