Wieder unter 4 Prozent: Bauzinsen sinken derzeit deutlich

Foto: Interhyp
Mirjam Mohr

Ein deutlicher Inflationsrückgang, anhaltende geopolitische Risiken und eine sich abschwächende Wirtschaft spielen Immobilienkäufern und Eigentümern mit Anschlussbedarf aktuell in die Karten. Die Bauzinsen sinken.

Ein deutlicher Inflationsrückgang, anhaltende geopolitische Risiken und eine sich abschwächende Wirtschaft spielen Immobilienkäufern und Eigentümern mit Anschlussbedarf in die Karten. „Angesichts der aktuellen Situation an den Geld- und Kapitalmärkten senken viele Kreditgeber ihre Konditionen für Immobilienfinanzierungen“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin Privatkundengeschäft bei der Interhyp AG.

Nach Angaben des Baufinanzierers sind Anfang Dezember die Zinsen auf 3,8 Prozent gerutscht – ein Minus von rund 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. Im November waren die Zinsen auf über 4,2 Prozent geklettert und hatten ein 10-Jahres-Hoch erreicht. Im Interhyp Bauzins-Trendbarometer für den Monat Dezember gehen die befragten Experten von einem volatilen Markt aus. Gut vorbereitete Kreditnehmer könnten im aktuellen Umfeld laut Interhyp tausende Euro sparen.

Aus Zinsdelle wird Zinstief

„Aus der anfänglichen Zinsdelle ist ein richtiges Zwischentief geworden, das Sparchancen eröffnet. Bei einem 300.000 Euro-Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung und zwei Prozent Anfangstilgung können Kreditnehmer durch den Zinsrutsch von 4,2 auf 3,8 Prozent rund 13.000 Euro in zehn Jahren sparen“, sagt Mirjam Mohr. Sowohl Erst- als auch Anschlussfinanzierende kommen nach Monaten des Aufwärtstrends somit erstmals wieder günstiger an Fremdkapital.  

Kein Indiz für Trendumkehr

Wie die monatlich im Interhyp-Bauzinsbarometer befragten Experten deutlich machen, weist der aktuelle Zinsrutsch allerdings nicht zwangsläufig auf eine grundlegende Trendumkehr. Zwar haben sowohl die amerikanische Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank EZB laut Experteneinschätzung sehr wahrscheinlich den Leitzinsgipfel erreicht. Die Mehrheit rechnet jedoch frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2024 mit ersten Zinssenkungen. Die Inflation in der Eurozone ist zuletzt deutlich gesunken, doch die Kerninflation bleibt hoch und das angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent ist noch nicht erreicht.

Für eine lockerere Geldpolitik sprechen weltweite Rezessionsgefahren. Selbst erste Leitzinssenkungen müssen nicht generell zu sinkenden Zinsen führen, da die EZB etwa ihr Anleihenportfolio abbauen wird. Das könnte die langfristigen Kapitalmarktzinsen zunächst oben halten. Entsprechend verorten die meisten Kreditinstitute die Zinsen mittelfristig auf einem gleichbleibenden Niveau. Sie erwarten Schwankungen zwischen 3,5 bis 4 Prozent.

Volatiles Umfeld eröffnet Chancen

„Kaufinteressierte mit einer konkreten Immobilie an der Hand und Eigentümer, deren Zinsbindung ausläuft, sollten jetzt aktiv werden und das Zeitfenster nutzen. Es eröffnen sich gute Chancen in diesem volatilen Zinsumfeld“, erklärt Mohr. Wer tagesaktuell günstige Zinsen fixieren wolle, müsse jedoch einige Dinge beachten.

Um zeitnah einen Kredit zu beantragen, sind laut Interhyp eine frühzeitige Finanzierungsberatung und Vorbereitung unumgänglich. „Die Finanzierungsstruktur muss bekannt sein. Bestenfalls haben Kaufinteressenten einen favorisierten Darlehensgeber im Hintergrund“, sagt Mohr. Dafür braucht es nicht nur einen Kassensturz und einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben, sondern ebenso Wissen um die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit und das Sicherheitsbedürfnis. Zu klären sind der Eigenkapitaleinsatz, die Frage nach der gewünschten Zinsbindung sowie die Rückzahlungsgeschwindigkeit, also Tilgungshöhe.

Mit diesen Kenntnissen können Interessenten bei Zinsschwankungen schneller reagieren. Wer relevante Unterlagen zusammengetragen hat, braucht diese nur zeitnah zu aktualisieren. „Finanzierungsberater können in dieser Phase der wichtigste Sparringspartner sein. Sie haben einen Überblick, welche Institute gerade ihre Konditionen nach oben oder unten anpassen und können Interessenten über den Zins auf dem Laufenden halten. Wer fixe Abstimmungstermine mit seinem Berater vereinbart hat, kann direkt von Zinssenkungen profitieren und Konditionen fixieren“, weiß die Expertin.

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