Herr Angermann, die U-434 liegt seit 2002 als „schwimmendes Museum“ im Hamburger Hafen. Können Sie uns zu Beginn etwas über die Geschichte des U-Bootes erzählen? Was ist die U-434 für ein U-Boot-Typ und wo wurde sie gebaut?
Angermann: Das U-Boot wurde 1976 auf der Krasnoje-Sormowo-Werft in Gorki, heute Nischni Nowgorod, gebaut und gehört zur sogenannten Tango-Klasse. Die U-434 ist eines der letzten U-Boote der Tango-Klasse weltweit. Vermutlich wurden 20 Stück gebaut, von denen drei U-Boote einer Sonderbaureihe angehörten, darunter auch die U-434. Es ist 90 Meter lang, neun Meter breit und war für eine Besatzung von 84 Mann ausgelegt. Es wurde innerhalb eines Jahres fertiggestellt – das ist unvorstellbar schnell, wenn man bedenkt, wie ein solches U-Boot gebaut ist. Die maximale Tauchtiefe lag bei 400 Metern.
Wofür wurde das U-Boot von der russischen Marine eingesetzt?
Angermann: Es war ein klassisches Spionage-U-Boot und wurde auf der ganzen Welt eingesetzt. Aufgrund der speziellen Gummibeschichtung war es für Sonargeräte westlicher Geheimdienste nahezu unmöglich, Spionage-U-Boote wie die U-434 zu orten. Nach seinem aktiven Dienst war es bis zum Jahr 2002 in Reserve. Russische U-Boote sind 20 Jahre lang im Dienst, gehen dann für fünf Jahre in Reserve und werden in dieser Zeit hauptsächlich zu Ausbildungszwecken genutzt. Ich habe es 2002 aus der Reserve herausgekauft. Nach dem Kauf haben die Russen den Kapitän und den 1. Offizier der U-434 nach Hamburg geschickt, damit sie uns drei Monate lang in das U-Boot einweisen konnten. Das war eine tolle Geste. Weil er sich in den 25 Jahren auf der U-434 immer tadellos verhalten hatte, wurde dem Kapitän anschließend als Belohnung das Kommando über das modernste russische Atom-U-Boot übertragen.
Was hat Sie auf die Idee gebracht, ein U-Boot-Museum zu gründen? Was wollten Sie damit bezwecken?
Angermann: Der Untergang des Atom-U-Bootes „Kursk“ im Jahr 2000 hat die russische Flotte in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Damals habe ich mir gedacht: Man müsste jetzt eigentlich ein russisches U-Boot kaufen, damit die Menschen sich mal ein eigenes Bild davon machen können, wie rustikal so ein U-Boot in Wirklichkeit ist. Ich wollte den Menschen einen Eindruck davon vermitteln, wie das Leben an Bord ist. Ein U-Boot wird für den Krieg gebaut. Es geht nicht darum, als Besatzungsmitglied möglichst bequem darin zu hausen, sondern es geht um Krieg. Deshalb kann man jungen Menschen eigentlich nicht zumuten, Dienst auf einem U-Boot abzuleisten. Das U-Boot-Museum sollte ein Mahnmal gegen den Krieg sein – das passt auch heute noch. Die U-434 ist ein Museum und kein Kriegsobjekt.
Wie verliefen die Kaufverhandlungen mit den Russen?
Angermann: Die Russen haben zunächst einmal 14 Tage lang mein Gedankengut durchleuchtet, was sehr interessant war. Dann haben sie ihr Okay gegeben und von da an durfte ich mir dort alles angucken. Ich war an Orten, an die sonst kein Mensch hinkommt. Noch bis kurz vor Kriegsbeginn 2022 haben mich die Russen eingeladen, wenn ihre Marine irgendwo etwas gefeiert hat – ich bin bis nach Kamtschatka gekommen. Unser Verhältnis war nicht freundschaftlich, aber von gegenseitigem Respekt geprägt. Die eigentlichen Kaufverhandlungen waren nicht besonders hart. Die Russen waren sehr gut vorbereitet. Wir haben uns in meinem Hotel getroffen, die Unterhaltung hat nur zehn Minuten gedauert. Es war in erster Linie eine rechtliche Belehrung, nach dem Motto: „Herr Angermann, dies ist ein Vertrag zwischen Russland und Ihnen persönlich. Sie dürfen uns nicht verarschen.“ Sie haben mir zu verstehen gegeben, dass nichts schiefgehen darf.
Ist denn nichts schiefgegangen?
Angermann: Das Akkreditiv (Vertrag mit einer Bank, der garantiert, dass der Käufer den Verkäufer pünktlich und in der richtigen Höhe bezahlen wird, Anm. d. Red.), das wir für die Anzahlung mit der Bank abgeschlossen hatten, wurde von den Russen nicht anerkannt, weil die Bank darin einen Fehler gemacht hatte. Uns fehlten also plötzlich 360.000 Euro. Da haben die Russen mit Nachdruck zu mir gesagt: „Herr Angermann, dann bleiben Sie jetzt unser Gast, bis das Problem gelöst ist.“ Also habe ich meine Frau angerufen und ihr gesagt, dass wir noch einmal 360.000 Euro brauchen. Am nächsten Tag war das Geld auf dem Konto. Da haben die Russen gesagt: „Hut ab!“
Ist der Transport von Russland nach Hamburg reibungslos verlaufen?
Angermann: Das U-Boot ist über Norwegen nach Hamburg gekommen. Ich habe es zwar in Poljarny rausfahren sehen, konnte aber nicht sicher sein, ob es auch in Hamburg ankommt. Deshalb habe ich bei der norwegischen Armee nachgefragt, ob sie auf ihren Radarschirmen einen Hochseeschlepper mit einem U-Boot sieht. Die Norweger konnten das U-Boot wegen seiner Gummibeschichtung nicht auf dem Radar erkennen, haben aber nachts zwei Aufklärungsflugzeuge aufsteigen lassen – für jeweils 28.000 Dollar die Stunde – und mir dann Infrarotbilder von der U-434 auf ihrem Weg nach Hamburg geschickt. Das hat mich zum Glück keinen Pfennig gekostet, denn die Aufklärung war auch im Interesse der norwegischen Armee. Die Norweger und die Russen waren sich schon damals militärisch nicht grün.















