EXKLUSIV

Wie versichert man eigentlich ein U-Boot, Herr Angermann und Herr Elson?

War es schwierig, einen Liegeplatz in Hamburg zu bekommen?

Angermann: Ich habe die Hamburger Handelskammer angerufen und dort hat man mir signalisiert, mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen. Und tatsächlich hat die Handelskammer vor Ort alles organisiert, bis hin zur Feuerwehrabnahme. Die Stadt Hamburg war insgesamt eine große Hilfe – in meiner Heimatstadt Dresden wäre das nicht möglich gewesen. Das gilt auch für den Liegeplatz: Die U-434 lag zunächst im Baakenhafen, 2010 zog sie dann an den Fischmarkt um. Das U-Boot schwimmt hier übrigens nicht, sondern liegt in einer Tiefe von 1,80 Metern in einer Art Grube. Wir sind damit das einzige U-Boot-Museum, das tauchen kann – denn wenn im Hafen die Flut kommt, ragt nicht mehr viel von der U-434 aus dem Wasser. Wie sagt man so schön: Ein U-Boot, das nicht taucht, taugt nichts.

Wie wurde das Museum angenommen? Und hat sich daran seit Kriegsbeginn etwas geändert?

Angermann: Das Museum wurde von Beginn an gut angenommen. Wir haben mehr als 100.000 Besucher im Jahr, darunter viele Schulklassen. Unsere Befürchtung, dass sich der Krieg in der Ukraine negativ auf die Besucherzahlen auswirken könnte, hat sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet. Gerade weil die U-434 ein Mahnmal gegen den Krieg ist, gibt es bei den Besucherzahlen keinen Unterschied zu früher. Viele Besucher wissen auch gar nicht, dass dies ein russisches U-Boot ist.

Wenn Sie morgens hier an Bord kommen – denken Sie zuerst an die Geschichte und die Faszination dieses U-Bootes oder eher an Haftung, Risiken und Sturmflutgefahren?

Angermann: Ich freue mich zuerst, wenn mich die Kollegen begrüßen und sagen: „Schön, dass du da bist.“ Viele Mitarbeiter sind seit 22 Jahren dabei, also von Anfang an. Das Verhältnis ist eher kameradschaftlich als hierarchisch. Wenn man ständig Angst hätte, dass etwas schiefgeht, könnte man so ein Projekt gar nicht betreiben. Man muss das realistisch sehen. Ich habe früher Hubschrauber geflogen und dabei einiges erlebt – Totalschäden, Notlandungen und technische Ausfälle. Man darf sich von solchen Risiken nicht leiten lassen.

Das Interview fand unter Deck in der Offiziersmesse der U-434 statt. (Foto: Florian Sonntag)

Herr Elson, wie hat Nikolai Assecuranz reagiert, als die Anfrage kam, ein U-Boot zu versichern?

Elson: Ich fand das spannend. Ungewöhnliche schwimmende Objekte zu versichern, hat immer einen besonderen Reiz. Ein Containerschiff, das auf der Elbe auf und ab fährt, ist am Ende doch immer gleich. Die Würze sind die besonderen Objekte. Wir hatten schon einige davon, etwa über die Stiftung Hamburg Maritim – die „Peking“ zum Beispiel, die als Museumsschiff im Hamburger Hafen liegt. Das sind außergewöhnliche Schiffe. Als die Anfrage für ein U-Boot kam, dachte ich: Das ist wirklich spannend – das möchte ich hinkriegen.

Welche Anforderungen stellen Sie als Assekuradeur an Sicherheits- und Wartungskonzepte?

Elson: Man muss zunächst einmal Fragen stellen – zum Objekt und den Betreibern. Es geht um Stabilität, Brandschutz und grundlegende Sicherheitskonzepte. Darüber haben wir uns relativ lange ausgetauscht.

Angermann: Wenn ich mich richtig erinnere, war da aber auch eine Vertrauensbasis.

Elson: Ja, aber Fragen habe ich trotzdem gestellt.

Angermann: Aber ich gehe davon aus, dass auch Vertrauen dabei war. Sonst wären aus einer Frage schnell zwanzig geworden. In unserem Fall war die Versicherung letztlich eine Sache des Vertrauens – zwischen der Handelskammer, Ihnen und mir.

Wie groß ist dieser Anteil? Wie viel ist Vertrauen, wie viel ist Checkliste?

Elson: Das variiert. Es gibt Reedereien, bei denen die Checklisten sehr lang sind und der Vertrauensanteil klein ist.

Und hier?

Elson: Hier war es eher umgekehrt. Das lag auch an der Konstellation. Die Handelskammer Hamburg war stark involviert. Außerdem hatten wir früher bereits große Werften mitversichert. Daher wussten wir, wie aufwendig und komplex der Bau von U-Booten ist – und auch, dass diese Konstruktionen sehr langlebig sind. Für eine Ausstellung braucht man deshalb gar nicht mehr so viel Absicherung. Es geht ja nicht um Maschinenschäden. Ich habe trotzdem viele Fragen gestellt: Gibt es noch Brennstoffreste, Öl oder andere Rückstände? All solche Dinge. Die Antwort war: „Alles ist raus.“ Und wenn Herr Angermann sagt, es ist alles raus, dann ist es auch raus.

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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