Die U-434 liegt hier im Hamburger Hafen, ein Standort mit realen Sturmflutrisiken. Welche Rolle spielen Hochwasser- und Elementarschäden bei der Versicherung?
Elson: Die Elementardeckung ist natürlich enthalten. Das U-Boot ist ganz normal gegen die Gefahren versichert, denen es hier ausgesetzt ist – also auch gegen Hochwasser. Gleichzeitig weiß ich, dass hier überall Sensoren installiert sind und bisher auch noch nie etwas passiert ist. Die Einstiegstür hätte durchaus schon Gelegenheiten gehabt, offen zu stehen und das Boot zu fluten – das ist aber nicht passiert. Außerdem gibt es zwei zusätzliche Flutschutztüren.
Angermann: Die werden geschlossen, wenn Sturmflut angekündigt ist. Auf meinem Computer und an der Kasse werden Tiden- und Sturmflutwarnungen angezeigt. Wenn eine Sturmflut bevorsteht, wird auch der Nachtwächter informiert. Dann werden die Sturmfluttüren geschlossen. Beim letzten Hochwasser war ich selbst hier und dachte noch, wir hätten ein bisschen Zeit, damit ein paar Besucher ins U-Boot können. Hinten haben wir die Tür geschlossen, aber als ich vorne zumachen wollte, stand ich schon mit den Schuhen im Wasser. Das kann sehr schnell gehen – deshalb muss man rechtzeitig reagieren.
Das U-Boot hat jährlich über 100.000 Besucher. Wie komplex ist die Absicherung?
Elson: Versichert ist das über eine klassische Betriebshaftpflicht – deklariert als U-Boot-Museum. Das häufigste, was passiert, ist eigentlich, dass sich Besucher den Kopf stoßen. Die Haftpflichtversicherung ist dafür da, berechtigte Ansprüche zu bezahlen und unberechtigte abzuwehren. Allerdings meldet Herr Angermann berechtigte Ansprüche meistens gar nicht.
Angermann: Wenn sich jemand verletzt, sprechen wir miteinander und klären das meist sofort. Deshalb ist die Versicherung bislang praktisch noch gar nicht in Anspruch genommen worden.
Was würden Sie sich vom Versicherungsmarkt wünschen, wenn es um außergewöhnliche Kulturobjekte wie dieses U-Boot geht?
Elson: Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Versicherer mit solchen Objekten beschäftigen. Die Zahl der Anbieter ist deutlich gesunken – vielleicht sind es heute noch sechs oder acht.

Wieder aufgetaucht (von links): Cash.-Redakteur Jörg Droste, Winfried Elson, Christian Angermann und Cash.-Redakteur Kim Brodtmann (Foto: Florian Sonntag)
Warum ist das so?
Elson: Bei den großen Gesellschaften wird irgendwann entschieden: „Das machen wir nicht mehr.“ Strategisch lohnen sich für manche Häuser selbst große maritime Risiken kaum noch. Entsprechend ziehen sie sich aus solchen Spezialobjekten erst recht zurück.
Angermann: Ich bin im Sozialismus groß geworden und habe deshalb vielleicht eine andere Sicht. Bei Kulturobjekten wie Schlössern, Burgen oder historischen Schiffen müsste sich der Staat stärker beteiligen. Er könnte einen Teil des Risikos übernehmen. Der Versicherer bewertet das Risiko und der Staat beteiligt sich über eine Art Rückdeckung.
Elson: Im Grunde ein staatliches Rückversicherungsprogramm für Katastrophenschäden. Das würde vieles einfacher machen.
Letzte Frage, Herr Angermann: Es gibt ja viele populäre U-Boot-Filme, zum Beispiel „Das Boot“ von Wolfgang Petersen oder „Jagd auf Roter Oktober“ mit Sean Connery. Wurde die U-434 schon als Drehort genutzt?
Angermann: Das U-Boot ist seit 2016 Drehort der NDR-Sendung „Käpt’ns Dinner“, eine Talkshow mit Moderator Michel Abdollahi und jeweils einem Gast. Ansonsten wurde an Bord bisher nicht gedreht, mit Ausnahme von einigen Musikvideos.
Hollywood hat noch nicht angeklopft?
Angermann: Nein, U-Boot-Filme werden aus logistischen Gründen meistens im Studio gedreht – was schade ist, denn dort ist alles Kulisse und das merkt man als Zuschauer. Wenn man hier an Bord drehen würde, wäre alles viel authentischer. Ich habe mich mal für die Außenwette von „Wetten, dass..?“ beworben, um auszuprobieren, wie viele Menschen in die U-434 passen. Das wäre eine schöne Wette gewesen, kam aber leider nicht zustande.
Das Gespräch führten Kim Brodtmann und Jörg Droste, beide Cash.














